Politik

Pakt der Giganten: Haben China und die USA ihren Handelskrieg vertagt – oder nur vertuscht?

China und die USA geben sich versöhnlich – doch hinter dem neuen Rahmenabkommen lauert das alte Misstrauen. Droht der nächste Schlagabtausch, sobald die Kameras aus sind?
11.06.2025 11:52
Aktualisiert: 11.06.2025 12:22
Lesezeit: 2 min
Pakt der Giganten: Haben China und die USA ihren Handelskrieg vertagt – oder nur vertuscht?
US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer (l.) und US-Finanzminister Scott Bessent nach zweitägigen Gesprächen im vergangenen Mai. (Foto: dpa) Foto: Jean-Christophe Bott

Rückgriff auf Genfer Vereinbarung – aber mit brüchiger Basis

Das Handelskriegsrisiko zwischen den Vereinigten Staaten und China scheint sich abzuschwächen: Die Unterhändler beider Länder haben eine vorläufige Einigung über ein Rahmenabkommen erzielt, das darauf abzielt, die Handelskonflikte zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt zu mildern. Das berichtet Dagens Industri.

Das Rahmenwerk baut auf dem im Mai in Genf geschlossenen Abkommen auf, das in den vergangenen Wochen jedoch teilweise ins Wanken geraten war.

„Wir haben einen Rahmen geschaffen, um das Genfer Abkommen umzusetzen“, erklärte US-Handelsminister Howard Lutnick auf einer Pressekonferenz in London.

Der neue Plan soll nun US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping zur endgültigen Genehmigung vorgelegt werden.

Seltenerdmetalle als strategisches Faustpfand

Die Gespräche in London erfolgten auf Initiative der Trump-Regierung, nachdem China beim Genfer Treffen im vergangenen Monat zugesagt hatte, den Export seltener Erden zu erleichtern – Rohstoffe, die für die Produktion von Mobiltelefonen ebenso unerlässlich sind wie für militärische Technologien.

Im Anschluss an das Genfer Treffen hatte die US-Regierung beschlossen, die hohen Sonderzölle gegen China für 90 Tage auszusetzen. Da jedoch chinesische Lieferungen seltener Erden ausblieben, wuchs die Sorge über eine mögliche Eskalation der Spannungen.

Neue Vorwürfe aus Peking: USA verletzen Abkommen

Peking wiederum warf Washington vor, das Genfer Abkommen verletzt zu haben: durch neue globale Warnungen zur Nutzung von Huawei-Chips, den Verkaufsstopp von Software zur Chip-Entwicklung an chinesische Unternehmen sowie durch die Annullierung von Visa für chinesische Studierende.

Greer: Rahmenwerk enthält Durchsetzungsmechanismen

US-Vertreter – darunter Handelsbeauftragter Jamieson Greer – betonten, dass das Rahmenwerk auch Maßnahmen zur Sicherstellung der Umsetzung der Vereinbarungen enthalte.

„Wir gehen fest davon aus, dass Fragen rund um die Lieferung seltener Erden und Magneten durch den neuen Plan gelöst werden“, so Greer in London.

Li Chenggang, chinesischer Vizeminister für Handel und Chefunterhändler, bestätigte, dass der Vorschlag nun beiden Staatschefs zur Genehmigung vorgelegt und anschließend umgesetzt werden solle.

Die Gespräche fanden nur wenige Tage nach dem ersten direkten Telefonat zwischen Donald Trump und Xi Jinping seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Januar statt.

Eskalation mit System: Beide Seiten erhöhen den Druck

In den vergangenen Monaten hatten beide Länder eine Reihe gegenseitiger wirtschaftlicher Gegenmaßnahmen ergriffen. Neben den bereits erwähnten Strafzöllen verschärften die USA ihre Exportbeschränkungen – insbesondere im Bereich der Halbleitertechnologie. China seinerseits drosselte den Export seltener Erden.

Signal der Deeskalation – oder nur eine Pause?

Die neue Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt zur Deeskalation der wirtschaftlichen Spannungen zwischen Washington und Peking.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Schlüsselindustrie pessimistisch: Stimmung im Maschinenbau verschlechtert sich
17.12.2025

Vierte Negativprognose in Folge: Zunehmender Kostendruck, teure Rohstoffe und schwache Nachfrage. Mehr als die Hälfte der deutschen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Zinsentscheid: Steht Europas Geldpolitik vor einem Kurswechsel?
17.12.2025

Die Geldpolitik in Europa gerät in Bewegung, während sich die Signale der Europäischen Zentralbank spürbar verändern. Deutet der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VW-Aktie im Fokus: Was die Werksschließung bei Volkswagen für die Autoindustrie bedeutet
16.12.2025

Ein symbolträchtiger Standort der deutschen Autoindustrie schließt seine Tore und rückt die VW-Aktie erneut in den Fokus von Anlegern...

DWN
Politik
Politik Teure Mieten, hohe Steuern, weniger Kinder: Auswanderungen aus Deutschland weiterhin auf hohem Niveau
16.12.2025

Nach wie vor wandern sehr viele Menschen aus Deutschland aus, gleichzeitig bekommen Deutsche immer weniger Kinder: Eine fatale Entwicklung...

DWN
Politik
Politik Umfrage: Spätere Rente für Akademiker spaltet die Deutschen
16.12.2025

Sollte das Renteneintrittsalter an die Zahl der Beitragsjahre gekoppelt sein? Die Bürger sind sich darin nicht einig. Deutsche mit Abitur...

DWN
Politik
Politik CDU-Vorsitz: Einstimmiges Votum aus NRW - Merz soll CDU-Chef bleiben
16.12.2025

Friedrich Merz erhält einstimmige Unterstützung aus NRW für eine weitere Amtszeit als CDU-Bundesvorsitzender. Der Vorschlag kommt von...

DWN
Politik
Politik Anschlag geplant? Terrorverdächtiger in Magdeburg reiste legal ein
16.12.2025

Mit Visum kam er nach Deutschland, dann informierte er sich über Waffen und glorifizierte Anschläge. Zu dem 21-jährigen Mann in...

DWN
Politik
Politik Sudan führt auch 2026 Krisenliste von Hilfsorganisation an
16.12.2025

Die Hilfsorganisation IRC erstellt jeden Dezember eine Liste von Krisenstaaten, die im Folgejahr zu beachten sind. Der Sudan steht im...