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Stromanbieterwechsel 2025: Neue Fristen ab 6. Juni – wichtige Tipps

Ein Stromanbieterwechsel soll ab dem 6. Juni deutlich schneller gehen – das klingt gut, hat aber Tücken. Welche Chancen und Risiken bringt die neue Regelung für Verbraucherinnen und Verbraucher? Wir haben Antworten, Tipps und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Stromanbieterwechsel.
05.06.2025 18:57
Lesezeit: 3 min
Stromanbieterwechsel 2025: Neue Fristen ab 6. Juni – wichtige Tipps
Der Stecker einer Mehrfachsteckleiste liegt auf Euro-Geldscheinen und Münzen - der Stromanbieterwechsel ist nun leichter möglich (Foto: dpa). Foto: Jens Büttner

Stromanbieterwechsel: Neue Regelung startet am 6. Juni

Schon bald wird es für Stromkunden deutlich unkomplizierter, ihren Stromanbieter zu wechseln. Ab Juni gelten neue Vorgaben, die Vorteile bringen – aber auch Risiken bergen.

Was sich durch das geänderte Energiewirtschaftsgesetz verändert

Das Energiewirtschaftsgesetz wird angepasst und vereinfacht künftig den Stromanbieterwechsel. Kunden können dann schneller den Stromversorger wechseln. Welche konkreten Änderungen gelten? Hier ein Überblick.

Was bedeutet die neue Regelung für den Stromanbieterwechsel konkret?

Ab dem 6. Juni 2025 muss laut Gesetz ein Stromanbieterwechsel an Werktagen – also Montag bis Samstag – innerhalb eines Tages abgeschlossen sein. Wer also wegen besserer Konditionen von Anbieter A zu Anbieter B wechselt, darf damit rechnen, künftig zügiger beliefert zu werden. Bislang konnte der Stromanbieterwechsel bis zu drei Wochen dauern, durchschnittlich nahm der Prozess laut Bundesnetzagentur 7 bis 10 Tage in Anspruch.

Allerdings ist laut Verbraucherzentrale Niedersachsen Voraussetzung, dass ein solcher Stromanbieterwechsel überhaupt vertraglich zulässig ist. Wenn der Vertrag mit Anbieter A noch läuft, ist ein sofortiger Wechsel nicht möglich.

Warum wurde das Energiewirtschaftsgesetz überhaupt angepasst?

Hintergrund der Neuerung ist eine EU-Vorgabe, die bis spätestens 1. Januar 2026 in Kraft treten muss. Deutschland setzt sie frühzeitig um. Laut Bundesnetzagentur soll so der Stromanbieterwechsel organisatorisch rechtzeitig "massengeschäftstauglich" gemacht werden.

Das Ziel der EU-Richtlinie ist laut Verbraucherzentrale Niedersachsen klar: Der Wettbewerb soll gestärkt werden – auch durch schnellere Stromanbieterwechsel.

Welche positiven Effekte gibt es beim Stromanbieterwechsel für Verbraucherinnen und Verbraucher?

Bisher war es oft so, dass der Vertrag mit dem alten Stromanbieter schon gekündigt war, der neue Anbieter jedoch noch nicht einsprang, so Elisabeth Aßmann von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Viele landeten in dieser Zeit in der teureren Grund- oder Ersatzversorgung.

Diese Übergangszeit bedeutete höhere Kosten, da sowohl Grund- als auch Arbeitspreis in der Grundversorgung höher ausfallen. "Durch den schnelleren Wechsel werden Überbrückungszeiträume in der Grund- und Ersatzversorgung minimiert", so Aßmann.

Welche Nachteile entstehen durch die neue Regelung beim Stromanbieterwechsel?

Ein Stromanbieterwechsel mit rückwirkendem Datum ist ab dem 6. Juni nicht mehr erlaubt. Das erschwert den Ablauf bei einem Umzug, bei dem bislang Zähler und Verbrauch bis zu sechs Wochen rückwirkend angepasst werden konnten.

Ab dem genannten Datum sind An- und Abmeldung nur noch für zukünftige Termine möglich. Wer also zu spät kündigt oder sich nicht rechtzeitig ummeldet, muss sich mit dem Nachmieter über die Kostenaufteilung einigen.

Zudem warnt Elisabeth Aßmann vor schnellen Abschlüssen: "Wenn der Lieferantenwechsel ab Juni an Werktagen innerhalb von 24 Stunden vollzogen sein muss", könne ein ungewollter Vertrag "schneller wirksam" werden. Ein Widerruf ist weiterhin binnen 14 Tagen möglich.

