Wirtschaft

Velux warnt EU: Wer beim Klimaziel wankt, gefährdet unser Geschäft – und das Klima

149 Konzerne – von Google bis Velux – fordern die EU auf, das 90-Prozent-Klimaziel bis 2040 nicht zu verwässern. Ein Rückzug würde nicht nur den Klimaschutz bremsen, sondern auch milliardenschwere Geschäftsmodelle gefährden.
15.08.2025 05:41
Aktualisiert: 15.08.2025 06:01
Lesezeit: 2 min
Velux warnt EU: Wer beim Klimaziel wankt, gefährdet unser Geschäft – und das Klima
CO₂-Emissionen: Streit um Europas Klimaziele spaltet Politik und Wirtschaft. (Foto: picture alliance / Uwe Anspach/dpa | Uwe Anspach) Foto: Uwe Anspach

Unternehmen drängen Brüssel zu härterem Kurs trotz Widerstand aus den Mitgliedsstaaten

Eine große Zahl von Unternehmenschefs und Investoren fordert die EU auf, an einem ehrgeizigen Klimakurs festzuhalten. Bei Velux warnt Nachhaltigkeitschef Fleming Voetmann, ein Aufweichen der Vorgaben könne Folgen für das Geschäft haben. Das berichtet das Wirtschaftsportal Børsen.

Es gebe einen guten Grund, warum Voetmann gemeinsam mit 149 anderen Unternehmen ein Schreiben unterzeichnet hat. „Das hier ist kritisch für unser Geschäft. Vielleicht nicht kurzfristig, aber in fernerer Zukunft. Und wir arbeiten auf lange Sicht“, sagt er. Im Sommer hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, die Emissionen bis 2040 um 90 Prozent zu senken. Mehrere Mitgliedstaaten stellten sich dagegen, aus Sorge vor hohen Kosten und sinkender Wettbewerbsfähigkeit. Teile der europäischen Wirtschaft sehen es anders. Schon bevor die Kommission ihren Vorschlag offiziell vorlegte, hatten 150 Unternehmen und Investoren einen Brief an die Politik verfasst – mit der Aufforderung, am hohen Ziel festzuhalten. „Ein solches Ziel gibt uns eine klare Richtung, um unsere Anstrengungen und Investitionen in den Übergang zu nachhaltigeren Geschäftsmodellen zu verstärken und unsere Emissionen schneller zu senken. Letztlich ist Klimarisiko auch ein wirtschaftliches und finanzielles Risiko“, heißt es in dem Schreiben, das unter anderem von Google, Coca-Cola, Rockwool, Vattenfall und dem dänischen Fensterhersteller Velux unterzeichnet wurde.

Veränderungen anstoßen

Ein ehrgeiziges Ziel sei entscheidend, um Kunden und Lieferanten schneller in ihrer Klimatransformation voranzubringen, so Voetmann. „Klar ist: Ein 90-Prozent-Ziel wird einige Veränderungen vorantreiben, die nicht von selbst kommen“, sagt er. „Es ist ehrgeizig genug, dass die Leute einen Gang hochschalten und genauer nachdenken müssen.“ Für Velux geht es auch darum, dass das Unternehmen ein großes ungenutztes Potenzial in der energetischen Sanierung von Gebäuden sieht – ein Potenzial, das bei einem hohen EU-Ziel realisiert werden könnte. Das würde die Nachfrage nach Velux-Produkten steigern, erwartet Voetmann. Zudem hat der Konzern noch große Aufgaben in seiner Wertschöpfungskette: Glas, Stahl und Aluminium – alles stark CO₂-intensive Materialien – werden in großen Mengen benötigt. Ein hohes Ziel sei nötig, um die Lieferanten zu einer Umstellung zu bewegen und ihnen Sicherheit für neue Lösungen zu geben. „Ohne Druck, aber auch ohne eine positive Anreizstruktur für unsere Lieferanten, erreichen wir das Ziel einfach nicht“, so Voetmann. Ein abgeschwächtes Klimaziel in der EU würde Velux’ Geschäft am Ende kleiner machen, als es hätte werden können. „Es ist gut, weil es dem Klima hilft. Aber egoistisch gesehen wäre es auch gut für unser Geschäft“, sagt er.

Uneinigkeit zwischen den Staaten

Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Dänemark den EU-Ratsvorsitz übernommen hat. Damit führt der dänische Klima- und Energieminister Lars Aagaard die Verhandlungen über das Klimaziel. Er hofft, im September eine Einigung zu erzielen, räumt aber ein, dass dies schwierig wird, weil nicht alle Länder gleich begeistert sind. „Jede Präsidentschaft muss mit den Karten spielen, die sie bekommt. Und wir haben ein sehr, sehr kompliziertes Blatt erhalten“, sagte Aagaard im Juni. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat etwa vorgeschlagen, die Entscheidung zu verschieben. Die Kommission hat versucht, das Ziel etwas aufzuweichen, indem sie Unternehmen maximal drei Prozent Klimakredite bei ihren Reduktionen zugestehen will. Klimakredite gelten als umstrittenes Instrument, mit dem Unternehmen Emissionssenkungen von anderen einkaufen können. Voetmann sieht darin eine absolute Notlösung – für Velux jedoch eventuell notwendig, um die letzten drei Prozentpunkte bis zu null Emissionen in der Wertschöpfungskette bis 2030 zu erreichen. Er hofft auf eine ambitionierte Einigung in den finalen Verhandlungen. „Die EU war historisch eine treibende Kraft in internationalen Klimaverhandlungen. Wenn wir mit etwas weniger Ehrgeizigem auftreten, fürchte ich tatsächlich negative Auswirkungen auf all diese UN-Prozesse“, sagt er.

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