Politik

Kommt jetzt die kleine GroKo? Koalitionsverhandlungen offenbar kurz vor dem Abschluss

Knapp vier Wochen nach Beginn der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD scheint eine Einigung in greifbare Nähe zu rücken. Nach rund 13 Stunden intensiver Gespräche endete die jüngste Runde kurz vor Mitternacht – ein Durchbruch blieb zwar aus, doch ein Ergebnis wird bis Mittwochmittag erwartet.
09.04.2025 08:19
Lesezeit: 2 min
Kommt jetzt die kleine GroKo? Koalitionsverhandlungen offenbar kurz vor dem Abschluss
Markus Söder (CSU, links), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, Friedrich Merz, Unions-Kanzlerkandidat und CDU-Bundesvorsitzender, und Lars Klingbeil, SPD-Fraktions- und Bundesvorsitzender (rechts). (Foto: dpa) Foto: Christoph Soeder

Koalitionsverhandlungen im Endspurt

Weiterverhandelt wird ab 9.30 Uhr in der CDU-Zentrale. Parteichef Friedrich Merz möchte das CDU-Präsidium über den aktuellen Stand der Koalitionsverhandlungen informieren, wie aus Parteikreisen zu hören war.

Den gesamten Dienstag über verhandelten Union und SPD in wechselnden Formaten. Einzelberatungen und Pausen prägten das Bild. Vor allem die globale Lage und die protektionistische Handelspolitik der USA unter Präsident Donald Trump erhöhten den Druck auf eine rasche Einigung. Wirtschaftsexperten warnen angesichts der US-Zölle vor einer möglichen Rezession. Merz setzt dagegen auf steuerliche Entlastungen, weniger Bürokratie und sinkende Energiepreise, um die exportstarke deutsche Wirtschaft zu stärken.

Koalitionspoker in Etappen: Von Sondierung bis Hauptverhandlung

Nur fünf Tage nach der Bundestagswahl begannen Sondierungen mit dem Ziel, eine schwarz-rote Regierung zu formen. Alternative Bündnisse scheiterten an fehlenden Mehrheiten oder politischen Ausschlusskriterien – insbesondere eine Zusammenarbeit mit der AfD wurde kategorisch ausgeschlossen.

Am 4. März einigten sich CDU, CSU und SPD auf milliardenschwere Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur. Gemeinsam mit den Grünen änderte die alte Bundesregierung das Grundgesetz, um zusätzliche Mittel freizugeben: Ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für Klimaschutz und Infrastruktur wurde geschaffen – ein historisches Finanzpaket.

Arbeitsgruppen mit Wunschkonzert-Charakter

Am 8. März beschlossen die Parteien den offiziellen Start der Koalitionsverhandlungen. Insgesamt 16 Arbeitsgruppen wurden gebildet, um Details zu zentralen Themen auszuarbeiten. Die Ergebnisse flossen in die Hauptverhandlungsrunde mit 19 Spitzenpolitikerinnen und -politikern ein. In manchen Gruppen, so Merz, sei das Motto eher „Wünsch dir was“ gewesen – kritische Töne zur Erwartungshaltung.

Während die Arbeitsgruppenergebnisse öffentlich wurden, hielten sich die Chefverhandler bedeckt. Die Treffen fanden wechselweise in Parteizentralen sowie in der Bayerischen Landesvertretung statt. Besonders Steuerfragen und Migrationspolitik sorgten für Reibungspunkte in den Koalitionsverhandlungen.

Kritik aus der CDU-Basis wächst

Innerhalb der CDU regte sich zunehmend Unmut. Nach Merz' Kurskorrektur bei der Schuldenbremse trat ein Drittel des Stadtverbands Kühlungsborn aus. Auch die Junge Union droht mit Ablehnung, sollte der Koalitionsvertrag keinen klaren Politikwechsel bringen. In Brandenburg fordert die Basis Mitsprache – wie in der SPD eine Mitgliederbefragung. Das zeigt: Die kleine GroKo ist parteiintern umstritten.

Sinkende Umfragewerte befeuern die Kritik. CDU und CSU verlieren an Zustimmung, die AfD holt auf – laut Insa-Umfrage liegen beide gleichauf.

Finale Schritte zur neuen Bundesregierung

Kommt es zur Einigung, entscheidet die SPD-Basis digital über den Vertrag. In der CDU stimmt ein Parteitag ab, die CSU reicht mit einem Vorstandsbeschluss aus. Der ursprünglich für Ostern geplante Regierungsstart wird nicht gehalten. Als Termin für die Kanzlerwahl von Merz steht nun der 7. Mai im Raum – und damit der finale Schritt zur neuen Bundesregierung und einer möglichen schwarz-roten Regierung.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis bei 10.000 US-Dollar? Warum Analysten einen historischen Durchbruch erwarten

Gold gilt seit jeher als sicherer Hafen, doch die aktuelle Debatte wirkt anders. Steigende globale Verschuldung, anhaltende Inflation und...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik NATO-Generalsekretär gibt den Inhalt des Gesprächs bekannt, das Donald Trump umgestimmt hat
26.01.2026

Ein vertrauliches Gespräch zwischen Donald Trump und NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat die politische Lage abrupt verändert. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen Neobroker im Trend: Junge Anleger riskieren oft mehr, als sie wissen
26.01.2026

Aktien per App handeln wird bei jungen Menschen immer beliebter. Doch Experten warnen: Viele unterschätzen die Risiken der Börse....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Geschäftsklimaindex zum Jahresstart unter den Erwartungen: Wirtschaft ohne Schwung
26.01.2026

Die deutsche Wirtschaft ist überraschend verhalten ins Jahr 2026 gestartet: Der Ifo-Geschäftsklimaindex blieb im Januar bei 87,6 Punkten...

DWN
Technologie
Technologie Nordsee-Anrainer bündeln Kräfte: Großes Windkraftprojekt geplant
26.01.2026

Deutschland und andere Nordsee-Anrainer wollen den Ausbau der Offshore-Windenergie beschleunigen. Beim Nordsee-Gipfel in Hamburg...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Elektroindustrie sieht Licht am Ende der Flaute: Wachstum für 2026 erwartet
26.01.2026

Nach drei Jahren stagnierender Produktion blickt die deutsche Elektroindustrie optimistisch auf 2026. Der Branchenverband ZVEI...

DWN
Finanzen
Finanzen XRP-News: Ripple-Kurs zwischen Crash und Comeback – was jetzt zählt
26.01.2026

Der Ripple-Kurs steht zum Wochenbeginn erneut unter Druck: Analysten warnen vor weiteren Rücksetzern bis 1,40 Dollar – manche sprechen...

DWN
Panorama
Panorama Mikrozensus 2026 gestartet: Ein Prozent der Bevölkerung wird befragt
26.01.2026

Die wichtigste amtliche Sozialerhebung Deutschlands läuft wieder: Von Januar bis Dezember 2026 nimmt der Mikrozensus Daten über die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Post: Briefzustellung ohne staatliche Kontrolle
26.01.2026

Damit die Post beim Transport und bei der Zustellung von Briefen nicht bummelt, gibt es staatlich verordneten Zeitdruck. Doch nun zeigt...