Wirtschaft

Industrie: Unerwarteter Auftragsboom weckt neue Hoffnung

Die deutsche Industrie erlebte zum Jahresende einen überraschend kräftigen Auftragsboom – und nährt damit die Hoffnung auf ein Ende der langen Flaute. Doch wie stabil ist der Aufschwung wirklich, und reicht er für eine nachhaltige Wende?
05.02.2026 16:01
Lesezeit: 2 min

Unerwarteter Auftragsboom: Industrie gibt Konjunkturhoffnung

Nach langem Niedergang mehren sich die Anzeichen für eine Trendwende in der deutschen Industrie. Großaufträge stützen die Wirtschaft. Kommt nun der Aufschwung?

In der krisengebeutelten deutschen Industrie zeichnet sich immer deutlicher eine Trendwende ab – auch dank zahlreicher Großaufträge. Nach einem Auftragsboom im Dezember wächst damit die Hoffnung auf eine Erholung der deutschen Wirtschaft im neuen Jahr.

Im Dezember erhielten die Industrieunternehmen nicht nur den vierten Monat in Folge mehr Aufträge, sie legten auch überraschend stark zu. Die Zahl der Bestellungen stieg gemessen am Vormonat um 7,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Analysten zeigten sich überrascht: Sie hatten im Schnitt einen Rückgang von 2,2 Prozent erwartet. Ein unerwartet starkes Plus gab es auch im Jahresvergleich: Hier wuchsen die Aufträge im Dezember um 13 Prozent.

"Ein Auftragsboom zum Jahresende. Wer hätte das gedacht?", schrieb Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg. "Das sieht jetzt wirklich sehr stark nach Trendwende aus. Wir haben erstmals seit längerer Zeit Grund für Zuversicht."

"Fulminanter Auftragsschub"

Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, sprach von einem "fulminanten Auftragsschub" im Dezember. Das Bestellvolumen habe ein Niveau wie zuletzt Anfang 2022 erreicht.

Auch liege der Auftragseingang im Schlussquartal 2025 fast zehn Prozent höher als im dritten Quartal. "Damit zeigt sich, dass die konjunkturelle Erholung auch in der Industrie ankommt. Die Lage verbessert sich, auch wenn die Situation in vielen Betrieben noch schwer ist."

Getrieben wurde das kräftige Auftragsplus im Dezember von Großaufträgen, etwa im Maschinenbau. Ohne sie wäre der Auftragseingang nur um 0,9 Prozent höher als im Vormonat ausgefallen.

Der starke Auftragseingang resultierte zudem aus Zuwächsen bei der Herstellung von Metallerzeugnissen sowie aus mehr Bestellungen für elektronische und optische Erzeugnisse. In der kriselnden Autoindustrie sank der Auftragseingang hingegen um 6,3 Prozent im Monatsvergleich.

"Deutsche Industrie steht vor Aufschwung"

Insgesamt wuchsen die Aufträge für die Industrie aus dem Inland um fast 11 Prozent. Das Plus aus dem Ausland fiel mit 5,6 Prozent schwächer aus – hier wirken sich laut Bundeswirtschaftsministerium die handels- und geopolitischen Risiken aus.

Das Auftragsplus sei einmal mehr der Rüstungsindustrie zu verdanken, schrieb Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der Liechtensteiner VP Bank. Der Bund dürfte seine Bestellungen für Verteidigung zum Jahresende 2025 deutlich erhöht haben. "Die Auftragseingänge machen aus Hoffnungen harte Fakten: Die deutsche Industrie wird in den kommenden Monaten einen Zahn zulegen."

Lichtblick nach schwerer Krise

Die Krise der deutschen Industrie, die unter dem Zollstreit mit den USA, der Konkurrenz aus China und hohen Energiepreisen leidet, bleibt ein wesentlicher Grund für die Konjunkturflaute in Deutschland. Dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zufolge sank die Produktion 2025 das vierte Jahr in Folge, vor allem die Autobranche baut Jobs ab.

In diesem Jahr dürfte die Industrie wieder zum Wachstumsträger werden, meint Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft beim Fondsanbieter Union Investment. "Deutschland holt gegenüber den europäischen Nachbarn beim Wachstum auf."

Stark dürfte die Erholung aber nicht ausfallen: Nach einem Mini-Plus von 0,2 Prozent im vergangenen Jahr soll die Wirtschaft 2026 nach Prognose der Bundesregierung und führender Ökonomen um ein Prozent zulegen. Erst 2027 erwarten Experten einen spürbaren Aufschwung.

Auch mahnen Kritiker, dass Staatsausgaben allein keine breite Trendwende tragen können. Zurückhaltend gibt sich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Das Auftragsplus im Dezember dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Industrie unter großen strukturellen Problemen leide, heißt es dort. "Weitere Reformschritte der Regierung sind hier unerlässlich."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Technologie
Technologie Mangelnde Netzkapazitäten: KI-Boom lässt Strombedarf drastisch steigen
03.11.2026

Schon 2026 verbrauchen deutsche Rechenzentren so viel Strom wie rund 6,5 Millionen Haushalte. Bis 2035 könnte der Bedarf nochmals stark...

DWN
Finanzen
Finanzen Soll ich mein Geld in ein Auto ohne Fahrer stecken?
03.11.2026

Die Uber-Aktie ist in diesem Jahr deutlich gefallen. Das Unternehmen läuft operativ gut, doch seine Zukunft wird davon abhängen, wie es...

DWN
Politik
Politik Stromumlage ab 2031: Damit sollen neue Gaskraftwerke finanziert werden
03.11.2026

Elf Kraftwerksprojekte erhalten Geld dafür, Strom für Dunkelflauten bereitzuhalten. Die Kosten sollen auf alle Stromverbraucher umgelegt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schaeffler-Aktie rutscht ab: Autozulieferer Schaeffler streicht Tausende Jobs und schließt Werke
03.11.2026

Die Krise in der deutschen Industrie setzt sich fort: Der Autozulieferer Schaeffler will vier deutsche Standorte schließen und Tausende...

DWN
Politik
Politik Die Amerikaner haben uns bislang erfolgreich gespalten
03.11.2026

Russland gilt seit Jahren als Meister der Einflussnahme auf Europa. Doch inzwischen richtet sich der Blick zunehmend auf Washington. Auch...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell um 3.900 Dollar: Edelmetallpreise rutschen ab – Warnsignal für die Weltkonjunktur?
03.11.2026

Beim Goldpreis gerät die leichte Erholung vom Wochenbeginn am Dienstag mächtig ins Stocken. Zinsrisiken und Inflationssorgen drücken...

DWN
Finanzen
Finanzen Konto in Zürich, Kredit in London: Die neue EU-Bankenfalle ab 2027
03.11.2026

Millionen-Finanzierung in New York oder Vermögen in der Schweiz? Ab 2027 gelten im EU-Binnenmarkt neue Spielregeln für Auslandsbanken....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Räumungsverkauf im November: Filialschließungen setzen den Einzelhandel unter Druck
03.11.2026

Räumungsverkäufe prägen in zahlreichen deutschen Innenstädten den Herbst 2026. Hinter den Rabattschildern stehen nicht nur günstige...