Politik

Koalitionsvertrag von Union und SPD: Wirtschaft sieht Licht und Schatten im Koalitionspapier

Das Regierungsabkommen von CDU, CSU und SPD stößt in der Wirtschaft auf eine differenzierte Resonanz. Verschiedene Branchenvertreter zeigten sich erfreut über den zügigen Abschluss der Gespräche.
09.04.2025 17:22
Lesezeit: 1 min
Koalitionsvertrag von Union und SPD: Wirtschaft sieht Licht und Schatten im Koalitionspapier
Vorstellung des Koalitionsvertrags (von links nach rechts): Söder, Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, Merz, Unions-Kanzlerkandidat und CDU-Bundesvorsitzender, Klingbeil, SPD-Fraktions- und Bundesvorsitzender, und Esken, SPD-Bundesvorsitzende (Foto: dpa). Foto: Michael Kappeler

Koalitionsvertrag: „Gutes dabei, aber auch schwer zu schlucken“

„Ein derart schneller Verhandlungsabschluss ist zunächst ein positives Signal, auf das Wirtschaft und Industrie in Deutschland gewartet haben“, erklärte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. „Ob mit dem Ergebnis auch tatsächlich Kurs auf Wachstum, Bürokratieabbau und Vereinfachung genommen wird, bleibt noch abzuwarten.“

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks betrachtet das Abkommen als „gutes Rezept, aber mit ein paar bitteren Pillen“. Vieles scheine in eine positive Richtung zu weisen, sagte Präsident Jörg Dittrich. „Ob das letztlich zu einer echten wirtschaftlichen Trendwende führt, muss sich erst noch herausstellen.“ Die Stiftung Familienunternehmen und Politik erkennt im Vertrag eine Entwicklung in die richtige Richtung. „Es ist erfreulich, dass die Koalition keine Steuererhöhungen plant“, äußerte Vorstand Rainer Kirchdörfer. „Was jedoch enttäuscht: Der Schritt zu niedrigeren Unternehmenssteuern soll erst 2028 beginnen.“

Ökonomen vermissen Impulse für Wachstum

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, kritisierte, dass der Vertrag wenig Zukunftsdrang zeige. „Das Papier von Union und SPD ist ein Kompromiss, der den Status quo weitgehend erhält und wesentliche Zukunftsthemen zu wenig berücksichtigt.“

Auch die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer beurteilt die geplante Wirtschaftswende als deutlich weniger ambitioniert als zunächst in den Wahlprogrammen angedeutet. „Das ist leider kein Programm für Wachstum“, sagte Schnitzer der Funke Mediengruppe. Sie zeigte sich allerdings wenig überrascht, da die Koalitionsparteien sowohl Steuererhöhungen ablehnten als auch Steuersenkungen verlangten.

„Eher ein Schimmer als ein Signal“

Florian Swyter vom Gesamtverband der Personaldienstleister sieht Licht und Schatten im Vertragswerk. Deutschland brauche dringend eine regierungsfähige Koalition. „Doch anstelle eines klaren Signals für wirtschaftliche Erneuerung erinnert der Koalitionsvertrag eher an eine matte Lampe: Ein wenig Licht, aber auch viel Schatten.“

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst lobte insbesondere einen Punkt der schwarz-roten Zusammenarbeit: „Die Schaffung eines Ministeriums für Digitalisierung und Staatsmodernisierung ist ein historischer Schritt für Deutschland und ein lange erwartetes Signal für Aufbruch durch die neue Bundesregierung.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen DeFi-Hashing nutzt die Rechenleistung künstlicher Intelligenz, um das Vermögen der Nutzer zu mehren.

Major economies are actively promoting the establishment of a unified capital market regulatory framework and plan to strengthen the...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Dow Jones erreicht neue Höhen, während Broadcom den Nasdaq im Minus hält
04.06.2026

Zwischen neuen Rekordhochs und überraschenden Verlusten: Entdecken Sie, was die Börsen aktuell bewegt und worauf Anleger jetzt achten...

DWN
Politik
Politik Asylleistungen in Deutschland: EuGH sieht menschenwürdigen Lebensstandard gefährdet
04.06.2026

Der Europäische Gerichtshof hält deutsche Leistungskürzungen für abgelehnte Asylbewerber für unvereinbar mit EU-Recht. Auch bei...

DWN
Politik
Politik EU-Erweiterung im Visier: Ungarn zieht Veto gegen Ukraine-Verhandlungen zurück
04.06.2026

Das Tor nach Europa öffnet sich für Kiew: Ungarn gibt unter der Führung von Polit-Aufsteiger Peter Magyar den Widerstand gegen die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EasyJet-Übernahme: Warum der Billigflieger plötzlich zum Ziel von Investoren wird
04.06.2026

EasyJet wirkt an der Börse angeschlagen, doch genau das macht den Billigflieger plötzlich begehrt. Der US-Investor Castlelake sieht...

DWN
Politik
Politik Pflegereform 2027: Pflegekassen sollen entlastet und Kinderlose stärker belasten werden
04.06.2026

Die geplante Pflegereform soll die Pflegeversicherung ab 2027 finanziell stabilisieren und Ausgaben begrenzen. Für Heimbewohner,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft "Wir sind nicht die Billigheimer der Nation": Bundesweite Verdi-Streiks im Handel gestartet
04.06.2026

Kunden im Einzel- und Großhandel müssen sich auf Einschränkungen einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat die Handelsbranche in allen...

DWN
Politik
Politik Waffenruhe wackelt: Israel droht Menschen im Libanon und Hisbollah lehnt Einigung ab
04.06.2026

Rückschlag im Libanon: Unmittelbar nach der Einigung auf die Umsetzung einer neuen Waffenruhe hat Israel Zivilisten vor der Rückkehr in...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin: Unbekannter vernichtet Vermögen im Millionenwert
04.06.2026

Ein Unbekannter schickt 107 Bitcoin an eine Adresse, von der es keinen Rückweg gibt. Knapp sieben Millionen Euro sind damit praktisch aus...