Unternehmen

Supermärkte: Ruf nach mehr Transparenz bei Lebensmittelpreisen

Noch immer sind die Preise für viele Produkte hoch. Wie kommt der Preis für Paprika, Pasta oder Pudding im Laden zustande? Wer vom Bauern bis zum Handel bekommt wie viel? Verbraucherschützer pochen auf mehr Klarheit und Transparenz und fordern eine Preisbeobachtungsstelle. Der Bauernverband reagiert skeptisch.
30.08.2024 17:00
Lesezeit: 1 min

Die Verbraucherzentralen dringen wegen weiterhin teurer Lebensmittel in den Supermärkten auf mehr Transparenz durch eine Preisbeobachtungsstelle. Die Chefin des Bundesverbands, Ramona Pop, sagte: „Niemand wisse, wo in der Kette von den Bauern bis zum Handel möglicherweise unberechtigte Preissteigerungen und Gewinne entstünden.“

Konkret schlagen die Verbraucherzentralen die Einrichtung einer Beobachtungsstelle bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung vor. Sie erfasse bereits Daten zu Preisen und Kosten für Lebensmittel und Produktgruppen, die bisher aber nicht strukturiert aufbereitet würden. Die Beobachtung sollte mit nicht oder wenig verarbeiteten Grundnahrungsmitteln wie Obst und Gemüse starten. Erkenntnisse sollten einmal im Jahr dem Bundestag vorgelegt und zur Debatte gestellt werden. Dabei sollten Bio-Produkte wegen anderer Bedingungen separat betrachtet werden.

Transparenz soll unfaire Praktiken aufdecken

„Die Bundesregierung muss endlich Licht ins Dunkel der Preisgestaltung bei Lebensmitteln bringen“, forderte Pop bei der Vorstellung einer in Auftrag gegebenen Machbarkeitsanalyse der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Transparenz könne unfaire Praktiken aufdecken und vor zu hohen Ladenpreisen schützen. Beschwerden bei den Verbraucherzentralen dazu seien zuletzt gestiegen. Es sei bedenklich, dass der Einkauf für viele mit geringen Einkommen zu einer Belastung geworden sei.

Die Preise für Lebensmittel waren angesichts angespannter Agrarmärkte und hoher Energiepreise infolge von Russlands Krieg gegen die Ukraine 2022 und 2023 stark gestiegen und in Deutschland lange ein Inflationstreiber. Dies schwächte sich ab. Im August war Nahrung 1,5 Prozent teurer als ein Jahr zuvor – bei einer allgemeinen Inflationsrate von 1,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Daten mitteilte. Die Preise hätten sich auf hohem Niveau eingependelt, sagte Pop.

Landwirte fordern bessere Preise

Der Bauernverband erklärte, mehr Transparenz sei grundsätzlich positiv, eine Preisbeobachtungsstelle allein bringe aber noch keine Verbesserung. „Wirklich neue Erkenntnisse über Preise und Handelsspannen sind nicht zu erwarten“, sagte der stellvertretende Generalsekretär Gerald Dohme der Deutschen Presse-Agentur. „Entscheidend ist, dass am Ende noch deutlich mehr auf den Betrieben ankommt.“ Derzeit bestehe dazu kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.

In der Analyse erläutert die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, Beispiele aus anderen Ländern zeigten, dass die Einrichtung einer Preisbeobachtungsstelle in Deutschland möglich sei. Dafür seien Geld und Personal nötig. Bei dem kontrovers diskutierten Thema sollten zudem alle relevanten Gruppen und Akteure eingebunden werden, um die notwendige Akzeptanz sicherzustellen.

Experte Hans-Christian Behr erläuterte, auf welche Kostenfaktoren der Ladenpreis beispielsweise bei Rispentomaten aus Deutschland zurückgeht: von Kosten etwa für Pflanzenschutz, Arbeit und Transport bei den Bauern über Kosten für Verpackungen bei Großhandel oder Verarbeitern bis zur Marge und der Mehrwertsteuer im Handel.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen KI bei Tech-Aktien: Wie massive Investitionen Wachstum fördern und Risiken für Anleger bergen
01.01.2026

Die Tech-Branche steht erneut im Fokus der Finanzmärkte. Mit Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz setzen führende...

DWN
Immobilien
Immobilien Toyota Woven City: Japans Reallabor am Mount Fuji
01.01.2026

Unter dem Blick des Fuji baut Toyota eine Stadt als Reallabor: Woven City. Hier treffen Wasserstoff, Sensorik und autonome Mobilität auf...

DWN
Immobilien
Immobilien Sonne als Heizung: Wie Sie mit energieeffizienten Fenster Heizkosten sparen – Tipps und Tricks
01.01.2026

Fenster sind mehr als Lichtspender: Sie entscheiden über Wärme, Komfort und Energieverbrauch. Richtig platziert und gesteuert, werden sie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen AWS treibt Ausbau der Dateninfrastruktur voran: Unterseekabel zwischen Irland und USA geplant
01.01.2026

Irland rückt zunehmend in den Fokus globaler Dateninfrastruktur, während Unternehmen ihre Cloud- und KI-Kapazitäten ausbauen. Welche...

DWN
Panorama
Panorama BiB-Studie: Städte wachsen, Land schrumpft – der Bevölkerungstrend bis 2070
01.01.2026

Wachsen die Städte weiter – und schrumpft das Land noch schneller? Eine neue Studie des BiB rechnet bis 2070 verschiedene Szenarien...

DWN
Technologie
Technologie Glasfaser-Betrug: So erkennen Sie Laufzeitfallen beim Glasfaservertrag
01.01.2026

Glasfaser klingt nach Zukunft – doch beim Vertragsabschluss lauern Fallen. Manche Anbieter verschieben Laufzeitbeginne, andere arbeiten...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnnebenkosten-Ranking: In diesen Städten wird Wohnen zur Kostenfalle
01.01.2026

Die Miete allein ist längst nicht mehr das Problem – die Nebenkosten treiben die Wohnkosten auf ein neues Niveau. Höhere Gebühren,...

DWN
Politik
Politik Merz wirbt für "Moment des Aufbruchs" 2026
01.01.2026

In seiner ersten Neujahrsansprache appelliert Kanzler Merz an Vertrauen und Tatkraft in Krisenzeiten – und stellt in Aussicht, dass die...