Politik

TV-Duell US-Wahlkampf: Walz und Vance setzen auf Sachlichkeit

Mitten im angespannten politischen Umfeld der USA haben die Vizepräsidentschaftskandidaten Tim Walz und J.D. Vance ein unerwartet sachliches TV-Duell geliefert. Ihre erste und vermutlich einzige Fernsehdebatte im TV-Duell US-Wahlkampf zeichnete sich durch inhaltliche Tiefe aus: Themen wie Migration, das Recht auf Abtreibung und der Klimawandel standen im Fokus. Auch der Sturm auf das Kapitol durch Anhänger Trumps am 6. Januar 2021 sorgte für Diskussionen und verdeutlichte die tiefen politischen Gräben.
02.10.2024 10:18
Lesezeit: 3 min

Am 5. November treten Kamala Harris von den Demokraten und Donald Trump von den Republikanern bei der Präsidentschaftswahl gegeneinander an. Die Umfragen deuten auf ein knappes Rennen hin. Besonders unentschlossene Wähler in den umkämpften Bundesstaaten stehen im Fokus, auch mit Hilfe ihrer "Running Mates". Der Demokrat Walz und der Republikaner Vance kommen beide aus dem Mittleren Westen.

Die 90-minütige TV-Debatte im US-Wahlkampf wurde von CBS in New York ausgetragen und fand ohne Publikum statt. Walz, Gouverneur von Minnesota, und Vance, Senator von Ohio, durften keine Notizen verwenden und hatten keinen Kontakt zu ihren Teams. Die Mikrofone konnten von den Moderatorinnen Norah O'Donnell und Margaret Brennan stummgeschaltet werden, was jedoch nur einmal nötig war.

Der Schatten des Kapitol-Sturms

Ein hitziger Moment des TV-Duell US-Wahlkampf entstand, als Vance die Wahlniederlage Trumps 2020 gegen Joe Biden nicht eindeutig anerkannte. Der Republikaner erklärte, er sei "auf die Zukunft fokussiert". Walz konterte scharf und kritisierte dies als "Ausweichmanöver". Er stellte in Frage, ob Vance den Mut hätte, sich wie Mike Pence gegen Trumps Willen zu stellen, um eine friedliche Machtübergabe zu sichern.

Themen: Abtreibung bis Nahost

Bei vielen Themen wurde klar, wie gegensätzlich die Ansichten der beiden sind. In der Debatte um das Abtreibungsrecht warf Walz den Republikanern vor, sich in das Leben von Frauen einzumischen. Über Trump und Vance sagte er: "Diese Männer wollen den Frauen vorschreiben, was sie tun dürfen."

Auch der Waffenbesitz sorgte für Diskussionen. Walz berichtete, dass sein Sohn bei einem Volleyballspiel Zeuge von Schüssen wurde, und forderte strengere Waffengesetze. Vance argumentierte, dass mehr Sicherheit in Schulen nötig sei und verwies auf psychische Probleme als Ursache der Gewalt.

Vance kritisierte zudem Harris’ Migrationspolitik im TV-Duell US-Wahlkampf. Er warf ihr vor, durch das Rückgängigmachen von Trumps Grenzpolitik die aktuelle Migrationskrise ausgelöst zu haben. "Die historische Krise an der Grenze ist direkt auf Harris' Politik zurückzuführen", sagte der 40-jährige Senator.

Beim Thema Klimawandel zeigten sich ebenfalls Unterschiede. Vance räumte ein, dass CO2-Emissionen zur Erderwärmung beitragen, lehnte aber Maßnahmen ab, die auf "fragwürdiger Wissenschaft" basieren. Er forderte mehr Energieproduktion, einschließlich Atomkraft und Erdgas. Walz verwies hingegen auf Bidens Fortschritte bei erneuerbaren Energien und kritisierte Trumps Leugnung des Klimawandels.

