Wirtschaft

Strompreise: Deutschland hat die fünfthöchsten der Welt

Strom in Deutschland ist immer noch sehr teuer. Mit durchschnittlich 38 Cent pro Kilowattstunde rangieren die deutschen Strompreise weltweit auf Platz fünf, wie eine neue Preisanalyse von Verivox und Global Petrol Prices nun ergab. Die neue Bundesregierung will Entlastungen realisieren und auch durch einen geschickten Anbieterwechsel lässt sich viel Geld sparen.
26.06.2025 05:49
Lesezeit: 4 min

Die Strompreise in Deutschland gehören zu den teuersten der Welt. Wie eine neue Analyse des Vergleichsportals Verivox mit Daten des Energiedienstes Global Petrol Prices nun zeigt, liegen nur drei weitere EU-Länder und eine Inselgruppe im Atlantik noch darüber. Die Preisanalyse, bei der 143 Länder verglichen wurden, zeigt, dass die Deutschen mit durchschnittlich 38 Cent pro Kilowattstunde im internationalen Ranking auf Platz fünf liegen.

Am teuersten ist der Strom im Inselstaat Bermuda, mit durchschnittlich 41,97 Cent in Euro. Dies ergibt sich aus dem Umstand, dass die Inselgruppe praktisch keinen Strom importieren kann und diesen mit Diesel- und Gaskraftwerken erzeugen muss. Teurer als in Deutschland ist der Strom auch in den EU-Ländern Belgien, Irland und Dänemark. Den günstigsten Strom gab es – zumindest bis zum Ausbruch des Krieges – im Iran, mit 0,35 Cent je kWh in Iran – gefolgt von Äthiopien und Sudan. Generell sind die Strompreisvergleiche in absoluten Werten jedoch problematisch, da auch die Kaufkraft der Bürger in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich ist.

Anstieg des Strompreises in Deutschland um 19 Prozent

Im Jahr 2021 hatte Deutschland mit damals noch 31,80 Cent kWh die weltweit höchsten Strompreise. Seitdem ist der deutsche Strompreis um 19 Prozent gestiegen. Damit ist er zumindest im weltweiten Vergleich weniger stark gestiegen als durchschnittlich in anderen Ländern. Laut der Analyse lag der weltweite Anstieg der Preise im Vergleichszeitraum bei 29 Prozent, bei den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern der G20-Gruppe, lag der Anstieg bei durchschnittlich 26 Prozent. Berücksichtigt man die Kaufkraft, rutscht Deutschland im weltweiten Vergleich dann auf Platz 22 ab. Kaufkraftbereinigt ist bei den G20-Ländern jedoch nur in Italien der Strom noch teurer als in Deutschland.

Strom in Deutschland doppelt so teuer wie im weltweiten Durchschnitt

Deutschland bleibt also ein Hochpreisland beim Strom - Im weltweiten Durchschnitt kostet Strom nach der Analyse mit 15 Cent je kWh weniger als die Hälfte.

Durch die Kaufkraftbereinigung bezahlen Verbraucher in Deutschland sogar 11 Prozent mehr für die Kilowattstunde als in Dänemark, obwohl der nominale Preis 7 Prozent darunter liegt. Besonders deutlich werden die hohen Strompreise in Deutschland beim kaufkraftbereinigten Vergleich mit weiteren Ländern, die einen vergleichbaren Lebensstandard haben. In vielen Ländern mit ebenfalls hohem Lebensstandard, wie beispielsweise die USA, Kanada, Finnland und Norwegen ist der Strom mindestens um die Hälfte günstiger als in Deutschland.

Verschiedene Faktoren treiben den deutschen Strompreis nach oben

Wie Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, erklärte, gehört Deutschland insbesondere durch die hohen Netzentgelte, Steuern und Umlagen zu den teuersten Strom-Ländern der Welt. Diese staatlich veranlassten Komponenten machen hierzulande fast ein Drittel des Strompreises aus. Außerdem treibt auch der Stromgroßhandel den Preis, bei dem Stadtwerke ihren Strom beziehen, da hier der Strompreis oft von den Gaswerken bestimmt wird. Dies springen immer dann ein, wenn erneuerbare Energien nicht ausreichend Strom liefern können. Dann werden eben hohe Gaspreise sowie auch die steigenden CO2-Kosten fällig und treiben den Strompreis nach oben.

