Politik

Digitalisierung der staatlichen Ämter kommt kaum voran

Die Digitalisierung der deutschen Ämter geht nur äußerst schleppend voran. In den Verwaltungen wird immer noch sehr viel gefaxt und gestempelt. Es mangelt vor allem an einheitlichen Standards.
08.04.2024 10:41
Aktualisiert: 08.04.2024 11:23
Lesezeit: 1 min

Die Digitalisierung der deutschen Ämter kommt weiterhin kaum voran. Das liegt vor allem an fehlenden Standards.

Digitalisierungs-Standards fehlen komplett oder sind unverbindlich

Die Entwicklung von Standards für die Digitalisierung der Verwaltung in Deutschland hat durchschnittlich fast drei Jahre in Anspruch genommen. Allein die Formulierung eines Standards zum Einkauf von Cloud-Leistungen dauerte 63 Monate. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linken im Bundestag hervor, die am Montag in Berlin veröffentlicht wurde. Durchschnittlich sei die Entwicklung eines Standards innerhalb eines Zeitraums von 33 Monaten erfolgt.

Anke Domscheit-Berg, die digitalpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, kritisierte das Tempo bei der Umsetzung der Verwaltungsdigitalisierung. „Mir ist völlig unklar, wie man sich für einen Standard zum Einkauf von Cloud-Leistungen so lange Zeit lassen konnte“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Umsetzungsdauer für den Standard zum Bauantrag sei mit 24 Monaten „einfach zu lang“. Gerade bei Bauanträgen gebe es viele Beteiligte, die Informationen und Dokumente untereinander austauschen müssen, sagte Domscheit-Berg. Hier könnten einheitliche Datenformate viel Bearbeitungszeit sparen.

Schon die Merkel-Regierung versagte

Für die schleppende Entwicklung sei aber nicht nur die amtierende Ampel-Koalition verantwortlich, sondern auch die Vorgängerregierung. „Die große Koalition hat das Thema komplett in den Sand gesetzt“, sagte die Abgeordnete. Beim ersten Onlinezugangsgesetz 2017 sei versäumt worden, verbindliche Vorgaben für Standards festzulegen. Der Prozess zur Entwicklung der Standards über den IT-Planungsrat habe sich als „völlig ineffizient“ erwiesen, auch weil das Gremium nur drei Mal im Jahr getagt habe.

Seit dem Amtsantritt der Ampel-Koalition wurden nach Angaben des Innenministeriums lediglich drei Regelungen verabschiedet, darunter aber auch der wichtige Standard für Bezahldienste. Seit November ist das Verfahren geregelt, wie Zahlungen an den Staat, etwa Gebühren für einen Pass oder eine Hundeanmeldung, auch online mit gängigen Zahldiensten geleistet werden können. „Dafür gibt es also endlich einen Standard. Jetzt muss er nur noch verbindlich und von allen Behörden genutzt werden“, sagte Domscheit-Berg.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Politik
Politik Rutte warnt in Berlin: Russland sieht Europa als nächstes Ziel
11.12.2025

Bundeskanzler Merz und Nato-Generalsekretär Rutte haben in Berlin Alarm geschlagen. Russland ziele nicht nur auf die Ukraine, sondern...

DWN
Finanzen
Finanzen Münchener Rück-Aktie: Neue Strategie setzt deutliche Gewinneffekte frei
11.12.2025

Die Münchener Rück-Aktie gewinnt an Tempo – und das aus gutem Grund. Die neue Strategie Ambition 2030 verspricht höhere Gewinne,...

DWN
Politik
Politik Analyse: Putin und Trump spielen im selben Team gegen Europa
11.12.2025

Putin und Trump sprechen plötzlich dieselbe Sprache. Europas Zukunft steht auf dem Spiel, während Washington und Moskau ein gemeinsames...

DWN
Technologie
Technologie Halbleiter-Förderung: Dresden und Erfurt erhalten grünes Licht
11.12.2025

Europa hängt bei Chips weiter an Asien – nun greift die EU zu einem Milliardenhebel. Deutschland darf zwei neue Werke in Dresden und...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB erhöht Druck: Vereinfachte Regeln für Europas Banken
11.12.2025

Die EZB drängt auf einfachere EU-Bankenvorschriften und will kleinere Institute entlasten. Doch wie weit darf eine Reform gehen, ohne...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Institut korrigiert Wirtschaftsprognose: Deutschlands Aufschwung bleibt schwach
11.12.2025

Die neue Wirtschaftsprognose des Ifo-Instituts dämpft Hoffnungen auf einen kräftigen Aufschwung. Trotz Milliardeninvestitionen und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimarisiken: Unternehmen gefährden ihre Umsätze durch schwaches Risikomanagement
11.12.2025

Unternehmen geraten weltweit unter Druck, ihre Klimarisiken präziser zu bewerten und belastbare Strategien für den Übergang in eine...

DWN
Politik
Politik Trump warnt die Ukraine und verspottet Europa. „Am Ende gewinnt der Stärkere“
11.12.2025

US-Präsident Donald Trump erhöht den Druck auf die Ukraine und attackiert gleichzeitig europäische Staatschefs. Seine Aussagen im...