Politik

AfD-Politiker bei Messerattacke verletzt - Verdächtiger in Psychiatrie

Ein AfD-Kandidat wurde in Mannheim bei der Verfolgung eines Wahlplakate-Diebes mit einem Messer verletzt. Der Tatverdächtige wurde festgenommen und in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen.
05.06.2024 11:10
Aktualisiert: 05.06.2024 13:44
Lesezeit: 3 min
AfD-Politiker bei Messerattacke verletzt - Verdächtiger in Psychiatrie
Der Marktplatz in Mannheim-Rheinau (Archivbild): Wieder ein Vorfall mit einem Messer in Mannheim. Erneut ein verletzter Politiker (Foto: dpa). Foto: Rene Priebe

Ein AfD-Kandidat für die Kommunalwahl in Mannheim ist bei der Verfolgung eines Wahlplakate-Diebes mit einem Messer verletzt worden. Ein 25 Jahre alter Tatverdächtiger wurde gefasst und kam nach Angaben der Ermittler in ein psychiatrisches Krankenhaus, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Bei der Festnahme habe es deutliche Hinweise auf eine psychische Erkrankung gegeben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

„Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand liegen keine konkreten Hinweise vor, dass der Tatverdächtige bei dem Angriff erkannt hatte, dass es sich bei dem Geschädigten um einen AfD-Politiker handelt.“ Das Opfer sei nicht lebensgefährlich verletzt worden.

Tatwerkzeug Cuttermesser

Der Beschuldigte soll am Dienstagabend mehrere Wahlplakate beschädigt und entwendet haben, hieß es weiter. Zeugen alarmierten der Mitteilung zufolge die Polizei. Der AfD-Politiker habe das Geschehen ebenfalls bemerkt, den Tatverdächtigen verfolgt und gestellt. Der 25-Jährige solle daraufhin den Verfolger mit einem Cuttermesser verletzt haben, hieß es. Das Opfer sei nicht lebensgefährlich verletzt worden und in ein Krankenhaus gekommen.

Der mutmaßliche Täter sei nach dem Vorfall geflohen, teilten die Ermittler weiter mit. Polizisten hätten ihn widerstandslos festnehmen können. Die Staatsanwaltschaft wolle einen Unterbringungsbefehl beim Amtsgericht beantragen.

Nach Angaben des AfD-Kreisverbands ereignete sich der Vorfall in der Nähe des Marktplatzes im Mannheimer Stadtteil Rheinau. Der AfD-Kandidat für den Gemeinderat hatte demnach mehrere Plakatabreißer auf frischer Tat ertappt. Nach Angaben der AfD waren insgesamt drei Personen beteiligt, zwei konnten flüchten.

Video zeigt Angriff

Auf einem Video, das der dpa von der AfD weitergegeben und das offenbar vom verletzten AfD-Kandidaten selbst gefilmt wurde, ist zu sehen, wie der Filmende einem jüngeren Mann über den Marktplatz hinterherläuft und schreit „Stopp! Bleiben Sie stehen!“. Der jüngere Mann trägt mehrere AfD-Wahlplakate unter dem Arm und hat ein Teppichmesser in der Hand. „Sofort hinlegen!“, ruft der Filmende. Dann entsteht ein Handgemenge. Zu sehen ist, wie der Mann mit dem Messer ausholt, die restlichen Bilder sind verwackelt.

Der AfD-Politiker wurde nach Angaben aus der Gemeinderatsfraktion am Ohr und Bauch getroffen. Er habe vor dem Vorfall eine Veranstaltung des AfD-Kreisverbands besucht, berichtete Jörg Finkler von der AfD-Gemeinderatsfraktion. Er selbst sei bis in die Morgenstunden bei dem Verletzten im Krankenhaus gewesen – mit dessen Frau. Der Kandidat werde die Klinik wohl im Tagesverlauf verlassen.

