Technologie

Autonomes Fahren in Europa: Pony AI testet Robotaxis mit Stellantis

Europa steht vor einem neuen Kapitel der urbanen Mobilität. Technologische Entwicklungen und internationale Kooperationen treiben die Automatisierung voran. Unternehmen arbeiten daran, Transportprozesse effizienter und sicherer zu gestalten. Doch wie schnell können autonome Lieferfahrzeuge und Robotaxis den Stadtverkehr erobern?
09.11.2025 07:21
Lesezeit: 3 min
Autonomes Fahren in Europa: Pony AI testet Robotaxis mit Stellantis
Stellantis testet gemeinsam mit Pony AI neue Robotaxis in Luxemburg und treibt damit autonomes Fahren in Europa voran (Foto: iStockphoto.com/Michael Vi) Foto: Michael Vi

Autonome Lieferungen in Europa rücken näher

Stellantis wird in den kommenden Monaten in Luxemburg erste Tests von Vans mit Technologie des chinesischen Unternehmens Pony AI starten. Danach soll die Ausweitung auf ausgewählte europäische Hauptstädte erfolgen. Nach Jahren ohne öffentliche Kommunikation kehren autonome Fahrzeuge verschiedener Automatisierungsstufen nach Europa zurück. Stellantis und Pony AI testen leichte Nutzfahrzeuge der vierten Stufe autonomer Fahrtechnologie.

Die Entwicklung baut auf einer Ankündigung vom August auf. Damals kündigte Pony AI die Produktion von tausend Robotaxis bis Jahresende an und die Expansion nach Europa. Stellantis wird der erste europäische Partner. Für Pony AI ist dies ein Meilenstein, da das Unternehmen erstmals mit einem großen westlichen Hersteller kooperiert. Die Testflotte besteht aus elektrischen Peugeot e-Traveller-Vans. Diese sind mit der Software von Pony AI ausgestattet und in die AV-Ready-Plattform von Stellantis integriert. Die modulare Architektur erlaubt spätere Erweiterungen auf autonome Funktionen der vierten Stufe. Sie bildet die Grundlage für zukünftige Liefer- und Transportdienste in Städten.

Teststandorte und zeitlicher Ablauf für autonomes Fahren

Die ersten Tests finden in Luxemburg statt. Danach sind Amsterdam, München und Mailand vorgesehen. Der vollständige kommerzielle Betrieb wird für 2026 erwartet. Ziel ist es, Sicherheit, Stabilität und Reaktionsfähigkeit der Systeme im Verkehr zu prüfen. Die Einhaltung europäischer Vorschriften wird ebenfalls getestet. Stellantis möchte so die Basis für den Einsatz autonomer Lieferfahrzeuge und Robotaxi-Dienste in urbanen Zentren schaffen. Die Pilotprojekte sollen Erkenntnisse für die spätere kommerzielle Nutzung liefern.

Die Kooperation ist ein Schritt zu einer digitalen Logistikplattform. Elektroantrieb, künstliche Intelligenz und autonome Systeme sollen die Kosten der letzten Meile senken. Fahrzeuge wie der Peugeot e-Traveller liefern zunächst Pakete und Waren aus. Später könnte auch der Transport von Personen ohne Fahrer möglich sein, wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden. Ziel ist es, urbane Mobilität effizienter und wirtschaftlicher zu gestalten. Das Projekt soll die Logistik in Städten langfristig nachhaltiger machen.

Technische Ausstattung und Sicherheitskonzept

Der Peugeot e-Traveller ist mit redundanten Sicherheitssystemen ausgestattet. LiDAR, Radar und Kameras erfassen die Umgebung. Eine leistungsfähige KI-Prozessor-Einheit wertet die Sensordaten in Echtzeit aus. Die Plattform AV-Ready erlaubt Softwareupdates und spätere Erweiterungen autonomer Funktionen.

