Finanzen

DAX-Ausblick: Trump-Attentat als Unterstützung für die Märkte?

Trotz EZB-Sitzung am Donnerstag richten Anlegerinnen und Anleger ihr Augenmerk in dieser Woche auf die Berichtssaison. Analysten erwarten keine neuen Impulse für die Märkte. Das Attentat auf den amerikanischen Ex-Präsidenten Donald Trump dürfte nicht belasten - im Gegenteil.
15.07.2024 11:13
Lesezeit: 2 min
DAX-Ausblick: Trump-Attentat als Unterstützung für die Märkte?
Nach zuletzt drei Gewinntagen treten die Anleger am Montag bei deutschen Aktien auf die Bremse. Doch Unterstützung könnte ausgerechnet von Donald Trump kommen (Foto: dpa). Foto: Arne Dedert

Nach zuletzt drei Gewinntagen treten die Anleger am Montag bei deutschen Aktien auf die Bremse. Am Hoch seit Anfang Juni fehlten zu Wochenbeginn die Anschlusskäufe, um dem DAX weiter nach oben zu verhelfen. Der Leitindex startete schwächer in die neue Handelswoche, auch der MDAX verlor im frühen Handel. Auf Eurozonen-Ebene gab der Leitindex EuroStoxx um annähernd ein halbes Prozent nach.



Am Freitag hatte der DAX mit Rückenwind aus den USA den seit Mitte Mai gültigen Korrekturtrend gebrochen. "Der Blick geht nun schon wieder in Richtung alte und neue Höhen", sagte am Morgen der Chartexperte Martin Utschneider von Finanzethos. Charttechnisch könnte der Weg zu der damals aufgestellten Bestmarke von 18.892 Punkten wieder frei sein. Nach unten sieht der Börsianer im Bereich von 18.427 bis 18.214 aussagekräftige Unterstützungen.

Trump-Attentat als Unterstützung?

Allerdings mussten die New Yorker Börsen einen guten Teil ihrer Gewinne im späten Freitagshandel wieder abgeben, was eine eher negative Vorgabe mit sich bringt. Dennoch sieht Marktbeobachter Jochen Stanzl vom Broker CMC die Börsenampel wieder auf Grün. Er verwies darauf, dass die US-Notenbank Fed im September mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit die Zinsen senken werde und ein zweiter Schritt noch in diesem Jahr folgen könnte.



Verarbeiten müssen die Anleger am Montag das Attentat auf den Ex-Präsidenten Donald Trump. "Der Wahlkampf in den USA dürfte mit dem Attentat auf Trump in die heiße Phase treten und es ist davon auszugehen, dass Trump den Vorfall für sich zu nutzen weiß und politisches Kapital daraus schlagen wird", schreibt am Morgen die Helaba. "Es klingt paradox, aber der Trump-Trade an der Börse lebt wieder auf", sagte der CMC-Experte Stanzl.

Trumps Politik gilt als marktfreundlich. Nach dem Anschlag auf den Ex-Präsidenten dürften seine Chancen auf eine zweite Präsidentschaft in den USA steigen - und das dürfte die Märkte stützen, eventuell sogar eine neue Rallye auslösen. Viel hängt aber davon ab, wie Donald Trump das Attentat für sich zu nutzen weiß und wie klar seine Unterstützung aus dem republikanischen Lager ist.

EZB-Zinssenkung unwahrscheinlich

Die EZB wird voraussichtlich den Leitzins im Juli unverändert lassen, nachdem sie im Juni den Einlagensatz gesenkt hat. Gründe dafür sind die anhaltend hohe Kerninflation und steigende Löhne in der Eurozone.

In den USA sorgten jüngste Inflationsdaten für Spekulationen über weitere Zinssenkungen, was die Stimmung an den Aktienmärkten beflügelte. Der DAX schloss die Woche bei 18.748 Punkten mit einem Plus von 1,5 Prozent, startete aber am Montag schwächer nach schwachen Konjunkturdaten aus China.

