Politik

Sicherheitslage im Schwarzen Meer: Russland fordert Aufhebung von Sanktionen

Die Bemühungen um eine Deeskalation des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zeigen weiterhin kaum Wirkung. Während die USA als Vermittler betonen, dass beide Konfliktparteien eine sichere Schifffahrt im Schwarzen Meer gewährleisten wollen, stellt Moskau eine Reihe von Bedingungen. Wie geht es weiter und was plant Europa?
26.03.2025 11:23
Aktualisiert: 26.03.2025 11:23
Lesezeit: 3 min

Selenskyj in Paris zu Gesprächen

Der Kreml erklärte, eine Einigung könne erst erfolgen, wenn zahlreiche Sanktionen gegen Russland aufgehoben werden. US-Präsident Donald Trump schloss nicht aus, dass Russlands Präsident Wladimir Putin absichtlich auf Zeit spielt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reist heute nach Paris, um mit Präsident Emmanuel Macron zusammenzutreffen. Dieses Treffen dient der Vorbereitung auf den Gipfel der sogenannten Koalition der Willigen, zu dem Macron für Donnerstag geladen hat. Frankreich und Großbritannien arbeiten gemeinsam an Sicherheitsgarantien, die eine Waffenruhe in der Ukraine absichern und einen erneuten Angriff Russlands verhindern sollen.

Trump hält es für denkbar, dass Putin absichtlich Verzögerungen provoziert. Zwar sei dies nicht bestätigt, sagte der US-Präsident dem Fernsehsender Newsmax, aber er selbst habe bei unsicheren Verhandlungen ebenfalls auf Zeit gespielt, um nicht vorschnell zu unterzeichnen. Dennoch betonte Trump, dass sowohl Russland als auch die Ukraine den Krieg beenden wollen.

Russische Drohnenangriffe setzen sich fort

Seit mehr als drei Jahren verteidigt sich die Ukraine mit westlicher Hilfe gegen die russische Invasion. In der Nacht auf Donnerstag attackierte die russische Armee erneut mit Kampfdrohnen, wie die ukrainische Luftwaffe berichtete. Besonders betroffen war Selenskyjs Heimatstadt Krywyj Rih: Dort zählte der Rundfunksender Suspilne rund 15 Explosionen. Angaben zu Opfern und Sachschäden lagen zunächst nicht vor.

Russlands Forderung nach Swift-Zugang

Nach Gesprächen mit Russland und der Ukraine in Saudi-Arabien gaben die USA zunächst bekannt, dass ein sicherer Schiffsverkehr im Schwarzen Meer gewährleistet werden solle. Doch Moskau verlangt, dass die russische staatliche Landwirtschaftsbank und weitere Geldinstitute wieder Zugang zum internationalen Finanzsystem Swift erhalten. Dieser war ihnen im Zuge der Sanktionen entzogen worden.

Russland fordert zudem ein Ende der Importverbote für Landwirtschaftstechnik und andere für die Lebensmittelproduktion wichtige Güter. Ebenso verlangt der Kreml die Aufhebung verschiedener Handelsbeschränkungen und Sanktionen.

Die USA haben zugesagt, Moskau bei der Getreide- und Düngemittelexporte zu unterstützen. Eine vollständige Aufhebung von Sanktionen würde jedoch Abstimmungen mit der EU und weiteren Staaten erfordern. Sollten Sanktionen gegen Russland gelockert werden, wäre dies ein großer diplomatischer Erfolg für Moskau.

Selenskyj wirft Russland Manipulation vor

Auch am Verhandlungstag würde Russland versuchen, die Lage zu manipulieren, kritisierte Selenskyj in einer Videobotschaft. Die USA hätten klargestellt, dass eine Teilwaffenruhe im Schwarzen Meer möglich sei. "Doch der Kreml verbreitet erneut Falschinformationen: Er stellt eine Waffenruhe zur Bedingung für die Aufhebung der Sanktionen", erklärte Selenskyj.

Offen bleibt, ob es eine beiderseitige Einstellung der Angriffe auf Energieanlagen gibt. Am Dienstagabend präsentierte der Kreml eine Liste geschützter Objekte, darunter Ölraffinerien, Pipelines, Kraftwerke und Umspannwerke. Russland behauptet, sich seit dem 18. März an diese Vorgaben zu halten. An diesem Tag hatten US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin telefoniert.

