Unternehmen

Versorgung mit Medikamenten in Gefahr: Zahl der Apotheken bundesweit sinkt weiter

Eine Apotheke in der Nähe ist vielen Menschen wichtig. Doch das Netz der Standorte wird zusehends dünner: Die Zahl der Apotheken sinkt seit Jahren – und sie schrumpft schneller.
04.11.2024 12:00
Lesezeit: 2 min

Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt weiter. Ende September gab es bundesweit noch 17.187 Apotheken, wie eine Erhebung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ergab. Seit Jahresbeginn sind es damit weitere 384 weniger. In den ersten neun Monaten dieses Jahres fiel der Rückgang zudem stärker aus - im Vorjahr hatte es von Januar bis Ende September ein Minus von 335 gegeben. Erfasst werden jeweils Hauptapotheken und Filialen, von denen bis zu drei betrieben werden können. Die Bundesvereinigung warnt vor einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung.

Jahrelanger Abwärtstrend

Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt seit Jahren: Im Jahr 2000 gab es nach ABDA-Zahlen noch 21.592 Apotheken inklusive Filial-Apotheken. Zu den Gründen zählen Kostendruck und Probleme bei der Nachfolgesuche, wenn Inhaber oder Inhaberinnen von Apotheken in den Ruhestand gehen. Mangels Verdienstmöglichkeiten ziehe es einige qualifizierte Menschen in die Industrie, beklagt die ABDA. Die Bundesvereinigung wehrt sich zudem seit langem gegen die Konkurrenz ausländischer Versandapotheken, die mit dem neuen E-Rezept werben.

Mit 21 Apotheken je 100.000 Menschen liegt Deutschland der ABDA zufolge unter dem Schnitt in der EU, der bei 32 liege. Die Bundesrepublik schneidet demnach bei der Apothekendichte schlechter ab als Spanien (47), Italien (33) und Frankreich (31), aber deutlich besser als die Niederlande (11) oder skandinavische Staaten.

Kritik an der Bundesregierung

Der Bundesvereinigung forderte die Politik auf, den Rückgang zu stoppen. "Jede Apotheke, die schließen muss, verschlechtert die Versorgung für tausende Patientinnen und Patienten, weil die Wege zur nächsten Apotheke dann länger werden“, sagte ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening. Die Branche mahnte erneut Honorar-Anhebungen an. Die Apotheken seien chronisch unterfinanziert, bei seit Jahren steigenden Kosten, so die Bundesvereinigung. Zehn Prozent der Apotheken in Deutschland seien defizitär, insgesamt weise ein Drittel ein kritisches betriebswirtschaftliches Ergebnis aus.

Lauterbach will Apotheken reformieren

Kritik übte die ABDA an der Politik. Was nicht zum Ziel führe, sei "eine Entkernung der Apotheke", kritisierte Overwiening. Nach Plänen von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sollen Patienten ihre Arzneimittel auch künftig möglichst in einer nahen Apotheke bekommen - allerdings oft nicht mehr von voll ausgebildeten Apothekern. Filial-Apotheken sollen auch dann öffnen dürfen, wenn nur eine Apothekerin oder ein Apotheker in einer anderen Filiale für eine telepharmazeutische Beratung zur Verfügung steht. Ein Kabinettsbeschluss zu der Reform steht noch aus.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Inflation und Deflation zugleich - Wohin steuert das Finanzsystem?

Die wirtschaftlichen Signale aus den USA, China und Europa werden widersprüchlicher. Während der Preisdruck nachlässt, verliert der...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW-Werk Dingolfing rüstet auf für den entscheidenden Kampf um die Autozukunft
14.08.2026

Tausende Roboter, 280.000 Autos im Jahr und eine neue Batteriefabrik sollen BMWs größten europäischen Produktionsstandort zukunftsfähig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Solarstrom-Produktion unter Druck: Wie sicher ist Deutschlands Stromnetz wirklich?
14.08.2026

Eine Sonnenfinsternis reicht aus, um Europas Solarstrom-Produktion binnen kurzer Zeit massiv zu drücken und die Strompreise nach oben...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
14.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt ECS Energiemakler: Wenn die Stromrechnung Fragen aufwirft
14.08.2026

Strom und Gas sind für viele Unternehmen heute mehr als ein einfacher Einkaufsposten. Sie sind ein Bereich, in dem Preise, Netzentgelte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ferrari Luce: Erst verspottet, jetzt reißen sich Käufer um den Elektro-Ferrari
14.08.2026

Der Ferrari Luce provozierte Fans, verunsicherte Anleger und ließ Zweifel an Ferraris Elektrostrategie wachsen. Nun ist das Verkaufsziel...

DWN
Panorama
Panorama Konsumflaute trifft Camping-Boom: Jetzt mobile Kaffeemaschinen kaufen und bares Geld sparen!
14.08.2026

Camping boomt, Reisen bleibt beliebt – doch gleichzeitig sitzt das Geld bei vielen Verbrauchern nicht mehr so locker. Genau in diesem...

DWN
Finanzen
Finanzen Norma-Aktie mit Kurssprung: Verbindungstechnikhersteller plant weiteren Aktienrückkauf
14.08.2026

Ein neuer Aktienrückkauf treibt die Norma-Aktie auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Finanziert wird das Vorhaben aus einem...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-Aktie vor dem Mega-IPO: SpaceX könnte die Euphorie zerstören
14.08.2026

Anthropic wächst rasant und könnte mit seinem Börsengang neue Maßstäbe setzen. Doch die Milliardenbewertung steht auf einem...