Worauf achten beim Stromanbieterwechsel?

Die bisher relevante Zählernummer verliert an Bedeutung. Zunehmend wichtiger wird die sogenannte Marktlokations-Identifikationsnummer (MaLo-ID), informiert die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Diese elfstellige Nummer findet sich auf der Stromrechnung und wird vom neuen Anbieter B benötigt, um beim bisherigen Anbieter A den Stromanbieterwechsel korrekt durchzuführen.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät deshalb, die MaLo-ID nicht unbedacht an andere weiterzugeben, um Missbrauch zu vermeiden. Wer den Stromversorger wechseln möchte, sollte bei der Weitergabe solcher Daten besonders achtsam sein.

Stromanbieterwechsel Schritt für Schritt: So gehen Sie jetzt richtig vor

Ein Stromanbieterwechsel ist ab dem 6. Juni 2025 schneller möglich als je zuvor – doch ein zügiger Wechsel will gut vorbereitet sein. Denn wer vorschnell unterschreibt oder wichtige Informationen vergisst, riskiert unerwünschte Folgen wie doppelte Kosten, teure Ersatzversorgung oder Missbrauch sensibler Daten.

Damit Sie optimal von der neuen Regelung profitieren und Fallstricke vermeiden, finden Sie hier eine praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung sowie eine kompakte Übersicht zum Abhaken. So gelingt der Wechsel sicher und sorgenfrei.

1. Bestehenden Vertrag sorgfältig prüfen

Bevor Sie den Stromversorger wechseln, verschaffen Sie sich einen klaren Überblick über Ihren aktuellen Vertrag. Prüfen Sie insbesondere:

  • Laufzeit und Kündigungsfristen: Nur wenn Sie nicht mehr an einen Vertrag gebunden sind, ist ein sofortiger Stromanbieterwechsel möglich.
  • Konditionen und Preisstruktur: Vergleichen Sie Arbeitspreis, Grundpreis sowie eventuelle Boni – das schafft die Grundlage für einen sinnvollen Vergleich.
  • Zahlungsmodalitäten und Vertragsbindung: Achten Sie auf automatische Verlängerungen oder versteckte Kosten bei verpasster Kündigung.

2. Den eigenen Stromverbrauch kennen

Ein realistisches Bild Ihres Stromverbrauchs – am besten auf Basis der letzten Abrechnung – hilft, passende Tarife zu finden. Besonders Haushalte mit hohem Jahresverbrauch können durch gezielten Vergleich viel einsparen.

3. Geeignete Tarife finden und vergleichen

Nutzen Sie bekannte Vergleichsportale, aber verlassen Sie sich nicht nur auf den erstbesten Treffer. Achten Sie auf:

  • Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist: Kurzfristige Tarife mit monatlicher Kündbarkeit bieten mehr Flexibilität beim Stromanbieterwechsel.
  • Preisgarantien und Neukundenboni: Diese können lohnenswert sein, sind aber oft zeitlich begrenzt.
  • Bewertungen und Seriosität des Anbieters: Ein Blick auf Erfahrungen anderer Kunden schützt vor unseriösen Versorgern.

4. Alle benötigten Daten bereithalten

Der neue Anbieter benötigt neben Ihrem Namen und Ihrer Anschrift insbesondere:

  • Ihre Marktlokations-Identifikationsnummer (MaLo-ID) – sie steht auf der Stromrechnung und ist künftig wichtiger als die Zählernummer.
  • Ihren aktuellen Zählerstand – dieser dient als Grundlage für die Abrechnung mit dem alten Anbieter.

Geben Sie diese sensiblen Daten nur weiter, wenn Sie den Anbieter zweifelsfrei identifizieren können. Gerade bei Telefonanrufen oder Haustürangeboten gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Kurz und knapp: Die wichtigsten Schritte zum erfolgreichen Stromanbieterwechsel

  1. Bestehenden Vertrag prüfen: Fristen, Laufzeiten, Konditionen
  2. Stromverbrauch aus Vorjahr ermitteln
  3. Seriöse Anbieter und Tarife vergleichen
  4. MaLo-ID, Zählernummer und Zählerstand bereitlegen
  5. Bei Haustür- oder Telefonangeboten Widerrufsrecht beachten
  6. Online oder schriftlich den Anbieterwechsel beauftragen
  7. Bestätigung abwarten – fertig!

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