Wirtschaft

Russlands Blacklist: McDonald’s darf zurück, Pfizer wird verbannt

Russland zieht die Daumenschrauben an: Der Kreml teilt westliche Konzerne in „Freunde“ und „Feinde“. Während McDonald’s eine Rückkehrchance bekommt, steht Pfizer auf der Kreml-Blacklist – Putins Farbliste entscheidet über Milliardenmärkte und politische Loyalität.
27.07.2025 14:11
Lesezeit: 3 min

Kreml-Blacklist: Putins Farbkodierung entscheidet, wer willkommen ist – und wer nie zurückkehren darf

Das Russische Zentrum für Strategische Studien (STC) hat die Aktivitäten von mehr als 1.645 in Russland tätigen ausländischen Unternehmen untersucht und drei Listen erstellt – rot, gelb und grün. Die Firmen wurden je nach Art ihres Rückzugs aus dem Land, das die Ukraine angegriffen hat, eingestuft. Dies soll darüber entscheiden, wer zurückkehren darf und wer nicht. In die „rote“ Kategorie wurden u. a. Unternehmen aufgenommen, die angeblich „Feindseligkeit gezeigt“ haben – 23 Prozent. Dazu zählen etwa „Amazon“ und „PayPal“. Nach Ansicht des STC sollte ihnen die Rückkehr auf den russischen Markt komplett untersagt werden. Es gibt auch Sonderkategorien, die in kirschrot und weiß gekennzeichnet sind, so rbc.ru. Das berichtet das Wirtschaftsportal Verslo žinios.

Kirschrot – diesen Status erhielten Firmen „mit beschädigtem Ruf, die zu Sabotage und feindlichen Aktionen neigen“ (4,3 Prozent aller ausländischen Unternehmen). Dem US-Pharmariesen „Pfizer“, der trotz Krieg die Medikamentenlieferungen nach Russland nie unterbrach, soll zusammen mit 22 weiteren internationalen Konzernen ein völliges Arbeitsverbot im Aggressorland auferlegt werden. Doch „Pfizer“ zeigt Unverständnis für diese Entscheidung und widerspricht dem STC. „Die Pharmafirma ‚Pfizer‘ hat ihre Tätigkeit in Russland nicht eingestellt und setzt sie fort – ungeachtet aller Umstände. Wir liefern das ganze Jahr über ununterbrochen Medikamente an Patienten in Russland“, teilt die Pressestelle mit. Das STC nennt auch das australische Designunternehmen „Canva“, das Russland scharf verurteilte und seit dem 1. Juni 2022 den Zugang zur Plattform für russische Nutzer vollständig blockiert. Das Unternehmen bezeichnete den Krieg als „illegal“ und spendete 1 Mio. USD zur Unterstützung der Ukraine. „Neben finanzieller Hilfe nutzte ‚Canva‘ seine Plattform, um antirussische Botschaften zu verbreiten“, merkt das STC an.

Gelbe Liste: Hier landen Firmen, die laut STC nicht ausreichend verantwortungsvoll gehandelt haben, obwohl sie keine offene Feindseligkeit zeigten. Dazu gehören „H&M“, „Dell“, „Ubisoft“ und IKEA – 36 Prozent. Ihre Tätigkeit in Russland soll eingeschränkt werden. „IKEA ist etwa auf der gelben Liste. Hauptgrund für den Rückzug waren wirtschaftliche Aspekte. Das Unternehmen äußerte große Sorge über die humanitäre Katastrophe und stellte am 3. März 2022 den Betrieb in Russland und Belarus ein, mit Hinweis darauf, dass der Krieg verheerend wirkt, Mitarbeiter gefährdet und Lieferketten stört“, erklärt das STC. Obwohl der Stopp 15.000 Mitarbeiter traf, sicherte IKEA eine Zeit lang Einkommen zu und verkaufte später das Geschäft.

Grüne Unternehmen zogen sich „verantwortungsvoll“ zurück und können zurückkehren, „wenn der Bedarf im Sektor besteht“. Dazu zählen „Airbnb“, „Nestlé“, „McDonald’s“, „Michelin“ und „Apple“. Separat wurden „weiße“ Marken hervorgehoben, etwa „Ericsson“, „Marriott“ und „Decathlon“, die sich „korrekt und verantwortungsvoll“ zurückzogen – 2 Prozent von mehr als 1.600. „Ein Beispiel aus der hellsten Liste: ‚Marriott International‘ kündigte am 3. Juni 2022 nach 25 Jahren auf dem russischen Markt den kompletten Rückzug an. Das Unternehmen schloss sein Büro in Moskau, stoppte Investitionen und neue Projekte. Der Schritt folgte US-, UK- und EU-Sanktionen, die eine Fortsetzung der Tätigkeit unmöglich machten“, schreibt das STC. Zudem habe „Marriott“ 1 Mio. USD Hilfe für Mitarbeiter in Russland und der Ukraine bereitgestellt, beim Umzug unterstützt, Essensgutscheine, Transport und medizinische Hilfe gewährt. Später verschwand die Marke „Marriott“ – Hotels wurden umbenannt. So wurde „The Ritz-Carlton Moscow“ zu „The Carlton Moscow“.

