Politik

Deutschland setzt auf Strompreisbremse mit Milliarden-Subventionen

Mit Milliarden-Subventionen will die Bundesregierung die Stromkosten senken. Während Industrie und Landwirtschaft von der Strompreisbremse profitieren, fällt die Entlastung für private Haushalte gering aus. Reicht dieser teure Eingriff, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu retten?
05.09.2025 16:00
Lesezeit: 2 min

Teure Strompreisbremse: Hilft das gegen Deindustrialisierung?

Die deutsche Bundesregierung bereitet milliardenschwere Subventionen zur Senkung der Netzentgelte vor, zudem sollen die Stromsteuern für Industrie, Landwirtschaft und Forstwirtschaft sinken. „Wir senken die Stromkosten für Haushalte und Unternehmen“, erklärte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche gestern, als das Kabinett das Maßnahmenpaket zur Senkung der Energiekosten verabschiedete. Nach Berechnungen der Regierung soll eine Durchschnittsfamilie rund 100 Euro pro Jahr bei den Stromkosten einsparen.

Die Regierung beschloss und leitete zwei neue Gesetze in den Bundestag und den Bundesrat weiter: Das erste senkt die Netzentgelte, das zweite reduziert die Stromsteuer für große Industrieunternehmen sowie für den Agrar- und Forstsektor. Diese Maßnahme soll den Staat jährlich drei Milliarden Euro kosten. Gerade dieser Vorschlag ist umstritten, da Wirtschaftsverbände und Verbraucherorganisationen schon länger die Verlängerung der allgemeinen Steuersenkung gefordert hatten, die die Koalition in der Vergangenheit versprochen hatte.

Gaspreisstütze aus dem Klimafonds

Ab 2026 will die Bundesregierung den Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland jährlich 6,5 Milliarden Euro an Subventionen zahlen, um die Netzentgelte für Haushalte und Industrie zu senken. Mit dem zweiten Gesetz soll die Stromsteuer auf das niedrigste von der EU erlaubte Niveau gesenkt werden. Dieses Steuerprivileg wird jedoch nicht für alle gelten, sondern ausschließlich für die verarbeitende Industrie, Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Beide Gesetze müssen noch vom Bundestag und vom Bundesrat verabschiedet werden – und zwar vor Beginn des Jahres 2026, wenn die neuen Regelungen in Kraft treten sollen.

Neben den Maßnahmen zur Strompreisbremse beschloss die Bundesregierung auch Schritte zur Senkung der Gaskosten. Aus dem Klima- und Transformationsfonds sollen 3,4 Milliarden Euro bereitgestellt werden, um die Kosten für die Gasspeicherung zu reduzieren. Vertreter der Wirtschaftsverbände erklärten nach der Kabinettsentscheidung, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen und langfristige Senkungen der Energiekosten notwendig seien. Die Gewerkschaft IG Metall hatte in der Vergangenheit mehrfach international wettbewerbsfähige Strompreise für die energieintensive Industrie gefordert und darauf hingewiesen, dass tausende Arbeitsplätze in der Stahlbranche gefährdet seien.

Strompreis-Entlastung: Industrie jubelt, Verbraucher gehen leer aus

Mit den Subventionen will die Regierung die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Branchen sichern und die Belastung für Haushalte senken. Besonders für den Stahl-, Chemie- und Maschinenbausektor könnten die Maßnahmen entscheidend sein, um Produktionsverlagerungen ins Ausland zu verhindern. Für Verbraucher bleibt der Effekt mit rund 100 Euro Entlastung pro Jahr begrenzt, signalisiert aber den politischen Willen, die hohen Energiekosten in Deutschland einzudämmen.

Die Bundesregierung setzt auf eine Strompreisbremse durch massive Subventionen und Steuersenkungen. Während Unternehmen der energieintensiven Industrie von den Maßnahmen deutlich profitieren sollen, bleibt die Entlastung für private Haushalte überschaubar. Ob die Milliardenprogramme langfristig ausreichen, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern und Arbeitsplätze in Schlüsselindustrien zu erhalten, ist jedoch offen.

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