Analysten prognostizieren ein Gewinnwachstum von 7 Prozent für die Berichtssaison. Besonders die großen US-Technologieaktien dürften mit einem Plus von über 20 Prozent dominieren.

Strategie der positiven Überraschungen

Analysten betonen die Notwendigkeit positiver Überraschungen, um die hohen Bewertungen des S&P 500 zu rechtfertigen. Unternehmen senken regelmäßig ihre Erwartungen vor der Berichtssaison, um leichter zu übertreffen.

Trotz möglicher Übererfüllung der Erwartungen in den USA könnte das Gewinnwachstum der Tech-Megacaps weiter sinken. Anleger sind besorgt darüber, wie stark Kursrückgänge toleriert werden.

Diese Woche stehen in den USA Berichte von Goldman Sachs, Bank of America, Morgan Stanley, Johnson & Johnson, Netflix und American Express an. In Europa präsentieren u.a. Nordea, Richemont, ASML, Rio Tinto, Nokia, BHP Group, Anglo American und Burberry ihre Zahlen. Im DAX startet die Saison am Freitag mit Sartorius.

Technisches Bild des DAX

Technisch betrachtet bleibt die Lage des DAX positiv. Analysten sehen nach dem Anstieg über das April-Hoch bei 18.567 Punkten Potenzial für ein neues Allzeithoch über 18.893 Punkten. Ein neuer Aufwärtstrendkanal deutet auf weitere mögliche Gewinne hin.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Unternehmen die Erwartungen übertreffen können, um die Märkte zu stützen. Anleger behalten trotz der positiven Signale aus den USA die Entwicklung genau im Blick.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Shein an der Börse: Wer bei Fast Fashion jetzt vorn liegt
05.09.2026

Der chinesische Konzern Shein hat sich an der Börse den größten Namen der Fast Fashion angeschlossen. Doch wie läuft es bei seinen...

DWN
Politik
Politik 37 Jahre alt und rund 15 Milliarden Euro schwer: Das ist Mario Draghis neuer Partner
05.09.2026

Der frühere EZB-Chef und ehemalige italienische Ministerpräsident Mario Draghi hat sich mit einem irischen Tech-Milliardär...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahn-Sanierung ohne monatelange Vollsperrungen: VCD legt Gegenentwurf vor
05.09.2026

Die Bahn will ihr marodes Schienennetz mit groß angelegten Generalsanierungen zuverlässiger machen. Doch das bisherige Konzept bringt...

DWN
Finanzen
Finanzen Restaurant-Aktien: Zwei Wachstumswetten für die nächsten 20 Jahre
05.09.2026

Tech-Aktien gelten als erste Adresse für spektakuläres Wachstum. Doch zwei Restaurantketten aus den USA könnten Anlegern langfristig...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deepal S05 im Test: Der Chinese, der keiner sein will
05.09.2026

Der Deepal S05 kommt aus China, trägt aber deutlich europäische Züge. Entworfen wurde der Elektro-SUV in Turin, und genau das merkt man...

DWN
Politik
Politik Landtagwahl in Sachsen-Anhalt: Was Sie über die Sachsen-Anhalt-Wahl wissen sollten
05.09.2026

Sachsen-Anhalt steht vor einer Wahl, deren Folgen weit über Magdeburg hinausreichen könnten. Die AfD liegt vorn, mögliche Mehrheiten...

DWN
Finanzen
Finanzen Anleihen: Warum Schulden so teuer sind wie lange nicht
05.09.2026

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen großer Volkswirtschaften sind auf Niveaus gestiegen, die teils seit der Finanzkrise nicht mehr...

DWN
Technologie
Technologie Biometrie-Panne: Die gefährlichste Rolle ist der Zwilling
05.09.2026

Manche Dinge sind offenbar selbst für die klügsten Systeme eine zu große Herausforderung. Und dies ist eine Glosse genau über diese...