Politik

SPD-Kanzlerkandidat steht fest: Pistorius zieht zurück und ebnet Weg für Scholz

Nach intensiven Diskussionen innerhalb der SPD hat Verteidigungsminister Boris Pistorius Olaf Scholz den Weg für die erneute Kanzlerkandidatur geebnet. Er informierte die Parteispitze darüber, dass er für die Kanzlerkandidatur nicht zur Verfügung stehe. "Das ist meine souveräne, persönliche und alleinige Entscheidung."
21.11.2024 20:33
Aktualisiert: 21.11.2024 20:33
Lesezeit: 2 min

Pistorius sprach sich klar für Olaf Scholz als SPD-Kanzlerkandidat aus. "Scholz ist ein starker Kanzler und der richtige Kanzlerkandidat." Er habe eine komplexe Dreierkoalition durch eine der größten Krisen der letzten Jahrzehnte geführt. "Scholz steht für Besonnenheit und Vernunft." Dies sei in schwierigen Zeiten unverzichtbar. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll Scholz am Montag im Parteivorstand offiziell nominiert werden.

Der Beginn: Mützenich und die "Grummel"-Debatte

Mit dem Zerbrechen der Ampel-Koalition begann in der SPD die Debatte über einen möglichen Kanzlerkandidatenwechsel. Immer mehr Genossen sprachen sich aufgrund der höheren Beliebtheitswerte und vermeintlich besseren Wahlchancen offen für Pistorius aus. Dies betraf Politiker auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene.

Obwohl die SPD-Führung hinter Scholz stand, zögerte sie zunächst, ihn nach der Entscheidung für eine Neuwahl am 23. Februar offiziell zu nominieren. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich befeuerte die Diskussion mit dem Hinweis, dass es in der Partei ein "Grummeln" in der K-Frage gebe.

Pistorius: "Alles offen – außer Papst werden"

Pistorius ließ die Debatte tagelang unkommentiert, statt sie zu beenden. "In der Politik sollte man nie etwas ausschließen", erklärte er bei einer Veranstaltung der Mediengruppe Bayern in Passau. "Das Einzige, was ich definitiv ausschließen kann, ist, dass ich Papst werde", scherzte er. Gleichzeitig stellte er jedoch klar: "Die Kanzlerkandidatur ist nicht Teil meiner Lebensplanung, und das muss auch ehrlich so bleiben."

Scholz: Anspruch frühzeitig angemeldet

Olaf Scholz hatte seinen Anspruch auf die Kanzlerkandidatur bereits im Juli formuliert, als die Ampel-Koalition noch intakt war: "Ich werde erneut als Kanzler antreten", erklärte er damals. In den vergangenen Tagen verzichtete Scholz jedoch auf ähnlich eindeutige Aussagen, um nicht den Eindruck zu erwecken, er wolle sich selbst ins Rennen schicken.

Der Parteivorstand, bestehend aus 34 Mitgliedern, wird Scholz voraussichtlich am Montag offiziell nominieren. Am 11. Januar entscheidet der Parteitag endgültig über die Kanzlerkandidatur, was in der Regel reine Formsache ist. Bereits am 30. November wird Scholz bei einer "Wahlsiegkonferenz" in Berlin präsentiert.

Große Hürde: Die SPD vor einer Mammutaufgabe

Um erneut Kanzler zu werden, steht Scholz vor einer enormen Herausforderung. In den Umfragen liegt die SPD mit 14 bis 16 Prozent hinter der AfD mit 18 bis 19 Prozent und deutlich hinter der Union, deren Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) Werte von 32 bis 34 Prozent erzielt.

Scholz erinnerte kürzlich in der Süddeutschen Zeitung an die Bundestagswahl 2021. Damals lag die SPD zweieinhalb Monate vor der Wahl ebenfalls weit hinter der Union – bis zu 16 Prozentpunkte. Ein Fehltritt von Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet im Flutgebiet änderte damals die Dynamik. Am Ende erreichte die SPD 25,7 Prozent und Scholz wurde Kanzler der ersten Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP auf Bundesebene.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lohnt es sich noch, Informatik zu studieren?
24.06.2026

KI verändert den Einstieg in die IT-Branche schneller als viele erwartet haben. Informatik bleibt gefragt, doch der sichere Weg zum gut...

DWN
Politik
Politik Khamenei ist tot, doch das Regime lebt weiter: Warum die Iran-Krise Europa erreicht
24.06.2026

Khameneis Tod ließ viele Exil-Iraner kurz an den Sturz des Regimes glauben. Doch der neue Frieden bringt vorerst vor allem Ernüchterung,...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie crasht: Wie tief kann es noch gehen?
24.06.2026

Milliarden-Schock für Rheinmetall: Berlin stoppt das größte deutsche Kriegsschiff-Projekt seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Aktie stürzt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Playmobil wandert ins Ausland: Aus für Produktion in Deutschland
24.06.2026

Fast jedes Kind kennt die ewig lächelnden Spielfiguren. Produziert werden diese jetzt nur noch im Ausland. Ein unausweichlicher Schritt,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Megastörung bei der Deutschen Bahn: Nach Zugfunk-Ausfall läuft die Fehlersuche
24.06.2026

Nach dem bundesweiten Zugfunk-Ausfall suchen IT- und Sicherheitsexperten nach der Ursache. Ein Angriff gilt bisher als unwahrscheinlich. Im...

DWN
Politik
Politik USA: Senat stimmt gegen Trumps eigenmächtige Iran-Kriegsführung
24.06.2026

Der US-Kongress will Trump beim Krieg gegen den Iran Grenzen setzen. Die auch von einigen Republikanern getragene Resolution gilt vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Vom Hoffnungsträger zum Problemflieger: Behörde zwingt 16 Airbus A380 zum Check
24.06.2026

Risse an den Tragflächen: 16 Airbus A380 von Emirates und Qantas müssen auf Anordnung der EASA kurzfristig überprüft werden. Fünf...

DWN
Politik
Politik Bundestag: Ein Drittel der Bundestagsabgeordneten hat Nebeneinkünfte
24.06.2026

Mehr als ein Drittel der Bundestagsabgeordneten hat in der laufenden Legislaturperiode meldepflichtige Nebeneinkünfte bezogen - neben...