Unternehmen

DB Cargo-Stellenabbau: 6.200 Jobs fallen bei Deutsche Bahn-Tochter weg

Fast jede zweite Stelle soll weg – DB Cargo steht vor einem historischen Einschnitt. Der neue Chef setzt alles auf eine Karte, denn Brüssel verlangt schwarze Zahlen noch in diesem Jahr.
19.02.2026 09:29
Aktualisiert: 19.02.2026 09:29
Lesezeit: 2 min

DB Cargo: Neuer Chef streicht fast die Hälfte der Stellen

Bei der seit Jahren kriselnden Güterverkehrssparte der Bahn steht der nächste Einschnitt an: Der neue Chef streicht fast jede zweite Stelle. Für die Kehrtwende bleibt ihm kaum Zeit.

Der Chef der seit Jahren schwächelnden Bahn-Güterverkehrstochter DB Cargo, Bernhard Osburg, kündigt den Abbau von fast der Hälfte der Arbeitsplätze in Deutschland an. Von derzeit rund 14.000 Vollzeitstellen hierzulande sollen 6.200 entfallen, sagte Osburg der Deutschen Presse-Agentur. Betroffen seien nahezu alle Bereiche, darunter Fahrbetrieb, Disposition, Planung, Administration sowie Vertrieb und die IT.

Vorgängerin gescheitert: Sanierung unter Zeitdruck

Der Stellenabbau ist Teil eines Umbauplans, mit dem Osburg das hoch defizitäre Unternehmen zurück in die Spur führen will. Viel Zeit bleibt ihm nicht. Noch in diesem Jahr muss DB Cargo infolge eines EU-Beihilfeverfahrens wieder schwarze Zahlen schreiben. Andernfalls droht das Aus. Das operative Minus lag Osburg zufolge im vergangenen Jahr noch im mittleren zweistelligen Bereich.

Schon Osburgs Vorgängerin, Sigrid Nikutta, wollte den Konzern neu ausrichten. Sie musste jedoch gehen, nachdem ein externes Gutachten ihr Sanierungskonzept verworfen hatte.

Osburg betont nun, er habe eine mittelfristig angelegte Strategie bis zum Jahr 2030 vorgelegt. Die gutachterliche Bestätigung wird für Ende Februar erwartet. In dieser Woche informierte das Management die Beschäftigten sowie den Aufsichtsrat von DB Cargo.

Vier Säulen: So soll der Umbau gelingen

Der Sanierungsplan des früheren Stahlmanagers ruht auf vier Säulen:

Weil die Nachfrage im Güterverkehr in Deutschland bei den Hauptkunden aus den Branchen Auto, Chemie und Stahl weiter nachlässt, will Osburg den Fokus stärker auf das europäische Ausland richten. "Wir richten Vertrieb, Planung, Disposition und Produktion deutlich stärker europäisch aus und bauen DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker mit klaren, grenzüberschreitenden Systemlösungen aus", betonte er.

Die zweite Säule umfasst Einsparungen von rund einer Milliarde Euro bis 2030. Die Maßnahmen beinhalten unter anderem den Wegfall von 4.000 Arbeitsplätzen, eine schlankere Verwaltung sowie Produktivitätssteigerungen im Fuhrpark.

Einzelwagenverkehr: Dauerproblem bleibt

Weitere 2.000 Stellen entfallen im sogenannten Einzelwagenverkehr, der zwar erhalten bleibt, aber grundlegend neu organisiert werden soll. Das bildet die dritte Säule des Konzepts. Bei dieser Verkehrsart holen Mitarbeiter einzelne Wagen bei Industriekunden ab und stellen sie auf großen Rangierbahnhöfen zu langen Zügen zusammen. Am Zielort trennen sie die Züge wieder und transportieren die Waggons einzeln zum Endkunden weiter.

Osburg will die sogenannte Zugbildung künftig an vier Hauptstandorten – Köln-Gremberg, Seelze, Mannheim und Nürnberg – bündeln. Fünf weitere Rangieranlagen sollen als nachgelagerte Standorte mit flexiblerer Auslastung dienen. Von derzeit 27 Instandhaltungswerken sollen zwölf geschlossen oder verkauft werden.

Osburg stellt klar, dass das Geschäft im Einzelwagenverkehr auch in der neuen Struktur defizitär bleibt und die Bahn weiterhin auf eine Förderung des Bundes angewiesen ist.

Neue Konzernkultur: Mehr Verantwortung vor Ort

Die vierte Säule zielt auf die Unternehmenskultur. Der neue Chef fordert mehr Verantwortungsbewusstsein bei den Entscheidern in der Fläche sowie verbindliche Fahrpläne zur Umsetzung des Konzepts.

Bis zum Sommer sollen weitere Details geklärt sein und das Konzept schrittweise in die Umsetzung gehen, betonte Osburg. Die neue Struktur im Einzelwagenverkehr soll bis 2027 vollständig umgesetzt werden.

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