Technologie

Das Ende von Google? Warum SEO dennoch überleben wird

Künstliche Intelligenz verändert die Online-Suche radikal – doch wer jetzt SEO aufgibt, riskiert digitalen Selbstmord.
12.05.2025 07:19
Lesezeit: 2 min

„SEO ist wie eine Versicherung“ – und ein Ende von Google nicht in Sicht

Die digitale Welt steht vor einem historischen Wendepunkt: Immer mehr Nutzer kehren Google den Rücken zu – und wenden sich künstlicher Intelligenz zu. Plattformen wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini übernehmen Aufgaben, für die früher eine klassische Google-Suche notwendig war. Die Folge: Unternehmen fragen sich zunehmend, ob sich Suchmaschinenoptimierung (SEO) überhaupt noch lohnt – oder ob das Geld besser in KI-Strategien investiert wird.

Doch wer SEO heute abschreibt, denkt zu kurzfristig. „SEO ist keine Werbung, die verschwindet, sobald das Budget aufgebraucht ist“, sagt Andrius Triponas, SEO-Manager bei der Agentur APG Media. „Es ist eine Investition in die strukturelle Gesundheit eines Unternehmens im Netz.“ Denn ganz gleich, ob Kunden über Google, Bing, ChatGPT oder künftige KI-Systeme nach Informationen suchen – sie benötigen belastbare Quellen. Und diese Quellen kommen aus dem Web – aus Websites, die sauber aufgebaut, inhaltlich hochwertig und technisch gepflegt sind.

Auch Indrė Škensbergaitė Gedminė, Vertriebs- und Marketingleiterin des Onlinehändlers Hermitage, warnt vor vorschnellem Rückzug aus der SEO-Welt. „Heute nutzen immer noch 85–90 % der Menschen Google, wenn es um Informationen, Produkte oder Dienstleistungen geht. Es wäre töricht, diese Dominanz zu ignorieren.“ Mehr noch: Ihre Erfahrung zeigt, dass SEO nicht nur Besucher bringt, sondern auch das Engagement auf der Website selbst stärkt – ein entscheidender Faktor für Conversions.

Die neue Gefahr: Sichtbarkeit in KI-Systemen

Was sich allerdings ändert, ist die Art der Sichtbarkeit. Nutzer stellen zunehmend Fragen an KI-Systeme und erwarten direkte Antworten – ohne durch zehn Links klicken zu müssen. Wer dort nicht auftaucht, verliert. Triponas sieht darin jedoch keinen Widerspruch zu SEO: „KIs greifen weiterhin auf Web-Inhalte zu. Wer strukturierte Inhalte mit Mehrwert bietet, wird auch von der KI gefunden.“ Anders gesagt: Künstliche Intelligenz ersetzt nicht die Notwendigkeit guter Inhalte – sie verschärft sie.

Fake-SEO hat ausgedient

Was jedoch keine Zukunft hat, ist billiges SEO-Handwerk. „Wer auf Fake-Links, Keyword-Spamming und Content-Müll gesetzt hat, wird von Google und KI-Systemen gleichermaßen ignoriert oder sogar abgestraft“, warnt Triponas. Der Wildwuchs der Vergangenheit wird durch neue Technologien gnadenlos beschnitten.

Gleichzeitig bietet die KI neue Werkzeuge für das Marketing selbst. Škensbergaitė Gedminė sieht großes Potenzial in der Automatisierung von Aufgaben wie Marktforschung, Content-Ideen oder der Analyse von Nutzerverhalten. Doch sie betont auch: „KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz für Strategie.“ Inhalte müssen nach wie vor an Marktbedingungen, Geschäftsziele und Markenidentität angepasst werden – was menschliche Expertise voraussetzt.

Der Wandel ist real – aber die Basis bleibt

Die Verlagerung von der klassischen Suche hin zu KI-gestützten Informationssystemen ist kein vorübergehender Trend – sie ist der Beginn einer neuen Ära. Doch wer glaubt, dass SEO in dieser Welt überflüssig wird, unterschätzt die fundamentale Rolle gut strukturierter, relevanter und auffindbarer Inhalte.

SEO ist keine Modeerscheinung. Es ist das Fundament jeder digitalen Präsenz – auch in der KI-Zukunft. Die Frage ist nicht: Wird SEO verschwinden? Die Frage ist: Werden Sie in der neuen Welt überhaupt noch sichtbar sein?

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Vom Möglichen und Wahrscheinlichen
08.02.2026

Zwischen all den möglichen Zukunftsszenarien – Crash, Boom oder Stillstand – verliert man schnell den Überblick. Doch für Investoren...

DWN
Finanzen
Finanzen Passive Aktienfonds: Diese beliebte Anlageform kann den Aktienmarkt bedrohen
08.02.2026

Passive Aktienfonds dominieren zunehmend die Kapitalströme und könnten damit genau die Preisfindung schwächen, auf der effiziente...

DWN
Finanzen
Finanzen Harvard-Ökonom Furman warnt vor Marktverwerfung: Platzt die KI-Blase, droht eine neue Finanzkrise
08.02.2026

Jason Furman hat im Weißen Haus bereits zwei große Spekulationsblasen aus nächster Nähe erlebt. Nun warnt der Harvard-Ökonom vor...

DWN
Finanzen
Finanzen Walmart-Aktie: Marktkapitalisierung bei über einer Billion Dollar – Umschichtung vom Tech-Sektor
08.02.2026

Die Walmart-Aktie erreicht eine Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar und setzt damit ein Signal an den Aktienmärkten. Welche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Suzuki GSX-8R im Test: Gewinner und Opfer der Plattformökonomie
08.02.2026

Die Suzuki GSX-8R präsentiert sich als zugänglicher, vielseitiger und unkomplizierter Sporttourer. Technisch eng verwandt mit der V-Strom...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Top-Ökonom warnt: Wie die US-Außenpolitik Europas Wirtschaft belastet
07.02.2026

Die Europäische Union steht unter geopolitischem Druck, während wirtschaftliche Unsicherheit und geldpolitische Erwartungen neu justiert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geldanlage: Diese US-Aktien sollten Sie jetzt besitzen
07.02.2026

Ein wichtiger Sektor der US-Wirtschaft sorgt derzeit für überraschend starke Ergebnisse – trotz geopolitischer Risiken und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Datenhunger der Finanzämter: Wann Unternehmen E-Mails herausgeben müssen – und wann nicht
07.02.2026

Der Bundesfinanzhof hat Unternehmen im Streit um steuerrelevante E-Mails den Rücken gestärkt. Zwar bleibt die Pflicht zur Vorlage...