Ned Curic, technischer Direktor von Stellantis, betont, dass autonome Fahrzeuge die urbane Mobilität verändern können. Sie sollen sicherer, effizienter und langfristig kostengünstiger sein. Die Technologie hat das Potenzial, Logistik und Personenverkehr in Städten zu revolutionieren.

Chinesische Technologie in Europa

Pony AI gehört zu den führenden Unternehmen für autonome Fahrzeuge in China. Dazu zählen auch Baidu Apollo Go und WeRide. Alle drei expandieren ins Ausland. Pony AI und WeRide starteten im September autonomes Fahren in Singapur.

Baidu bereitet eine Robotaxi-Plattform in London vor. In Deutschland plant Uber zusammen mit dem chinesischen Unternehmen Momenta Testfahrten in München. Die Kooperation zwischen chinesischer Softwarekompetenz und europäischer Produktionsinfrastruktur könnte die Entwicklung von Standards für autonome Mobilität in der EU beschleunigen.

Europa als Testregion für autonome Fahrzeuge

Die Europäische Union stellt hohe Anforderungen an Tests autonomer Fahrzeuge. Genehmigungsverfahren sind lang und Sicherheitsanforderungen streng. Dennoch steigt die Zahl der Pilotprojekte kontinuierlich. Waymo erhielt bereits eine Testgenehmigung für London. Mercedes-Benz bietet die dritte Stufe autonomer Fahrtechnologie in Deutschland und den USA an. Volvo und Renault entwickeln autonome Lkw für Logistikkorridore und Häfen. In Frankreich testet Navya selbstfahrende Shuttle-Dienste in Lyon und Toulouse. Europa wird zunehmend zu einem zentralen Schauplatz für autonome Mobilität.

Die vierte Stufe erlaubt Fahrzeugen, unter bestimmten Bedingungen alle Fahraufgaben selbstständig zu übernehmen. Außerhalb dieser Bedingungen stoppt das Fahrzeug sicher. Fahrer können Hände und Augen freihaben und sich entspannen. Doppelte Steuer-, Brems- und Sensorsysteme gewährleisten die Sicherheit. LiDAR, Radar, Kameras und Ultraschallsensoren erfassen die Umgebung. Die KI entscheidet in Echtzeit über Route, Geschwindigkeit und Manöver.

Autonomes Fahren: Automatisierungsstufen von null bis fünf

Stufe null bedeutet keine Automatisierung. Alles wird vom Fahrer gesteuert. Stufe eins bietet Assistenz bei einer Aufgabe. Stufe zwei erlaubt gleichzeitige Steuerung von Gas, Bremse und Lenkung durch das System. Stufe drei ermöglicht bedingtes, autonomes Fahren. Der Fahrer muss bei Aufforderung eingreifen. Stufe vier erlaubt selbstständiges Fahren in definierten Bereichen ohne Fahrer. Stufe fünf bedeutet vollständige Automatisierung ohne Fahrer.

Die vierte Stufe wird vor allem bei autonomen Lieferfahrzeugen und Robotaxis genutzt. Auch private Flächen wie Häfen, Fabriken, Flughäfen und Logistikzentren sind Einsatzorte. Die Technik ist technisch realisierbar, rechtlich jedoch noch eingeschränkt. Sie dient dazu, Effizienz und Sicherheit in der Logistik zu erhöhen. Zukünftige Anwendungen könnten urbane Lieferketten und den Personenverkehr in Städten grundlegend verändern.

Zukunft autonomer Mobilität in Deutschland

Die Kooperation von Stellantis und Pony AI zeigt, dass Europa eine zentrale Rolle bei der Entwicklung autonomer Mobilität einnimmt. Für Deutschland ergeben sich Chancen für die Fahrzeugindustrie und urbane Logistik. Internationale Zusammenarbeit kann die Innovationskraft deutscher Hersteller stärken und effiziente, vernetzte Transportlösungen fördern.

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