Unternehmen

ifo-Unternehmensumfrage: Homeoffice bleibt erhalten - zum Leidwesen der Chefs

Das Phänomen Homeoffice ist keinesfalls auf dem Rückzug: Einige Großkonzerne in Deutschland wollen ihre Mitarbeiter aus dem Homeoffice wieder zurück ins Büro beordern. Doch der Anteil der Heimarbeit der Mitarbeiter verändert sich bislang kaum. Die Folge: Die Nachfrage nach Büroflächen sinkt weiter. Das hat das Ifo herausgefunden – und erklärt, wie das zusammenpasst.
12.09.2024 17:17
Lesezeit: 2 min

Der Anteil der Arbeitszeit, der im Homeoffice verbracht wird, bleibt in diesem Jahr unverändert. Vor allem in der IT-Branche wird weiter viel von zu Hause gearbeitet.

Umfang gegenüber dem Vorjahr unverändert

In Deutschland verbringen Arbeitnehmer durchschnittlich 17 Prozent ihrer Arbeitszeit im Homeoffice. „Dies mag vor dem Hintergrund der Debatte um die Rückkehr ins Büro überraschen“, sagte ifo-Forscher Jean-Victor Alipour zu der veröffentlichten Unternehmensumfrage seines Instituts.

Vom Softwarekonzern SAP über Volkswagen und die Telekom bis zur Deutschen Bank haben vor allem Großkonzerne angekündigt, wieder mehr Präsenz am Firmenstandort vorzuschreiben. Doch das Ergebnis seiner Umfrage decke sich mit anderen Daten, wonach das Homeoffice keinesfalls auf dem Rückzug sei, sagt Alipour.

Die Durchschnittszahlen verbergen große Unterschiede nach Branchen. Besonders intensiv wird in der IT-Branche (58 Prozent der Arbeitszeit) und in den Unternehmensberatungen (50 Prozent) von zu Hause gearbeitet. Dagegen verbringen Arbeitnehmer auf dem Bau und in der Gastronomie nur 2 Prozent ihrer Arbeitszeit im Homeoffice. In der Industrie sind es 10 Prozent der Arbeitsstunden.

Homeoffice ist in Großunternehmen besonders verbreitet. Dort verbringen Beschäftigte 20 Prozent ihrer Arbeitszeit zu Hause. Dagegen liegt der Anteil in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nur bei 15 Prozent.

Homeoffice entscheidender Faktor für neue Mitarbeiter

Der Anteil der Beschäftigten im Homeoffice liegt derzeit bei 23,4 Prozent, nur knapp unter dem Wert vom Februar (24,1 Prozent). „Strengere Regeln müssen nicht unbedingt weniger Homeoffice bedeuten“, sagte Alipour. Bei den Angeboten zum Homeoffice komme es Arbeitgebern in erster Linie auf „die Koordination von Präsenzzeiten an“.

Der Wunsch nach der Rückkehr der Beschäftigten lässt sich oft wohl nicht leicht durchsetzen. In Zeiten des Fachkräftemangels werden Angebote für Homeoffice immer entscheidender im Kampf um die besten Talente. Der Anteil an Stellenanzeigen mit der Möglichkeit zum „Remote-Arbeiten“ hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf knapp 18 Prozent verfünffacht, wie eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung ergab.

Folge: Leere Büroflächen

Deutsche Unternehmen reduzieren wegen des anhaltenden Trends zum regelmäßigen Homeoffice ihre Büroflächen. 6,2 Prozent haben das bereits getan, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Weitere 8,3 Prozent planen dies in den kommenden fünf Jahren. „Besonders stark zeigt sich dieser Trend bei Dienstleistern und Großunternehmen, die den Großteil der Büroflächen nutzen“, sagte Ifo-Forscher Simon Krause. „Jedes vierte dieser Unternehmen hat seine Büroflächen verkleinert oder plant es.“

Da die Mietverträge oft langfristig abgeschlossen werden, dürfte der Gesamteffekt erst verzögert eintreten. „Basierend auf unseren Studien erwarten wir, dass langfristig die Nachfrage nach Büroflächen wegen Homeoffice um etwa zwölf Prozent sinken wird“, sagte Ifo-Experte Krause.

