Politik

Drohnenhersteller Stark Defence: Bundeswehr erhält bald Virtus-Kamikazedrohnen

Der Drohnenhersteller Stark Defence steht bei einer Bundeswehr-Großbestellung von Kampfdrohnen in den Startlöchern: Die an die Bundeswehr verkaufte Kampfdrohne Virtus soll bis zu 75 Minuten in der Luft sein und bis zu 130 Kilometer weit fliegen - spätestens dann soll sie sich auf den Feind stürzen und explodieren. Die Kamikazedrohne ist bereits in der Urkaine im Einsatz.
23.09.2026 14:03
Lesezeit: 2 min
Drohnenhersteller Stark Defence: Bundeswehr erhält bald Virtus-Kamikazedrohnen
Josef Kranawetvogl, Senior Vice President von dem Drohnenhersteller Stark Defence an einer Drohne vom Modell Virtus, das der Bundeswehr verkauft wurde. (Foto: dpa) Foto: Wolf von Dewitz

Drohnenhersteller Stark Defence: Bundeswehr erhält bald Virtus-Kamikazedrohnen

Der Drohnenhersteller Stark Defence steht bei einer Bundeswehr-Großbestellung von Kampfdrohnen in den Startlöchern. "Wir planen, bald mit der ersten Auslieferung an die Bundeswehr zu beginnen", sagte der Senior Vice President des Berliner Unternehmens, Josef Kranawetvogl, der dpa bei der Essener Rüstungsmesse Euro Defence Expo (Eudex).

Es gehe um eine Charge im Wert von 275 Millionen Euro, die Stückzahl nannte er nicht. Insgesamt bekam Stark Defence einen Rahmenvertrag über 2,9 Milliarden Euro, für eine Milliarde davon hat der Bundestag bereits grünes Licht gegeben. Die Konkurrenten Helsing und Rheinmetall bekamen ebenfalls milliardenschwere Verträge.

Es geht um "Loitering Munition", auf deutsch herumlungernde Munition. Solche Fluggeräte werden auch Kamikaze-Drohnen genannt.

Die an die Bundeswehr verkaufte Drohne von Stark kann Herstellerangaben zufolge bis zu 75 Minuten in der Luft sein und bis zu 130 Kilometer weit fliegen - spätestens dann soll sie sich auf den Feind stürzen und explodieren. Ist bis dahin kein feindliches Objekt erkannt, soll die Drohne abstürzen und explodieren, wo niemand ist. Das Drohnen-Modell Virtus ist bis zu 33 Kilo schwer, mit kleinen Propellern an den vier Flügeln hebt es ab und fliegt weg.

Stark Defence wurde 2024 als Start-up gegründet, die Firma hat 750 Beschäftigte. Die Zentrale ist in Berlin, in Großbritannien, Schweden und Griechenland sind Produktionsstandorte. Die Virtus-Drohne ist auch in der Ukraine im Einsatz, im Raum Kiew hat Stark zwei weitere Werke - wo genau, ist geheim. Neben der Ukraine und Deutschland sind weitere europäische Staaten Kunden. Angaben zum Umsatz und Gewinn oder Verlust macht die Firma nicht.

Angriff mit Künstlicher Intelligenz

Stark-Manager Kranawetvogl sieht Drohnen als Ergänzung und nicht als Ersatz für schweres Gerät, also Panzer und Artillerie. Die unbemannten Flugobjekte könnten zudem helfen, damit die westlichen Armeen ihren akuten Personalmangel lindern können. "Ein Operator kann mit softwareunterstützten KI-Mechanismen mehrere Drohnen steuern." Der Mensch habe dabei weiterhin die Kontrolle.

Die mit zwei Kameras ausgestattete Virtus-Kampfdrohne ist zudem mit Aufklärungsdrohnen verbunden, die ihnen das Ziel zuweisen können. Der Preis pro Virtus-Drohne liege bei unter 100.000 Euro, sagt Kranawetvogl. "Der Panzer, der damit ausgeschaltet werden kann, kostet mehrere Millionen Euro - der finanzielle Vorteil des Drohnen-Einsatzes ist groß."

Nicht nur Drohnen werden im Ukraine-Krieg immer weiter entwickelt, sondern auch der Schutz von Panzern. Die russische Seite setzt dabei auch auf Käfige um ihre Panzer, um den Schaden durch heranfliegende Drohnen zu minimieren.

Drohnen-Schwärme am Himmel

Eine Anti-Panzer-Drohne wiederum enthält einen Gefechtskopf, der explodiert und dann bei enorm hohen Temperaturen einen Stachel als flüssigen Kupferstrahl durch Panzerstahl hindurchstößt und drinnen zerbirst. Wird dieser Strahl wegen des Käfig-Schutzes zu früh ausgelöst, kann er nicht mehr wie geplant durch den Panzerstahl hindurchkommen.

Der frühere Bundeswehr-Offizier Kranawetvogl sagt, dass das zwar passieren könne, allerdings finde man Mittel und Wege, die Schwachstelle von Käfigen zu finden und dann eben doch den Panzer zu erreichen. "Und selbst wenn das nicht gelingt: Drohnen sind normalerweise als Schwärme unterwegs, also zwei, drei oder vier Drohnen zusammen - hat eine von ihnen den Käfig zerstört, kann sich die zweite auf den Panzer stürzen."

Die erste Drohnen-Charge geht Kranwetvogl zufolge nach Litauen an die dort stationierte deutsche Brigade. Man sei im engen Austausch mit der Bundeswehr. "Im November haben wir in Litauen eine Nato-Übung, da werden unsere Systeme im Einsatz sein." Bei Übungen haben die Drohnen keinen Sprengstoff an Bord und können dank der Propeller wieder landen.

Insgesamt bekam Stark Defence einen Rahmenvertrag über 2,9 Milliarden Euro, für eine Milliarde davon hat der Bundestag bereits grünes Licht gegeben. Die Konkurrenten Helsing und Rheinmetall bekamen ebenfalls milliardenschwere Verträge.

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