Finanzen

Silberpreis auf Rekordniveau: Warum Silber den großen Bruder Gold aktuell in den Schatten stellt

Nach seinem Allzeithoch zur Wochenmitte zeigt sich der Silberpreis aktuell kaum schwächer und bleibt auf Rekordniveau. Während der Goldpreis aktuell auf hohem Niveau stagniert, klettert Silber dank Industrieboom und KI-Nachfrage immer weiter nach oben. Doch die Silberpreis-Rekordrally bietet nicht nur Chancen, sie birgt für Investoren auch Risiken.
16.10.2025 12:44
Aktualisiert: 16.10.2025 16:04
Lesezeit: 3 min

Historische Marke für den Silberpreis: Rekordhoch zur Wochenmitte

Der Silberpreis hat am Mittwoch (15. Oktober) einen neuen Höchststand erreicht und erstmals in der Geschichte die Marke von 53 Dollar pro Unze überschritten. Allein im vergangenen Monat legte der Silberkurs um mehr als 22 Prozent zu – ein außergewöhnlicher Anstieg, der viele Anleger aufhorchen lässt. Traditionell folgt Silber der Entwicklung des großen Edelmetallbruders Gold. Dieses hatte im laufenden Jahr bereits Rekordwerte erreicht und dabei selbst große Aktienindizes wie den S&P 500 übertroffen.

Nachdem der Goldpreis vergangene Woche erstmals in seiner Geschichte die Marke von 4.000 Dollar überschritt, zieht nun auch Silber kräftig nach. Seit Jahresbeginn ist der Silberpreis um annähernd 80 Prozent gestiegen – der stärkste Zuwachs seit einem Jahrzehnt. Zum Vergleich: Das bisherige Silberpreis-Allzeithoch lag bei 49,54 Dollar je Unze – und stammt aus dem Jahr 1980. Zuletzt näherte sich Silber diesem Wert im Jahr 2011 an, als es kurzzeitig auf 49,45 Dollar stieg. Mit dem Sprung auf 53,10 Dollar wurde diese Marke nun übertroffen. Laut Chris Beauchamp, Chefanalyst bei IG, „hat Silber damit seinen Platz im Klub der Rekordhalter zurückerobert und sich endlich neben Gold eingereiht“.

Die Preisbewegungen beider Edelmetalle hängen eng zusammen. Wenn Gold stark gefragt ist und der Handel überhitzt, suchen Investoren häufig nach Alternativen – und greifen zu Silber. Anders als Gold wird der Silber-Preis jedoch vor allem durch industrielle Nachfrage beeinflusst: Silber spielt eine Schlüsselrolle in modernen Technologien – von Solarzellen über Hochleistungselektronik bis hin zu Anwendungen in der künstlichen Intelligenz.

Industriemetall mit wachsender strategischer Bedeutung

Während Gold vor allem als Wertspeicher dient, wird Silber zunehmend als strategischer Rohstoff gesehen. „Früher waren die Einsatzgebiete beider Metalle ähnlicher“, erklärt Robert Crayfourd, Fondsmanager bei Golden Prospect Precious Metals. „Heute aber werden mehr als 50 Prozent des geförderten Silbers industriell genutzt – insbesondere in der Elektronik.“ Fast jedes Gerät mit einem Ein- und Ausschalter enthält Silber. Weitere Einsatzfelder sind Lötstoffe, chemische Katalysatoren und medizinische Geräte – dort verhindert Silber als inert-metallischer Werkstoff die Bildung von Bakterien. Damit folgt der Silberpreis teilweise auch den Bewegungen anderer Industriemetalle wie Kupfer. Auch makroökonomische Faktoren beeinflussen die Kursentwicklung: Inflationserwartungen, Zinssätze, geopolitische Risiken und Finanzmarktunsicherheiten wirken ebenso auf Silber wie auf Gold.

Adrian Ash, Forschungsdirektor bei BullionVault, bringt es auf den Punkt: „Silber ist wie Gold auf Steroiden – volatiler, riskanter, aber auch spannender für Investoren mit Risikofreude.“ Laut The Silver Institute stieg die weltweite jährliche Nachfrage zwischen 2016 und 2024 von 993,3 Millionen auf 1,16 Milliarden Unzen, während das Angebot leicht auf 1,02 Milliarden Unzen zurückging. Besonders stark wuchs die industrielle Nachfrage – von 491 Millionen Unzen (2015) auf 680,5 Millionen Unzen (2024). Vor allem die Solarindustrie und Elektronik treiben diesen Trend an.

Perspektiven für Anleger und deutsche Investoren

Viele Experten rechnen damit, dass der Silberpreis auch 2025 weiter zulegen wird. „Es gibt keinen Grund, warum der Aufwärtstrend bei Gold und Silber stoppen sollte“, sagt Paul Syms, Leiter für Rohstoff-ETF bei Invesco. In einer Umfrage von BullionVault gaben über tausend Anleger an, dass sie bis Ende 2025 einen Silber-Preis von 41,18 Dollar je Unze erwarten – ein Anstieg um mehr als 40 Prozent gegenüber Jahresbeginn. Diese Prognose wurde durch die jüngsten Rekorde bereits übertroffen. Auch die physische Nachfrage nimmt zu. Laut Gold Bank London haben sich die Silberkäufe im Jahr bis August 2025 mehr als verdoppelt. 71 Prozent der Käufer erwarben Silber erstmals. „Obwohl die Preise weiter steigen, bleibt Silber besonders für neue Investoren attraktiv“, so Geschäftsführer Faisel Ali. Deutsche Anleger zeigen ebenfalls wachsendes Interesse. In Zeiten geopolitischer Spannungen und steigender Energiepreise wird Silber nicht nur als Krisenschutz, sondern auch als strategische Komponente für die Energiewende gesehen. Die hohe Nachfrage aus der Solar- und Elektronikbranche dürfte auch hierzulande die Diskussion über Rohstoffsicherheit verstärken.

Wer in den Silberpreis investieren möchte, kann physisches Silber – etwa Münzen oder Barren – kaufen oder börsengehandelte Produkte wie den iShares Physical Silver ETC (LON: ISLN) nutzen. Alternativ bieten Fonds wie der Global X Silver Miners UCITS ETF oder der Golden Prospect Precious Metals Fonds Beteiligungen an Silberminen an. Diese Anlagen bleiben jedoch volatil – und sollten als Ergänzung, nicht als Ersatz für Gold, betrachtet werden.

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Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

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