"Doch die Wahrheit ist, dass sie unsere Energieanlagen auch nach dem 18. März mit Bomben und Kampfdrohnen attackiert haben", schrieb Selenskyj-Berater Dmytro Lytwyn auf X. Es gebe mindestens acht dokumentierte Fälle. Diese Angaben sind jedoch nicht unabhängig überprüfbar. FPV-Drohnen werden aus der Ich-Perspektive des Piloten gesteuert. Die Ukraine zeigt sich grundsätzlich bereit für eine Teilwaffenruhe, auch wenn Angriffe auf russische Militärobjekte und Ölraffinerien zuletzt besonders effektiv waren.

Europas Sicherheitsgarantien: Luftraumüberwachung geplant

Mit Blick auf Sicherheitsgarantien für die Ukraine setzen die westlichen Partner vor allem auf eine entmilitarisierte Zone zwischen den Frontlinien. Diese soll mit Satelliten und Drohnen aus der Luft überwacht werden. Laut Deutscher Presse-Agentur könnte auch die Marine eingesetzt werden, um die Schifffahrt im Schwarzen Meer zu sichern.

Eine Friedenstruppe könnte unter UN-Mandat entstehen und ausschließlich aus Soldaten neutraler Drittstaaten bestehen. Europäische Truppen könnten an der Westgrenze der Ukraine stationiert werden und militärische Ausbildungsprogramme für ukrainische Soldaten unterstützen. Als oberster Sicherheitsgarant wird die atomare Supermacht USA betrachtet, die jedoch bislang keine verbindliche Zusage gemacht hat.

Russland beansprucht Kernkraftwerk Saporischschja

Im Kontext der jüngsten Aussagen von Donald Trump bekräftigte Russland seinen Anspruch auf das besetzte Kernkraftwerk Saporischschja. "Das AKW Saporischschja ist eine russische Nuklearanlage", erklärte das russische Außenministerium. Eine Übergabe an die Ukraine oder ein anderes Land sei ausgeschlossen. Auch eine geteilte Kontrolle lehne Moskau ab.

Trump hat zuletzt mehrfach Interesse an der ukrainischen Atomindustrie geäußert. Er betonte, dass die USA mit ihrer Expertise ein ukrainisches Kraftwerk effizient betreiben könnten. Selenskyj bestätigte lediglich, dass er Washington um Hilfe gebeten habe, um Saporischschja zurückzugewinnen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik NATO-Verteidigungsausgaben: Wer für das neue Fünf-Prozent-Ziel zahlt
18.07.2026

Die NATO rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr, doch zwischen den Mitgliedstaaten liegen Welten. Während Polen und die baltischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Das Maschinenherz Deutschlands kommt zum Stillstand: Das Problem ist größer als in der Automobilbranche
18.07.2026

In den meisten Ländern der Europäischen Union wächst die Maschinenproduktion dank einer Investitionswelle. Nicht so in Deutschland. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: „Böse Überraschung“, während der KI-Ausverkauf anhält
17.07.2026

Turbulenzen an den Märkten: Erfahren Sie, welche Kräfte den Technologiesektor jetzt bewegen und wie Experten die Lage einschätzen.

DWN
Politik
Politik Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordert Spahns Rücktritt
17.07.2026

Die CDU ist strikt gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften. Dass ihr Frontmann im Bundestag nun privat einen anderen Weg gegangen ist,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Upvest: Der unsichtbare Riese hinter Revolut, N26 und Co.
17.07.2026

Die Schnittstellen-Technologie von Upvest etabliert sich zusehends zum Standard im europäischen Wertpapierhandel. Nach N26 und Revolut...

DWN
Finanzen
Finanzen Mercedes-Aktie: Autobauer investiert eine Milliarde Euro in Ungarn – Strategie gegen chinesische Konkurrenz?
17.07.2026

Mercedes hat eine Milliarde Euro in Ungarn investiert. Nach dem Ausbau soll das Werk in Kecskemét jährlich mehrere hunderttausend Autos...

DWN
Politik
Politik EU-Kritik an Deutschland: Mängel bei Pressefreiheit und Lobby-Transparenz
17.07.2026

Rüge aus Brüssel für die Bundesregierung: Im neuen Rechtsstaatsbericht bescheinigt die EU-Kommission Deutschland anhaltende Defizite....

DWN
Politik
Politik Bahn und Länder im Streit: Netzagentur erzwingt Platz für Fernverkehrs-Konkurrenz
17.07.2026

Ein Machtwort mit Folgen für das deutsche Schienennetz: Die Bundesnetzagentur zieht ihren vorläufigen Beschluss durch und verpflichtet...