DAX-Kurs aktuell mit unklarer Tendenz
Der DAX aktuell könnte sich auch in der neuen Woche mit einer klaren Orientierung schwer tun. "Das Kaufinteresse ist zu gering für neue Rekorde, aber noch zu hoch, um eine echte Herbstkorrektur zu verhindern", kommentierte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Sollten die richtungsweisenden US-Börsen ihre jüngste Rekordjagd fortsetzen, könnte dies auch hierzulande zusätzlichen Halt geben. Für Impulse könnte zudem der Ifo-Geschäftsklimaindex sorgen.
Zuletzt habe sich der DAX aktuell von der Euphorie an der Wall Street anstecken lassen, schrieb Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets. Der Leitindex werde zwar nur mitgezogen, das verhindere aber eine Ausweitung der Korrektur. Der Widerstand bei 23.854 Punkten rücke wieder näher. "Jetzt hängt für den DAX-Kurs vieles davon ab, ob weitere Käufer in den Markt treten", konstatierte Marktbeobachter Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Einige Schnäppchenjäger seien bereits aktiv gewesen.
Börse aktuell nach Fed-Entscheidung - Konjunkturdaten rücken in Fokus
Nach der Zinsentscheidung der Fed ist der jüngste Abverkauf am deutschen Aktienmarkt aus Sicht von Analyst Frank Sohlleder vom Broker Activtrades vorerst beendet. Die US-Notenbank hatte am vergangenen Mittwoch erstmals im laufenden Jahr die Zinsen gesenkt und weitere Schritte in Aussicht gestellt. Mit einem nachhaltigen Sprung über die Marke von 23.800 Zählern würde der DAX aktuell ein klares Kaufsignal senden und weitere Investoren anlocken, ergänzte Sohlleder. Dies könnte eine Initialzündung für eine neue Rally Richtung Rekordhoch sein.
"Nach der Fed-Sitzung ist vor der Fed-Sitzung", stellte Anlagestratege Mark Dowding von RBC BlueBay Asset Management mit Blick nach vorn fest. Der Fokus richte sich wieder auf Konjunkturdaten, die Hinweise über die künftige Geldpolitik der US-Notenbank geben könnten. Bevor in der Folgewoche der nächste Arbeitsmarktbericht veröffentlicht wird, dürfte zunächst die Inflation anhand des PCE-Index am Freitag Beachtung finden. Dieser gilt als bevorzugtes Preismaß der Fed.
DAX-Kurs: Inflation als kritischer Faktor
Entscheidend sei, ob der aktuelle Inflationsanstieg tatsächlich nur vorübergehend sei, so wie es die Fed erwarte, sagte Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck. Neben den durch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump getriebenen Güterpreisen scheine auch der Preistrend der Dienstleistungen wieder nach oben zu drehen. "Sollte die US-Inflation über den Jahreswechsel hinaus steigen, würde das weitere Leitzinssenkungen unwahrscheinlich machen", mahnte Greil.
Neben den Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone und die USA am Dienstag dürfte hierzulande vor allem das Ifo-Geschäftsklima zur Wochenmitte im Mittelpunkt stehen. Nach acht Anstiegen in Folge erwartet Simon Azarbayjani von der Landesbank Hessen-Thüringen einen leichten Rückschlag. Die Zolleinigung zwischen den USA und der Europäischen Union werde teils enttäuscht aufgenommen. Hinzu seien zuletzt Zweifel am deutschen "Herbst der Reformen" gekommen.
Kritik an deutscher Politik
Metzler-Chefvolkswirt Edgar Walk bezeichnete die milliardenschweren Investitionen der Bundesregierung etwa in die Infrastruktur derweil als "buchhalterische Nebelmaschine". Auch Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank warnte vor "Reförmchen", die eine Sonderkonjunktur wie im ersten Halbjahr unwahrscheinlich machen würden. Die deutschen Zykliker könnten aber von der weltweiten Belebung profitieren.
Bereits zu Wochenbeginn stehen Veränderungen im DAX-Kurs an. Der Immobilienplattform-Betreiber Scout24 (ISIN: DE000A12DM80) und der Anlagenbauer Gea (ISIN: DE0006602006) ersetzen den Sportwagenbauer Porsche (ISIN: DE000PAG9113) sowie den Pharma- und Laborzulieferer Sartorius (ISIN: DE0007165631) im Leitindex. Auch in den hinteren Reihen tut sich etwas, so steigt die Optikerkette Fielmann (ISIN: DE0005772206) in den MDAX auf. Die Deutsche-Börse-Tochter ISS Stoxx hatte die Wechsel bereits zu Monatsbeginn angekündigt.
Unternehmenszahlen im Fokus
Ansonsten wird der Saatguthersteller KWS Saat (ISIN: DE0007074007) am Donnerstag Jahreszahlen vorlegen. Parallel präsentiert der Bekleidungskonzern H&M <SE0000106270> seine Bilanz zum dritten Geschäftsquartal, die auch andere Mode- und Konsumwerte beeinflussen könnte. Der Tourismuskonzern Tui (ISIN: DE000TUAG505) berichtet bereits am Dienstag über die jüngste Entwicklung der Buchungen. Zum Wochenschluss steht zudem der Jahresfinanzbericht des Fußballclubs Borussia Dortmund (ISIN: DE0005493092) auf der Agenda.

