Politik

Um „die Freiheit zu verteidigen“: Musk und Milei gegen Europas Politiker?

Es gibt Personen des öffentlichen Lebens, die unweigerlich polarisieren. Der erratische Unternehmer Elon Musk und Argentiniens exzentrischer Präsident Javier Milei gehören zweifellos dazu. Doch die konspirativen Treffen der beiden, die mit einer „Liebe auf den ersten Blick“ begannen, bieten noch mehr politischen Zündstoff als Einzelauftritte der beiden Revoluzzer. Was haben der selbst ernannte Anarchokapitalist und autodidaktische Milliardär vor?
21.05.2024 08:28
Aktualisiert: 30.05.2024 06:49
Lesezeit: 3 min
Um „die Freiheit zu verteidigen“: Musk und Milei gegen Europas Politiker?
Argentiniens ultraliberaler Präsident Javier Milei (r) hat sich auf seiner US-Reise mit dem Tech-Milliardär Elon Musk im Tesla-Werk getroffen. Milei habe Musk zugesagt, ihn bei der Auseinandersetzung zwischen dessen Nachrichtenplattform X, ehemals Twitter, und der brasilianischen Justiz zu unterstützen. (Bild: dpa)

Argentinien: Entsteht hier das „Rom des 21. Jahrhunderts?“

Innerhalb von drei Wochen trafen sich Unternehmer Elon Musk und Argentiniens Präsident Javier Milei gleich zweimal. Nach der ersten Begegnung im April in der texanischen Gigafactory Musk’s trafen sich die beiden diesmal in Los Angeles, um dem Investors Summit beizuwohnen. Dabei waren auch die Generalsekretärin des Präsidialamtes, Karina Milei, sowie der argentinische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Gerardo Werthein. Veranstalter war das Milken Institute.

Zuvor hatte Milei in einer energischen Rede Argentinien als großartiges Land für Investitionen vorgestellt. Würden die Geschäftsleute das große Potenzial Argentiniens ausnutzen, könnte hier schließlich das „Mekka des Westens“ und das „Rom des 21. Jahrhunderts“ entstehen. Argentinien, das unter einer horrenden Inflation leidet, galt zuletzt als Sorgenkind Lateinamerikas. Wenn allein Großinvestoren das Land retten sollen, kann dies nur über einen Rohstoff gelingen, der in rauen Mengen vorhanden ist: Lithium. Vor allem um diesen Schatz ging es, als Musk und Milei sich anschließend zum Gespräch trafen.

„Wir haben über Investitionsmöglichkeiten in Lithium in Argentinien gesprochen und darüber, wie wichtig es ist, Investitionen in Lithium zu prüfen und Mehrwert zu schaffen. Wir legen großen Wert darauf, nicht nur Rohstoffe zu exportieren, sondern auch Wertschöpfung zu schaffen. [Musk] sagte, er wolle Argentinien helfen“, sagte Werthein über das Treffen.

Diese Hilfsbereitschaft kommt nicht aus reiner Nächstenliebe zustande. Argentinien verfügt über eines der größten Vorkommen an Lithium weltweit. Mit großem Eifer vonseiten Milieus und seiner Präsidentendelegation wurde Musk eingeladen, in dem Land zu investieren und zu wirtschaften, auch mit einer Ansiedlung von Starlink. Eine „große Veranstaltung“ rund um Technologie und Wachstum soll bald unter der Aufsicht der beiden ausgerichtet werden.

Hohn für Milei, Spott für Musk: Warum Europa den Anarchokapitalisten und den Unternehmer fürchtet

Das Treffen der beiden wurde in den westlichen Medien nur oberflächlich behandelt, obgleich die Erschließung großer Lithiumvorkommen insbesondere den USA eine gewaltige Entlastung bei der Abkopplung von China bedeuten könnte. Aber die Aversion gegen den kontroversen Unternehmer Musk und den exzentrisch wirkenden Milei hat durchaus politische Hintergründe: Argentiniens zweitgrößte Zeitung, La Nación, titelte etwa, Elon Musk sei der „Superheld der Rechten“ in Lateinamerika.

So kommentiere der laut Forbes zweitreichste Mann der Welt stets auf kontroverse Art und Weise zu jeglichen Themen, von Kultur bis zur tagesaktuellen Politik. Die Seitenhiebe gegen sozialistische Politiker wie Hugo Chavez bilden dabei nur die Spitze des Eisbergs. Auf X postet der Unternehmer in zunehmenden Maße über lateinamerikanische Politiker, zeigt sich konservativen wie Milei, Bukele und Bolsonaro aber deutlich zugewandter als linksgerichteten Persönlichkeiten wie Chavismo oder Lula da Silva.

Auch in Deutschland mischt sich Elon Musk in die Debatte ein und teilt migrationskritische Ansichten von AfD-Politikern. Alice Weidel, Vorsitzende der AfD, lud ihn prompt in ihr Büro im Bundestag ein, um über die Entwicklungen in Deutschland zu diskutieren. Laut der US-amerikanischen Nachrichtenagentur Bloomberg genießt die europäische Rechte und insbesondere die AfD die Sympathien Musks, auch wenn sie ihr keinen großen Wahlerfolg garantieren könne. Elon Musk wird infolgedessen von Deutschlands Linken zum Feindbild stilisiert.