Bundesregierung will Verbraucher beim Strompreis entlasten

Die neue Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag eine Entlastung der Haushalte und Unternehmen beim Strompreis versprochen. Wie es in dem Papier heißt, soll der Strompreis für alle Verbraucher "dauerhaft um mindestens fünf Cent pro kWh" gesenkt werden. Die Koalitionspartner wollen dafür die Stromsteuer und die Umlagen senken und die Netzentgelte deckeln. Bis zum 11. Juli 2025 will die Merz-Regierung dafür ein Programm zur Senkung der Strompreise für alle Verbraucher vorlegen.

Laut Aussagen von Gitta Connemann, parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, muss die Stromsteuer auf den europäischen Mindestwert reduziert werden. Dieser beträgt aktuell 0,05 Cent pro Kilowattstunde, die deutschen privaten Verbraucher zahlen hingegen derzeit 2,05 Cent/kWh. Zusätzlich werden Umlagen, wie die Offshore-Netzumlage und die KWK-Umlage, mit etwa 2,5 Cent/kWh fällig.

Auch die Netzentgelte sollen nach den Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag halbiert werden. Dies würde eine weitere signifikante Entlastung der Verbraucher bedeuten, die für den Staat jedoch erhebliche Mehrkosten bedeutet.

Wie das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) schätzt, würde die Entlastung aus der Stromsteuer zusammen mit der Halbierung der Netzentgelte eine Stromsteuerentlastung von ca. 145 Euro für eine vierköpfige Familie bedeuten.

IW sieht Strompreispaket nur als kurzfristige Lösung

Das IW betont im Zusammenhang mit den Strompreismaßnahmen jedoch, dies als langfristige Strategie zu begreifen. Durch die geplanten Maßnahmen komme es lediglich zu einer Kostenverschiebung von den Verbrauchern in den Bundeshaushalt. Um die Preise langfristig niedrig zu halten, ohne sie zu subventionieren, sei insbesondere eine Erweiterung und ein Umbau des Stromnetzes notwendig. Wichtig seine dabei ein bedarfsorientierter Ausbau der erneuerbaren Energien, der Speicher und Netze sowie der Ausbau regelbarer Kraftwerke.

Steigende CO2-Preise machen Verbrauchern Sorgen

Die Deutschen fühlen sich durch die hohen Energiepreise belastet, wie eine weitere Umfrage von Verivox ergab. Auch treibt die Menschen die Sorge um die steigenden CO2-Preise, was nach Thorsten Storck auch berechtigt ist für alle, die noch auf fossile Brennstoffe zur Energieversorgung angewiesen sind. Aktuell wird der CO2-Preis noch jährlich vom Staat festgesetzt und beträgt aktuell 55 Euro für die Tonne CO2. Ab dem Jahr 2027 soll sich dann dieser Preis am Markt frei bilden und von vielen Experten werden dann CO2-Preise von bis zu 100 Euro pro Tonne erwartet. Das schlägt dann auch auf die Gaspreise durch, die von den Gaswerken für die Stromerzeugung verlangt werden müssen.

Anbieterwechsel bei Stromerzeugern kann beachtliche Einsparungen bringen

Auch unabhängig von den Plänen der Bundesregierung zur Strompreissenkung haben Verbraucher die Möglichkeit, durch einen Anbieterwechsel beim Strom erheblich Geld zu sparen. Dies geht insbesondere dann, wenn sie aus der teuren Grundversorgung in günstige Tarife anderer Anbieter wechseln. Günstige Angebote beginnen bei etwa 26 Cent je kWh.

Verbraucherschützer empfehlen, beim Wechsel des Stromanbieters auf Vertragslaufzeit, Kündigungsfristen, Preisgarantie und eventuelle Boni zu achten. Eine kurze Vertragslaufzeit (12 Monate) und eine kurze Kündigungsfrist (maximal 4 Wochen) bieten mehr Flexibilität. Eine Preisgarantie schützt vor Preiserhöhungen, während Boni den Wechsel attraktiver machen können.

Zudem sollte man Vorauszahlungen und Festpreisangebote vermeiden und auf eine transparente Preisgestaltung achten. Auch sollten Verbraucher beim Wechsel skeptisch sein bei Angeboten mit extrem niedrigen Strompreisen, die eventuell nicht kostendeckend kalkuliert sind.

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