Panorama

Inside Signa – wie Lobbyprofi Benko seine Geschäfte führte

Es kommt langsam Licht in die größte Firmenpleite Österreichs – die kollabierte Signa Holding von René Benko zieht weite Kreise, auch in Deutschland und der Schweiz. Von Benkos Einfluss bis zu exorbitanten Gehältern. Eine Analyse der Ereignisse und ihrer Folgen.
08.03.2024 06:43
Aktualisiert: 09.03.2024 16:00
Lesezeit: 2 min
Inside Signa – wie Lobbyprofi Benko seine Geschäfte führte
Österreichischer Investor Benko ist nun auch privat insolvent (Foto: APA/dpa). Foto: Helmut Fohringer

Die Neue Zürcher Zeitung schreibt, dass ihr ein Bericht der Sachverwalter vorliegt, durch den tiefe Einblicke in die Geschäftspraktiken und die Firmenkultur der Signa Prime Selection AG möglich sind. In diesem Unternehmen der Signa Holding waren besonders wertvolle Immobilien gebündelt. Die beauftragten Rechtsanwälte stellten fest, dass die Betriebskosten deutlich höher lagen als im Branchendurchschnitt, insbesondere bezogen auf die Gehälter der Mitarbeiter sowie Prämien und sonstige Zusatzleistungen.

Durchschnittlich erhielten die Mitarbeiter 6-stellige Gehälter

Laut Sachverwalterbericht hatte die Signa Prime Selection AG im Jahr 2022 313 Mitarbeiter mit Personalkosten von sage und schreibe 78,8 Millionen Euro. Das ergibt ein Durchschnittseinkommen pro Mitarbeiter von satten 252.000 Euro.

Die Vetternwirtschaft von René Benko war seit Langem bekannt. Mit viel Geld band er bekannte und einflussreiche Mitarbeiter und Berater an seine Unternehmen. Auch den ehemaligen Intersport-CEO Franz Julen versuchte er als Präsident für eine seiner Firmen zu gewinnen – mit einem Aktienpaket im Wert von 60 Millionen Euro. Aus diesem Deal wurde jedoch nichts.

Beraterverträge mit seinen eigenen Unternehmen

Benko wurde bereits 2012 in Österreich wegen Korruption verurteilt. Daraufhin zog er sich aus allen offiziellen Führungsfunktionen seiner Unternehmen zurück. Seit über zehn Jahren hatte René Benko bei der Signa also keine gesellschaftsrechtliche Funktion mehr inne, hatte dort auch offiziell nichts mehr zu sagen. Der Sachverwalterbericht zeichnet jedoch ein ganz anderes Bild – Benko hatte trotzdem alle Zügel fest in der Hand und war nicht nur informiert. Er hatte mit seiner eigenen Firma Signa Prime Selection einen Beratervertrag, ebenso mit der Signa Development, einer weiteren zentralen Tochter der Signa Holding, die ebenfalls insolvent ist.

Diese Beraterverträge stehen nun im Fokus der Ermittler, die klären müssen, wer die Verantwortung für die Milliardenpleite der Signa Holding trägt. Die Sachverwalter gehen davon aus, dass Benko umfassend in die Geschäftsentscheidungen und - entwicklungen involviert war.

Keine Vorstandsprotokolle auffindbar

Allerdings kommen die Sanierer mit ihren offenen Fragen seit Monaten nicht weiter. Obwohl alle Firmeninterna durchleuchtet werden, fehlen Protokolle der Vorstandssitzungen aus den Jahren 2022 und 2023. Deshalb ist es nicht nachvollziehbar, welche Beschlüsse der Vorstand wann getroffen hat und wer darauf Einfluss genommen hat. Die Aufarbeitung der Signa-Pleite ist dadurch deutlich erschwert. Grundsätzlich ist es üblich, Aufzeichnungen und Protokolle von Vorstandssitzungen anzufertigen, insbesondere bei Unternehmen dieser Größenordnung und einem Vorstand, der allein im Jahr 2022 Boni in Höhe von 19 Millionen Euro kassiert hat.

Die Zukunft der Firmen und auch Benkos Zukunft sind ungewiss

Benko selbst hat mittlerweile gegenüber den Sachverwaltern eingeräumt, dass er in wesentliche Entscheidungen und Transaktionen des Unternehmens eingebunden war. Weiterhin offen ist die Frage, wie es mit den privaten Finanzen von Benko aussieht. Der Staat hat bereits seine Villa in Innsbruck gepfändet. Auch an ihn selbst bzw. mit ihm verbundene Stiftungen werden von mehreren Seiten Forderungen gestellt, unter anderem von der Signa Holding und der Signa Prime. Ob Benko auch von einer Privatinsolvenz betroffen ist, wird wohl diesen Monat entschieden.

Ob die Sanierer die Signa Prime Selection retten können, ist noch völlig offen. Benko hat nicht nur ein beeindruckendes Immobilienportfolio zusammengestellt, er hat vor allem auch einen gigantischen Schuldenberg angehäuft. Gläubiger haben bis ca. Mitte Februar offene Schulden in Höhe von 6,2 Milliarden Euro angemeldet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldgedeckte Digitalwährungen als Brücke zwischen Sachwerten und Finanztechnologie

Steigende Inflation, geopolitische Unsicherheiten und die fortschreitende Digitalisierung verändern die Anforderungen an moderne Formen...

DWN
Panorama
Panorama KI-Bewerbung: Diese 5 Fehler sollten Sie vermeiden
20.06.2026

Immer mehr Bewerber nutzen KI, um ihre Jobsuche zu beschleunigen. Doch die besten Ergebnisse entstehen nicht auf Knopfdruck. Wer Chatbots...

DWN
Panorama
Panorama EU einigt sich auf Fluggastrechte-Reform: Das ändert sich für Reisende
20.06.2026

Die EU hat sich auf neue Regeln für Flugreisende verständigt. Künftig sollen Passagiere bei Gepäck, Sitzplätzen und Informationen...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Börse: Deutschland strebt eine Ausnahmeregelung von der gemeinsamen Aufsicht an
20.06.2026

Deutschland fordert mehr europäische Kapitalmarktintegration, will der Deutschen Börse aber offenbar eine Ausnahme sichern. Der Fall...

DWN
Politik
Politik Rotstift beim Wohngeld: Bundesregierung plant Sparhammer für Wohngeldempfänger
19.06.2026

Das Spardiktat der Bundesregierung trifft Haushalte mit geringem Einkommen hart: Bauministerin Verena Hubertz plant drastische Kürzungen...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Preis Sevnica: 60 Tonnen Stahl für die Elektrifizierung Europas
19.06.2026

Das Unternehmen Preis Sevnica aus Slowenien fertigt hochkomplexe Transformatorgehäuse, baut im Zuge der Elektrifizierung Europas seine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Elektroautos greifen Deutschlands Autoelite an
19.06.2026

Wer Chinas Autobauer noch für Nachahmer hält, unterschätzt den eigentlichen Umbruch der Branche. Chinesische Elektroautos setzen längst...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
19.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...

DWN
Politik
Politik Druck aus Berlin: Kanzler Merz will EU-Haushalt eindampfen und Tempo machen
19.06.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz erhöht beim EU-Gipfel in Brüssel den Druck auf die europäischen Partner. Er wies den aktuellen Entwurf für...