Derweil stoßen Mileis Pläne für eine auf Deregulierung abzielende „Schocktherapie“ auf Kritik. Emsig verfolgen Portale wie die Tagesschau die Proteste gegen die zunehmende Privatisierung und die Entmächtigung des argentinischen Staates, wohl auch, weil die libertären Ideen Mileis in Deutschland durchaus positiv wahrgenommen und diskutiert werden.

Musk und Milei in Texas: Ein „großartiges Treffen“

Während Elon Musk in Deutschland zunehmend auf Kritik stößt und das einzige Tesla Werk auf europäischen Boden von Demonstranten jeglicher Couleur attackiert wird, scheint sein Vorhaben in Südamerika auf mehr Gegenliebe zu stoßen. Entsprechend unwahrscheinlich ist es, dass der Unternehmer für weitere Investitionen in die Bundesrepublik und ihren Lithium-Abbau Werbung machen wird, obwohl diese für eine erfolgreiche Energiewende durchaus gebraucht werden könnten.

Ob bei der Förderung von Lithium oder dem Bewältigen der Energiewende: Durch die deutsche Aversion gegen den Unternehmer Musk könnte dieser als potenzieller Investor wegfallen und sich Regierungen zuwenden, die sich ihm gegenüber aufgeschlossen zeigen. Konservative lateinamerikanische Regierungen dürften nach dem Vorbild Mileis Gefallen daran finden, den Unternehmer zu hofieren, sofern mit seiner Hilfe tatsächlich ein „Rom des 21. Jahrhunderts“ in Argentinien entstehen sollte.

Welche konkreten wirtschaftlichen Folgen das Treffen der beiden Antihelden haben wird, bleibt derweil noch abzuwarten. Eines aber ist sicher: Die Kooperation Miles und Musks dürfte sich zu einer echten Freundschaft entwickeln, die auch die Unternehmen Tesla und Starlink nachhaltig beeinflusst. So postete Milei nach dem Treffen: „Danke Elon. Du bist der Beste. Ende.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Bremer Immobilienmarkt unter Druck: Strategien für Käufer und Verkäufer im aktuellen Zinsumfeld

Der Immobilienmarkt in Bremen befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Nach Jahren des kontinuierlichen Preisanstiegs...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Virgil Zólyom

                                                                            ***

Virgil Zólyom, Jahrgang 1992, lebt in Meißen und arbeitet dort als freier Autor. Sein besonderes Interesse gilt geopolitischen Entwicklungen in Europa und Russland. Aber auch alltagsnahe Themen wie Existenzgründung, Sport und Weinbau fließen in seine Arbeit ein.

DWN
Finanzen
Finanzen Allianz-Aktie mit Rekordzahlen: Geht die Rally jetzt weiter?
07.08.2026

Die Allianz liefert erneut starke Zahlen und übertrifft mit ihrem operativen Gewinn die Erwartungen. Gleichzeitig steht die Allianz-Aktie...

DWN
Finanzen
Finanzen Daimler Truck-Aktie fällt nach Gewinneinbruch: Was Anleger jetzt wissen müssen
07.08.2026

Die Daimler Truck-Aktie steht nach den Quartalszahlen unter Druck: Der Gewinn des DAX-Konzerns ist deutlich eingebrochen, weil unter...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Taxifahren: eine Frage des Preises?
07.08.2026

Die Taxi-Branche steckt in der Krise - und macht vor allem Mietwagenplattformen wie Uber oder Bolt dafür verantwortlich. Ein...

DWN
Politik
Politik NATO-Reform: Saluschnyj erklärt das mächtigste Militärbündnis der Welt für überholt
07.08.2026

Die Ukraine wollte jahrelang von der NATO lernen. Nun erklärt ihr früherer Oberbefehlshaber das Bündnis für militärisch überholt und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Boeing und Salesforce belasten, während Iran-Spannungen die Wall Street verunsichern
06.08.2026

Erfahren Sie, welche aktuellen geopolitischen Entwicklungen und überraschenden Unternehmensmeldungen die Wall Street heute ins Wanken...

DWN
Finanzen
Finanzen Krankenkassen verzocken Millionen mit Immobilienfonds
06.08.2026

220 Millionen Euro Beitragsgelder sind laut Medienberichten durch riskante Investments verloren gegangen, weitere Verluste drohen. Nun...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Börsencrash in China: Warum Peking Banken rettet, aber die Wirtschaft nicht
06.08.2026

Chinas Wirtschaft gerät gefährlich ins Rutschen, doch Peking verweigert die erwarteten Konjunkturhilfen. Stattdessen entstehen neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rhein-Niedrigwasser: Minister will Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen kippen
06.08.2026

Das extreme Niedrigwasser auf dem Rhein bringt Lieferketten unter Druck und zwingt die Politik zu ungewöhnlichen Maßnahmen....