Wirtschaft

Reiche besucht Golfstaaten: Investitionen, Erdgas und Partnerschaften im Fokus

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche reist mit einer Wirtschaftsdelegation in die Golfregion, um die bilaterale Zusammenarbeit zu vertiefen. In politischen Gesprächen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar stehen Investitionen, Energieprojekte – insbesondere Erdgas – sowie die Förderung engerer Wirtschaftsbeziehungen im Mittelpunkt. Reiche betont, dass die Reise neue Chancen für beide Seiten erschließen soll.
17.11.2025 14:02
Lesezeit: 2 min
Reiche besucht Golfstaaten: Investitionen, Erdgas und Partnerschaften im Fokus
Der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani (M), begrüßt die Staats- und Regierungschefs der Golfstaaten vor dem arabisch-islamischen Krisengipfel im September diesen Jahres. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche reist mit einer Delegation in die VAE und Katar (Foto: dpa). Foto: -

Deutsche Partner

"In einer Welt mit zunehmenden geopolitischen Spannungen muss Deutschland seine strategischen Partnerschaften aktiv gestalten", sagte die Ministerin vor dem Abflug in Berlin. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar seien wichtige Partner im Mittleren Osten - "wirtschaftlich ambitioniert, technologiestark und kapitalstark". Es sollten Partnerschaften bei Technologie und Rohstoffen vertieft werden.

Beide Länder zählen laut Ministerium zu zentralen wirtschaftlichen Akteuren in der Region und wichtigen strategischen Handelspartnern für Deutschland. "Wir senden ein klares Signal: Deutschland setzt wieder auf wirtschaftliche Vernunft, Reformen und Investitionsfreundlichkeit", so Reiche. In der Golfregion dürfte es aber auch um eine politische Dimension gehen. Katar nimmt eine wichtige Vermittlerrolle im Konflikt zwischen Israel und der islamistischen Hamas ein. Katar stand vor dem Hintergrund der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 aber auch wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik.

Energie

In Katar dürfte es auch um eine Drohung Katars gehen, wegen der europäischen Lieferkettenrichtlinie Flüssiggas (LNG-)Exporte nach Europa einzufrieren oder ganz zu stoppen. Die geplante EU-Richtlinie soll Unternehmen verpflichten, negative Auswirkungen auf Menschenrechte und Umwelt entlang der gesamten Lieferkette zu verhindern. Nach den ursprünglichen Plänen sollten Unternehmen einen Plan erarbeiten und umsetzen, wie sie dazu beitragen wollen, Klimaschutzziele nach dem Pariser Klimaabkommen zu erreichen - bei Nichteinhaltung sollten hohe Strafen drohen.

Allerdings hat das EU-Parlament eine Abschwächung des Lieferkettengesetzes freigemacht; es soll keine Pflicht mehr bestehen, Klimapläne auszuarbeiten. Das Parlament nimmt nun finale Verhandlungen mit den EU-Staaten über das Vorhaben auf.

Nach Angaben des Verbands Gas- und Wasserstoffwirtschaft lag der Anteil der LNG-Lieferungen in die EU aus Katar im ersten Halbjahr dieses Jahres bei etwa 10 Prozent. Unter Verweis auf Schätzungen der Internationalen Energieagentur hieß es weiter, dass bis 2030 neue Verflüssigungskapazitäten fast ausschließlich in den USA und in Katar entstehen.

Dazu kommt: Ab 2027 soll kein russisches Flüssigerdgas mehr in die EU kommen. Zu Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 war Deutschland noch abhängig von russischem Gas und suchte händeringend nach Alternativen. Im März 2022 reiste Reiches Amtsvorgänger Robert Habeck (Grüne) nach Katar und vereinbarte eine langfristige Energiepartnerschaft.

Investitionen

Mit an Bord bei Reiches Reise ist der frühere Commerzbank -Chef Martin Blessing, der persönliche Beauftragte von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) für Investitionen. Das Ziel der Bundesregierung: In Deutschland soll wieder stärker investiert werden.

In den Emiraten und Katar gibt es starke Staatsfonds, die schon intensiv in Deutschland investiert haben - Blessing und Reiche dürften das Signal setzen: Weitere Investitionen sind willkommen. Beispiel Energie: Der Ausbau der Stromnetze ist sehr teuer. Die Koalitionsspitzen haben einen Deutschlandfonds angekündigt - als ein Feld wird in einem Papier auch ein neuer Energieinfrastrukturfonds genannt. Es sollten "attraktive Finanzierungs- und Beteiligungsmöglichkeiten" geschaffen werden, um dringend notwendige Investitionen in Energienetze und den Ausbau der erneuerbaren Energien zu ermöglichen.

Covestro

In den Emiraten dürfte es auch um die geplante milliardenschwere Übernahme des Chemiekonzerns Covestro durch den Ölkonzern Adnoc aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gehen. Die EU hat der Transaktion unter Auflagen zugestimmt. Die Entscheidung der Bundesregierung steht noch aus. Das Wirtschaftsministerium prüft ebenfalls. Auch Reiche könnte grünes Licht geben

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Twitch, Kick & Co. die Unterhaltungsbranche prägen

Das Bild der Unterhaltungsbranche hat sich dramatisch gewandelt. Dabei wurde aus einer Einbahnstraße eine Autobahn mit unzähligen Spuren...

DWN
Finanzen
Finanzen Trade Republic attackiert Europas Banken mit sechs Prozent Zinsen
01.06.2026

Sechs Prozent Zinsen, Brad Pitt im Werbespot und ein deutscher Anbieter, der in Polen plötzlich klassische Banken herausfordert. Trade...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Automobilchef: Mehrere europäische Automarken werden aussterben
01.06.2026

Jahrzehntelang lernten chinesische Hersteller von deutschen Autobauern. Nun reisen Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW nach China, um...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
01.06.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...

DWN
Politik
Politik Vorteil für Migranten bei Behördenjobs: Ist das Partizipationsgesetz verfassungswidrig?
01.06.2026

In Berlin ist die öffentliche Verwaltung bunt: Vielfalt, Teilhabe, Chancengleichheit für Menschen mit Migrationsgeschichte. Diese Praxis...

DWN
Politik
Politik Rentenversicherung: 20 Prozent Rentenbeitrag im Jahr 2029?
01.06.2026

Die Beiträge für die Rente sollen steigen - nach neuen Prognosen sogar noch etwas stärker als bisher gedacht. Doch es könnte auch alles...

DWN
Politik
Politik Großbritanniens EU-Rückkehr: Realistische Option oder politischer Wunschtraum?
01.06.2026

Erst galt der Brexit als endgültig, nun spricht ein Labour-Schwergewicht offen von Großbritanniens EU-Rückkehr. Hinter der neuen...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-IPO: Warum Kleinanleger jetzt in ein riskantes Spiel geraten
01.06.2026

SpaceX ist noch nicht an der Börse, doch der Hype wird bereits gehandelt. Kryptoplattformen machen aus Erwartungen an Elon Musks...

DWN
Politik
Politik AfD-Wahlprogramm verabschiedet: Atomenergie, CO2-Aus und begrenzte Migration
01.06.2026

Die AfD rüstet sich für die anstehenden Landtagswahlen im September: In Mecklenburg-Vorpommern verabschiedeten die Delegierten auf dem...