AfD spricht von Linksextremisten

Die Partei sprach zunächst von einer Attacke von Linksextremisten – davon war später in der Mitteilung der Ermittler keine Rede. „Wir sind erschrocken und bestürzt“, sagte AfD-Landeschef Markus Frohnmaier. Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, Anton Baron, bewertete die Messerattacke als Ausdruck totalitärer Machtphantasien: „Egal ob Islamismus oder Linksextremismus – wer weder Meinungsfreiheit akzeptiert noch vernünftige Argumente hat, greift inzwischen zum Messer. Das ist bestürzend und zeigt, wie tief die Spaltung unserer Gesellschaft inzwischen vorangeschritten ist.“

Erst am Freitag hatte ein mutmaßlich islamistisch motivierter Mann in Mannheim mehrere Menschen bei einer Kundgebung der islamkritischen Bewegung Pax Europa mit einem Messer angegriffen, ein Polizist starb.

OB: Feige Tat ist durch nichts zu rechtfertigen

Der Vorfall ist auch nicht der erste Angriff auf Politiker und Politikerinnen. In den vergangenen Wochen hatten mehrere Fälle offensichtlich politischer Attacken für Aufsehen gesorgt. Unter anderem wurde in Dresden der SPD-Wahlkämpfer Matthias Ecke krankenhausreif geschlagen.

Daher äußerten sich am Mittwoch auch nicht nur AfD-Vertreter zu dem Geschehen in Mannheim. Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) erklärte: „Diese feige Tat ist abscheulich und durch nichts zu rechtfertigen. Wer Wahlbewerber attackiert, stellt unsere freien, gleichen, allgemeinen, unmittelbaren und geheimen Wahlen infrage – und damit die Basis unserer Demokratie.“ Der Hass und die Gewaltbereitschaft, die sich in der Gesellschaft derzeit Bahn brechen, seien unerträglich. „Wir müssen zurückkehren zu einem respektvollen und friedlichen Wettstreit um die besten Lösungen für unser Gemeinwesen.“

Die Heidelberger Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner von den Grünen, die auch parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium ist, erklärte: „Mit Entsetzen habe ich vom brutalen Angriff auf einen AfD-Gemeinderatskandidaten in Mannheim erfahren. Die Eskalation der Gewalt gegenüber Politikern aller Parteien, die wir in den letzten Wochen beobachten mussten, ist in keiner Weise zu rechtfertigen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...

DWN
Politik
Politik Recht auf Reparatur: So sparen Sie künftig Geld bei Handy, Waschmaschine & Co.
25.03.2026

Schluss mit der Wegwerf-Kultur: Das neue „Recht auf Reparatur“ soll die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Smartphones deutlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BASF in China: Mega-Werk in Zhanjiang eröffnet – Wachstumschance oder riskante Wette?
25.03.2026

Der Chemieriese BASF setzt voll auf Expansion: Mit der offiziellen Eröffnung des neuen Verbundstandorts in Zhanjiang nimmt der...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Hammer 2026: Steigende Preise und Zins-Schock durch Iran-Krieg
25.03.2026

Immobilienkäufer stehen vor einer Doppelbelastung: Erstmals seit 2022 ziehen die Preise wieder an (+3,2 %), während der Iran-Krieg die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kalter Krieg um Energie: Risiko für die deutsche Wirtschaft – was Unternehmen jetzt ändern müssen
25.03.2026

Energie ist längst keine bloße Betriebskostenfrage mehr, sondern ein geopolitischer Machtfaktor. Wer jetzt nicht umdenkt, riskiert mehr...

DWN
Finanzen
Finanzen Rückenwind für die Ryanair-Aktie: Konkurrenz unter massivem Kostendruck
25.03.2026

Die Ryanair-Aktie profitiert von einem klaren Kostenvorsprung und einer nahezu schuldenfreien Bilanz im europäischen Billigflugmarkt. Doch...

DWN
Politik
Politik Reformstau unter Merz: Wackelt Schwarz-Rot nach der SPD-Wahlschlappe?
25.03.2026

Nach bitteren Wahlniederlagen und bei trüber Wirtschaftslage wächst der Druck auf die Regierung in Berlin. Während Kanzler Friedrich...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sterbender Einzelhandel: Tausende Geschäfte verschwinden aus deutschen Innenstädten
25.03.2026

Seit der Corona-Lockdowns verschärft sich die Krise des deutschen Einzelhandels weiter. Die Anzahl der Geschäfte soll 2026 sogar auf ein...