Unternehmen

Pessimistische Wirtschaft: Unternehmen sparen jetzt beim Personal!

Schwächelnde Konjunktur, sinkende Umsätze, immense Produktionskosten – das alles führt vermehrt zu Stellenabbau anstatt Neueinstellungen. Unternehmen stellen immer weniger Personal ein, die Arbeitslosenzahlen steigen. Droht wieder eine neue Welle der Arbeitslosen?
01.08.2024 06:00
Aktualisiert: 01.01.2030 13:00
Lesezeit: 3 min
Pessimistische Wirtschaft: Unternehmen sparen jetzt beim Personal!
Viele deutsche Industriefirmen blicken pessimistisch in die Zukunft und erwägen einen Stellenabbau (Foto: dpa). Foto: Stefan Sauer

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verschlechtert sich weiter. Die Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage negativ und sehen auch pessimistisch in die Zukunft. Und das mit weitreichenden Folgen für den hiesigen Arbeitsmarkt, wie das ifo-Beschäftigungsbarometer im Juli zeigt. Nur Dienstleister planen noch Neueinstellungen. Was bedeutet das für den viel zitierten „Fachkräftemangel“?

Ifo-Beschäftigungsbarometer erneut gefallen

Ein wirtschaftlicher Aufschwung zeichnet sich ab. Dementsprechend investieren Firmen weniger und sparen ein, zum Beispiel beim Personal, wie eine Auswertung des Ifo-Instituts aufzeigt. Die Unternehmen sind bei der Suche nach neuem Personal noch zurückhaltender geworden. Entsprechend ist das ifo-Beschäftigungsbarometer auf 95,4 Punkte gesunken – nach 95,9 Zählern im Juni.

„Aufgrund der stagnierenden Wirtschaftsentwicklung sinkt die Bereitschaft, neue Mitarbeiter einzustellen“, sagt Klaus Wohlrabe, der beim Münchener ifo-Institut die Umfragen leitet. „Wo Aufträge fehlen, wird auch kein zusätzliches Personal gebraucht.“

Firmen blicken pessimistisch in die Zukunft

In der Industrie ist das Barometer unverändert geblieben. Ein Abbau von Arbeitsplätzen wird von vielen Unternehmen diskutiert. Gleiches gilt für den Handel, wo viele zurückhaltende Konsumenten das Geschäft belasten. Im Baugewerbe wird der Personalbestand trotz Krise vorerst konstant bleiben. Nur die Dienstleister stellen teilweise noch neue Mitarbeiter ein, aber weniger als im Vormonat.

Das Ifo-Beschäftigungsbarometer beruht auf den Personalplanungen von rund 9000 Unternehmen. Der Rückgang im Juli ist der zweite in Folge, auf längere Sicht folgt der Indikator aktuell aber eher einem Seitwärtstrend.

Dass das Barometer gefallen ist, kommt nicht überraschend, weil in der vergangenen Woche auch das Ifo-Geschäftsklima deutlich nachgegeben hat. Der Indikator, der die Stimmung in den Chefetagen misst, ist bereits zum dritten Mal in Folge gesunken – auf 87,0 Zähler nach 88,6 Punkten im Vormonat.

Zahl der Arbeitslosen steigt auf mehr als 2,8 Millionen

Die Konjunkturflaute belastet seit Monaten den Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen steigt nun allerdings stärker als üblich. Tendenz steigend: Laut aktueller Zahlen der Bundesagentur für Arbeit steigt die Arbeitslosigkeit im Juli stärker als jahreszeitlich üblich.

„Die schwache Wirtschaftsentwicklung belastet den Arbeitsmarkt. Zu Beginn der Sommerpause sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung stärker gestiegen als üblich“, sagte der Vorstand Regionen der Bundesagentur für Arbeit (BA), Daniel Terzenbach, auf der monatlichen Pressekonferenz in Nürnberg.

Die Arbeitslosigkeit im Juli 2024 ist um 82.000 auf 2.809.000 gestiegen. Dabei fiel der Anstieg deutlich stärker aus als üblicherweise im Juli. Saisonbereinigt hat die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um 18.000 zugenommen. Verglichen mit dem Juli des vorigen Jahres liegt die Arbeitslosenzahl um 192.000 höher. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 6,0 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat hat sich die Quote um 0,3 Prozentpunkte erhöht.

Bundesweiter Trend: steigende Arbeitslosigkeit auch in Bayern

Auch der Wirtschaftsstandort Bayern verzeichnet eine erhöhte Arbeitslosenquote. Als Gründe werden die gedämpfte Konjunktur, die Transformation in der Automobilindustrie und der Ukrainekrieg genannt. Nach Angaben der bayerischen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit ist die Arbeitslosenzahl in diesem Juli aber stärker gestiegen als gewöhnlich.