Dienstleister und Großunternehmen ziehen eine Reduzierung der Büroflächen am häufigsten in Betracht:

  • 11,8 Prozent der großen Dienstleistungsbetriebe haben bereits verkleinert, 14,0 Prozent wollen dies innerhalb der nächsten fünf Jahre tun.

  • Weniger Büroverkleinerungen gibt es in der Industrie (5,6 Prozent erfolgt; 6,8 Prozent geplant),

  • im Handel (1,7 Prozent erfolgt; 4,5 Prozent geplant),

  • im Baugewerbe (0,2 Prozent erfolgt; 1,6 Prozent geplant)

  • und bei kleinen Unternehmen (4,2 Prozent erfolgt; 6,1 Prozent geplant).

„Die Reduzierung von Büroflächen stellt den angespannten Immobilienmarkt vor Herausforderungen“, sagte Krause. „In Kombination mit wirtschaftlichen Unsicherheiten, gestiegenen Zinsen und Baukosten ist keine schnelle Erholung in Sicht.“

Die Ergebnisse basieren auf der ifo Konjunkturumfrage unter rund 9.000 Unternehmen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Zufall mit System: Die entscheidende Rolle von RNGs im Gaming

Viel mehr als Würfel-Glück: Erfahre, wie Zufallsgeneratoren von Slot-Klassikern bis hin zu KI-Welten für Fairness, Immersion und echten...

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

DWN
Panorama
Panorama Teure Störungen am Himmel: Drohnen belasten den Luftverkehr
08.06.2026

Immer häufiger zwingen Drohnensichtungen deutsche Flughäfen zu Einschränkungen oder sogar Betriebspausen. Die wirtschaftlichen Schäden...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Yuan: Peking setzt auf eine Alternative zur Dominanz des Dollars
08.06.2026

China treibt den digitalen Yuan mit neuer Entschlossenheit voran. Peking sieht im e-CNY nicht nur ein Zahlungsmittel, sondern ein...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-IPO zeigt die gefährliche Macht der Musk-Erzählung
08.06.2026

Elon Musk verkauft den Kapitalmärkten nicht nur Raketen und Satelliten, sondern eine Zukunft, die bis zum Mars reicht. Doch das SpaceX-IPO...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wie viel Markterfolg hat sich China mit staatlichen Subventionen erkauft?
08.06.2026

Chinesische Unternehmen erhalten bis zu achtmal mehr Subventionen als ihre Konkurrenten, stellt die OECD in einem Bericht über...

DWN
Finanzen
Finanzen Magnificent Seven-Aktien: Wo Analysten jetzt die größten Chancen sehen
08.06.2026

Sieben Tech-Konzerne dominieren den S&P 500, doch ihre Aktien laufen längst nicht mehr im Gleichschritt. Der KI-Boom treibt Umsätze,...

DWN
Technologie
Technologie Dokumentenanalyse mit KI: Was Unternehmen jetzt beachten sollten
08.06.2026

KI revolutioniert die Dokumentenanalyse und stellt Unternehmen, Verwaltungen und Beschäftigte vor eine neue Arbeitsteilung. Welche Rolle...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026 in USA, Kanada und Mexiko: UN-Experten warnen vor gefährlichen Hitzewellen
08.06.2026

Millionen Fans freuen sich auf die größte Fußball-Weltmeisterschaft aller Zeiten. Doch die klimatischen Bedingungen in Teilen...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg zeigt neue Gefahr aus Russland
08.06.2026

Putin wirkt geschwächt, doch genau das könnte Europa gefährlich werden. In Russland wächst der Druck auf den Kreml, ukrainische Drohnen...