Politik

Zeichen der Entkrampfung: US-Sicherheitsberater trifft Chinas Top-General

Die Beziehungen zwischen Washington und Peking sind belastet. Darunter leiden auch die militärischen Kontakte. Das Treffen von Jake Sullivan und General Zhang ist ein Signal der Entspannung.
29.08.2024 10:10
Lesezeit: 2 min

Als Zeichen der Annäherung zwischen China und den USA ist der amerikanische Sicherheitsberater Jake Sullivan während seines Besuchs in Peking zu einem seltenen Gespräch mit einem der höchsten chinesischen Militärführer zusammengekommen. "Ihr Vorschlag, sich mit mir zu treffen, zeigt Ihre hohe Wertschätzung für den militärischen Sicherheitsbereich und die Beziehungen zwischen unseren beiden Armeen", sagte General Zhang Youxia bei der Begrüßung von Sullivan, wie in einem Beitrag des chinesischen Senders "Phoenix TV" zu sehen war.

Als Berater von Präsident Joe Biden spiele Sullivan eine entscheidende Rolle bei der Formulierung von US-Sicherheitsstrategien und der Koordinierung der Politik gegenüber China, meinte Zhang weiter. Der General bekleidet das Amt des Vizevorsitzenden der Zentralen Militärkommission (ZMK) Chinas. Die ZMK ist das oberste militärische Entscheidungsgremium der Volksrepublik und wird von Staats- und Parteichef Xi Jinping geleitet.

Sullivan sprach laut dem Weißen Haus etwa Bedenken Washingtons über Chinas Unterstützung für Russlands Rüstungsindustrie und die Bemühungen um eine Feuerpause im Gaza-Krieg an. Zudem betonte er die Wichtigkeit von Frieden und Stabilität in der Meerenge zwischen China und Taiwan (Taiwanstraße). Zhang forderte dagegen chinesischen Angaben zufolge, dass die USA Waffenlieferungen an Taiwan und die Verbreitung von – aus chinesischer Sicht – falschen Darstellungen über die demokratische Inselrepublik einstellen sollten. Peking betrachtet Taiwan als Teil seines Territoriums.

Zunehmende Spannungen in der Region

In den belasteten Beziehungen zwischen Washington und Peking hatten in den vergangenen Jahren auch die Militärkontakte beider Staaten gelitten. Biden und Xi hatten sich bei einem Treffen im November darauf geeinigt, diese Kontakte wiederherzustellen, nachdem sie abrupt abgebrochen worden waren, als die damalige Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, im August 2022 zum Ärger Pekings Taiwan besuchte.

Anhaltende Spannungen gibt es auch zwischen Peking und den Verbündeten der USA in der Region. Erst am Montag war erstmals ein chinesisches Militärflugzeug in den japanischen Luftraum eingedrungen. Zudem hatte es im Streit um Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer zuletzt mehrere Zusammenstöße zwischen Schiffen aus China und den Philippinen gegeben.

Erster China-Reise seit acht Jahren

Mit Sullivan war am Dienstag erstmals seit acht Jahren wieder ein US-Sicherheitsberater zu einem Besuch in die Volksrepublik eingetroffen. Er traf zunächst mit Außenminister Wang Yi zusammen. Die US-Regierung bewertete die Gespräche als "offen, sachlich und konstruktiv".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen Teure Autos, teure Reparaturen: Neue Typklassen in der Kfz-Versicherung
01.10.2026

Bei teuren Autos kosten auch die Reparaturen mehr. Das spiegelt sich in den Typklassen wider. Am günstigsten sind historische Kleinwagen,...

DWN
Technologie
Technologie Er war Spitzenmanager bei der NATO, jetzt hat er zehn Milliarden Euro für eine entscheidende Aufgabe bekommen
01.10.2026

Europa besitzt nur einen Bruchteil der weltweiten KI-Rechenleistung und liegt bei führenden Modellen weit hinter den USA und China. Nun...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street beendet September uneinheitlich
30.09.2026

Ein turbulenter Monat geht zu Ende – erfahren Sie, welche Dynamiken jetzt die Kurse an der Wall Street bestimmen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreich Staatsverschuldung: Die nächste Gefahr für die Eurozone
30.09.2026

Frankreich galt lange als einer der politischen und wirtschaftlichen Pfeiler der Eurozone. Doch an den Anleihemärkten wächst die...

DWN
Finanzen
Finanzen VW kündigt Tarifvertrag: Was jetzt auf 100.000 Beschäftigte zukommt – und auf die VW-Aktie
30.09.2026

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und kündigt einen Großteil seiner Haustarifverträge. Nach Angaben der IG Metall sind zehn...

DWN
Politik
Politik Innere Sicherheit: Innenministerkonferenz beschließt nicht mehr einstimmig
30.09.2026

Die Innenministerkonferenz verabschiedet sich vom Einstimmigkeitsprinzip, um zukünftig "Blockaden" zu verhindern. Künftig reichen 13...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Unternehmen, die in China tätig sind, stehen vor einer schwierigen Wahl
30.09.2026

Europäische Unternehmen mit Geschäften in China stehen vor einem Dilemma: gegen EU-Recht verstoßen oder gegen chinesisches Recht. Die...

DWN
Politik
Politik Vestager und Nobelpreisträger schlagen KI-Alarm: Kritisches Zeitfenster schließt sich Monat für Monat
30.09.2026

Europa läuft Gefahr, bei künstlicher Intelligenz dauerhaft von den USA und China abhängig zu werden. Margrethe Vestager, zwei...