Insgesamt waren zum Stichtag Mitte des Monats 279.256 Menschen ohne Arbeit. Das sind 8.145 mehr als im Juni. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent. Im Vergleich zum Juli vor einem Jahr fällt der Anstieg noch deutlicher aus. Damals betrug die Quote 3,2 Prozent.

Insgesamt sind in den bayerischen Arbeitsagenturen und Jobcentern im Moment 133.284 offene Stellen gemeldet. Das sind ungefähr so viele im Monat zuvor. Im Vergleich zum Juli vor einem Jahr ist die Zahl aber um mehr als zehn Prozent gesunken.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften sinkt vor allem in der Zeitarbeit, im Gastgewerbe, im IT-Bereich und im verarbeitenden Gewerbe. Der Rückgang findet allerdings auf hohem Niveau statt. Denn die Nachfrage nach Arbeitskräften ist nach Angaben der bayerischen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit weiterhin höher als in den Jahren vor der Corona-Pandemie.

Personal halten ist teuer

Eines ist in der momentanen Konjunkturkrise neu: Personalabbau trifft auf Fachkräftemangel. Der deutsche Arbeitsmarkt ist im Umbruch. Feststeht, dass die Arbeitslosenzahlen seit 2023 kontinuierlich steigen – in allen Regionen, wobei 2023 in Westdeutschland fast 2 Millionen Arbeitslose gemeldet waren und in Ostdeutschland zirka 600.000.

Wer jetzt Beschäftigte entlässt, geht das Risiko ein, bei einer besseren Auftragslage ohne geeignetes Personal dazustehen. Doch solange der erhoffte Aufschwung sich nicht abzeichnend, können es sich Firmen nicht leisten, mit weniger Aufträgen ihre Fachkräfte zu halten oder weiterzubeschäftigen. Gerade für kleinere Betriebe wird das zu einem Problem und Nachteil, je länger die Flaute anhält.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie kann man ganz einfach Etiketten erstellen?

Brady Workstation bietet praktische Etikettengestaltung (Drucken über Desktop - Laptop) für verschiedenste professionelle Anwendungen....

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Atlas-Insolvenzverfahren: Baumaschinenhersteller Atlas aus Ganderkesee meldet Sanierung an
10.02.2026

Der traditionsreiche Baumaschinenhersteller Atlas aus Ganderkesee steht vor einer ungewissen Zukunft. Mit dem Atlas-Insolvenzverfahren will...

DWN
Panorama
Panorama Allensbach-Umfrage: Mehrheit bewertet USA als Risiko für den Weltfrieden – Russland bleibt zentrales Sicherheitsrisiko
10.02.2026

Eine aktuelle Allensbach-Umfrage zeigt einen spürbaren Wandel im sicherheitspolitischen Denken der Deutschen. Vertrauen bröckelt, alte...

DWN
Finanzen
Finanzen Talanx-Aktie im Fokus: Versicherungskonzern Talanx mit Rekordgewinn trotz des Kalifornien-Feuers
10.02.2026

Rekordgewinne trotz Naturkatastrophen: Der Versicherungskonzern Talanx überrascht mit starken Zahlen. Während Waldbrände Milliarden...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Unruhe wegen Milliardenbonus – VW-Betriebsrat kritisiert Vorstand
10.02.2026

Sechs Milliarden Euro tauchen plötzlich bei Volkswagen auf – und lösen ein Bonus-Beben aus. Während Mitarbeiter verzichten, kassiert...

DWN
Finanzen
Finanzen Tui-Aktie: Verhaltene Börsenreaktion nach starken Tui-Zahlen und stabiler Prognose – die Gründe
10.02.2026

Starke Zahlen, sinkender Kurs: Der Reisekonzern Tui startet operativ so erfolgreich wie lange nicht. Hotels und Kreuzfahrten liefern...

DWN
Finanzen
Finanzen Lebensmittelpreise unter Druck: Kommt jetzt die Entlastung im Supermarkt?
10.02.2026

Die globalen Lebensmittelpreise fallen seit Monaten. Für Verbraucher keimt Hoffnung auf günstigere Einkäufe. Doch ob sich der Trend...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeldversorgung: Supermärkte lösen Bankfilialen als Bargeldquelle ab
10.02.2026

Der Zugang zum eigenen Bargeld verändert sich in Deutschland schleichend: Während die Zahlen klassischer Bankfilialen und Geldautomaten...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Schmerzhafte Neubewertung im Softwaresektor und am Kryptomarkt vor dem Hintergrund der Wall-Street-Rekorde
09.02.2026

Die wichtigsten Indizes der Wall Street beendeten den Handelstag am Montag im Plus und hielten den Dow Jones Industrial Average stabil...