Blacklist und Whitelist: Auf Putins Befehl

Laut STC-Website ist diese „Farbpalette“ nur eine Empfehlung für Verhandlungen oder Entscheidungen. „Als Expertenorganisation geben wir nur Empfehlungen. Gleichzeitig lassen wir ausländischen Firmen das Recht, ihre Einstufung anzufechten – jedoch nur mit offiziellen Nachweisen“, so das STC. Die Datensammlung erfolgte mit einem ausländischen KI-Dienst. Informationen stammten von Unternehmenswebseiten, Medien, Berichten sowie ukrainischen Organisationen, die den Rückzug aus Russland dokumentieren.

Im März 2025 wies Präsident Wladimir Putin die Regierung an, Regeln für die Rückkehr westlicher Marken auszuarbeiten, die das Land wegen des Krieges verlassen hatten. Er betonte, manche Firmen hätten ihr Geschäft mit Rückkaufsoption verkauft, sollten jedoch nicht erwarten, es zum alten Preis zurückzuerhalten. Zudem müsse die Rückkehrregelung „so klar wie möglich“ sein. Die Debatte über eine mögliche Rückkehr westlicher Marken begann nach Gesprächen zwischen Moskau und Washington am 18. Februar in Riad. Später erklärte Vizepremier Denis Manturov, Russland werde nur jene Unternehmen zurück auf den Markt lassen, „an denen es selbst interessiert ist“.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Trotz der Preisschwankungen von XRP haben Nutzer auf XRP-Staking-Plattformen über 9.000 US-Dollar pro Tag verdient.

Mit Blick auf das Jahr 2026 zeigen die Kursentwicklung und die Marktstruktur von XRP positive Veränderungen im Kryptowährungsmarkt....

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik WEF 2026 Davos: Grönland, Zölle, Machtpoker – Europas Kurs zwischen Diplomatie und Härte
20.01.2026

Beim Weltwirtschaftsforum (WEF) 2026 in Davos wollen Europas Spitzenpolitiker noch vor Trumps Auftritt Akzente setzen. Zwischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch: Gelbes Edelmetall erstmals über 4.700 US-Dollar – Silberpreis ebenfalls mit Allzeithoch
20.01.2026

Ein neues Goldpreis-Rekordhoch: Das gelbe Edelmetall durchbricht eine historische Marke nach der anderen, der Silberpreis zieht mit....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Zölle belasten eigene Wirtschaft: 96 Prozent Selbstschaden
20.01.2026

Strafzölle der USA belasten nicht vor allem ausländische Exporteure, sondern die heimische Wirtschaft selbst. Das zeigt eine neue Analyse...

DWN
Politik
Politik EU will technologische Unabhängigkeit: Plan oder Illusion?
20.01.2026

Europa will unabhängiger von Technologien aus den USA und China werden – mit einer neuen Strategie für offene digitale Ökosysteme....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft „Ein Albtraum für den Handel“: EU kontert Trumps Strafzoll-Drohungen
19.01.2026

Donald Trump will mit Strafzöllen Druck auf Europa ausüben – doch kann er sich dabei überhaupt einzelne EU-Staaten herauspicken?...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie fällt kräftig: Was sind die Gründe – und ist das die Chance zum Einstieg?
19.01.2026

Die Novo Nordisk-Aktie startet nach einer starken Aufwärtsrally überraschend schwächer in die neue Börsenwoche. Hinter dem Rücksetzer...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Anleihemarkt in Alarmbereitschaft: Aus Sicht eines Top-Ökonoms wächst das Risiko für Investoren
19.01.2026

Ein dänischer Star-Ökonom schlägt in den USA Alarm: Die Mischung aus aggressiver Finanzpolitik, politischem Druck auf die Notenbank und...

DWN
Finanzen
Finanzen Experten an den US-Börsen: Goldpreis zu hoch – weg aus den USA, kaufen Sie diese Aktien
19.01.2026

Geopolitische Schocks, politische Unberechenbarkeit und dennoch: Die Börsen laufen weiter. Während Gold auf Rekordniveau polarisiert,...