Das Thema Wirtschaft wurde nur kurz angesprochen. Walz verwies auf Harris' Pläne zur Unterstützung von Familien und Geringverdienern, während Vance betonte, dass unter Trump die Löhne hoch und die Inflation niedrig gewesen seien.

Mit Blick auf den Nahostkonflikt, der sich nicht nur auf den Gazastreifen, sondern auch auf den Libanon ausgeweitet hat, warnte Walz vor einer Rückkehr Trumps ins Weiße Haus. "Es braucht jetzt eine klare Führung", sagte der 50-jährige Gouverneur. "Trump ist unberechenbar", fügte er hinzu. Vance entgegnete, dass Trump "Stabilität" gebracht habe.

Vance über Trump: "Habe mich geirrt"

Vance, einst ein scharfer Kritiker Trumps, änderte seine Meinung, als er sechs Jahre später selbst ins Rampenlicht trat und die Unterstützung Trumps suchte. Nun erklärte er im TV-Duell US-Wahlkampf, dass er sich mit seiner früheren Kritik geirrt habe. "Ich habe mich bei Trump getäuscht", sagte Vance. Er habe falschen Darstellungen über Trumps politische Bilanz geglaubt, erklärte er. Trump habe jedoch "geliefert".

Vize-Duelle sind selten wahlentscheidend, dennoch könnte dieses TV-Duell US-Wahlkampf Eindruck hinterlassen. Bereits im September hatten sich Harris und Trump in einem hitzigen TV-Duell gegenübergestanden, bei dem Trump genervt wirkte und Harris ruhig blieb. Sie forderte eine zweite Debatte, doch Trump legte sich nicht fest.

Trump kommentiert per Live-Ticker

Walz wirkte zu Beginn der Debatte nervös, gewann aber an Sicherheit und machte Notizen, um die Argumente seines Gegners zu widerlegen. Vance gelang es, was Trump im Duell gegen Harris schwerfiel: Er vermied scharfe Angriffe. Trump selbst kommentierte jedoch das TV-Duell US-Wahlkampf in Echtzeit auf seiner Plattform "Truth Social" und bezeichnete Walz als "dumm". Auch die Moderatorinnen wurden von ihm scharf kritisiert und als "extrem voreingenommen" bezeichnet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Meta-Aktie: Konzern streicht 700 Stellen und fokussiert KI
26.03.2026

Meta baut radikal um und streicht 700 Stellen, während KI zum Kern der Strategie wird. Die Aktie gerät unter Druck, denn juristische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Handelspolitik: Kann Europa ohne die USA bestehen
26.03.2026

Trump schottet die USA ab und erschüttert den Welthandel. Doch Ursula von der Leyen nutzt die Krise und schmiedet weltweit neue Allianzen....

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg treibt Ölpreis-Angst: Deutschland bleibt verwundbar
26.03.2026

Der Iran-Krieg zeigt, wie schnell die globale Energieversorgung ins Wanken gerät – und wie abhängig Deutschland noch immer ist....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenzen, Leerstand, Onlinehandel: Tausende Geschäfte verschwinden aus deutschen Innenstädten
26.03.2026

Seit der Corona-Lockdowns verschärft sich die Krise des deutschen Einzelhandels weiter. Die Anzahl der Geschäfte soll 2026 sogar auf ein...

DWN
Politik
Politik EU-Asylpolitik: Rechte Mehrheit beschließt Abschiebezentren
26.03.2026

Das EU-Parlament verschärft die Asylpolitik deutlich – mit Stimmen von Konservativen und rechten Parteien. Die Entscheidung für...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsbau bricht ein: IG Bau will staatliche Zinsbremse
26.03.2026

Deutschlands Wohnungsbau steckt tief in der Krise, und ein schneller Ausweg ist nicht in Sicht. Die IG Bau fordert jetzt radikale...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Innovationsranking: China überholt Deutschland und stellt Europas Modell infrage
26.03.2026

China zieht an Deutschland vorbei und rückt im Innovationsranking an die USA heran. Dahinter steckt kein Zufall, sondern eine strategisch...