Wirtschaft

Lynk & Co 02 im Marktcheck: Wie überzeugend ist das Gesamtpaket?

Kompakte Elektroautos im Bereich um 35.000 Euro stehen zunehmend im Fokus von Herstellern und Käufern, da Förderung, Ausstattung und Preisgestaltung hier besonders eng verzahnt sind. Kann ein Modell wie der Lynk & Co 02 in diesem umkämpften Segment mit Leistung und Ausstattung überzeugen?
23.03.2026 07:12
Lesezeit: 4 min
Lynk & Co 02 im Marktcheck: Wie überzeugend ist das Gesamtpaket?
Der Lynk & Co 02 positioniert sich als Elektroauto im 35.000-Euro-Segment mit starker Ausstattung und hoher Leistung, zeigt jedoch Schwächen bei Ergonomie, Fahrverhalten und Reichweite (Foto: Miloš Milač)

Elektro-SUV im wettbewerbsintensiven Kompaktsegment

Im Preisbereich um 35.000 Euro hat sich in den vergangenen zwei Jahren eine spürbare Dynamik entwickelt. Besonders stark profitierte zunächst der Cupra Born von den staatlichen Förderprogrammen, bevor zahlreiche Wettbewerber nachzogen und ihre Modelle gezielt unterhalb der relevanten Fördergrenze positionierten. Damit entstand ein klar abgegrenztes Marktsegment, das sich stark über den Endpreis nach Förderung definiert.

Auch nach der Anpassung im vergangenen Jahr, bei der die Förderung zwischen 35.000 und 45.000 Euro auf 6.500 Euro erhöht wurde, blieb diese Schwelle im Markt prägend. Sie dient weiterhin als Orientierungspunkt für Hersteller und Käufer und beeinflusst maßgeblich die Preisstrategie neuer Modelle. Entsprechend versuchen viele Anbieter, ihre Fahrzeuge gezielt unterhalb dieser Grenze zu platzieren.

Unterhalb dieser Marke positioniert sich auch der schwedisch-chinesische Lynk & Co 02. Das Basismodell Core startet bei 34.000 Euro, während die besser ausgestattete Variante More bei 38.000 Euro liegt. Im Test stand die Version „More“, deren Preis mit Förderung auf 31.500 Euro sinkt. Für gewerbliche Käufer reduziert sich der Betrag ohne Mehrwertsteuer auf 24.647 Euro.

Raumangebot mit Einschränkungen im Fond

Der Lynk & Co 02 basiert auf einer Elektroplattform, die auch im Volvo EX30 und im Smart #1 verwendet wird. Mit einer Länge von 4,46 Metern und einem Radstand von 2,75 Metern bietet das Fahrzeug grundsätzlich ausreichende Platzverhältnisse im Innenraum. Sowohl vorne als auch hinten sind Kopf- und Kniefreiheit vorhanden, sodass das Fahrzeug formal die Anforderungen der Kompaktklasse erfüllt.

Im Detail zeigen sich jedoch Einschränkungen im Fond. Die Sitzposition fällt vergleichsweise niedrig aus, wodurch die Beine stärker angewinkelt sind und längere Fahrten weniger komfortabel werden. Zusätzlich erschwert eine relativ hohe Einstiegskante im hinteren Bereich das Einsteigen, was insbesondere im Alltag negativ auffällt.

Der Kofferraum bietet mit 410 Litern ein durchschnittliches Volumen und wächst bei umgelegter Rückbank auf 1.349 Liter. Damit bewegt sich das Modell im üblichen Rahmen seiner Klasse, ohne besondere Vorteile zu bieten. Der zusätzliche Stauraum im vorderen Bereich bleibt mit 15 Litern begrenzt, erfüllt jedoch grundlegende praktische Anforderungen.

Bedienkonzept mit deutlichen Schwächen

Der Innenraum ist konsequent digital ausgelegt. Ein zentraler 15,4-Zoll-Bildschirm übernimmt nahezu alle Funktionen, ergänzt durch ein 10,2-Zoll-Display hinter dem Lenkrad. Klassische Bedienelemente treten in den Hintergrund, was grundsätzlich dem aktuellen Trend in dieser Fahrzeugklasse entspricht.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Menüstruktur nicht durchgehend logisch aufgebaut ist. Nutzer müssen sich durch mehrere Ebenen arbeiten, um grundlegende Funktionen zu erreichen. Zudem sind einzelne Informationen vergleichsweise klein dargestellt, was die Ablesbarkeit während der Fahrt einschränkt. Auch die Assistenzsysteme greifen häufig ein und erzeugen wiederkehrende Warnhinweise. Diese werden im Alltag schnell als störend empfunden und können die Bedienung zusätzlich erschweren. Insgesamt wirkt das System funktional, erreicht jedoch nicht das Niveau besonders intuitiver Lösungen.

Materialanmutung mit erkennbaren Einsparungen

Die Materialien im Innenraum bestehen aus einer Kombination aus Kunstleder und recyceltem Kunststoff. Auf den ersten Blick entsteht ein moderner Gesamteindruck, der zur Positionierung des Fahrzeugs passt. Bei genauer Betrachtung zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede in der Materialqualität.

Insbesondere im Bereich des Mitteltunnels kommen harte Kunststoffe zum Einsatz, die den Gesamteindruck mindern. Auch die Bedienelemente sind vergleichsweise einfach ausgeführt und vermitteln keinen hochwertigen Eindruck. Diese Details stehen im Kontrast zur ansonsten modernen Gestaltung. Die Sitze mit integrierten Kopfstützen bieten eine solide Unterstützung, ohne besonderen Komfort zu bieten. Für längere Fahrten fehlt es an zusätzlicher Polsterung und Anpassungsfähigkeit. Im Vergleich dazu wirkt das Hybridmodell Lynk & Co 01 insgesamt hochwertiger und konsistenter umgesetzt.

Hohe Leistung bei zurückhaltender Auslegung

Technisch basiert der Lynk & Co 02 auf einer modernen Elektroarchitektur aus dem Geely-Konzern. Der Elektromotor treibt die Hinterräder an und leistet 200 Kilowatt beziehungsweise 272 PS bei einem Drehmoment von 343 Newtonmetern. Damit stehen im Alltag mehr als ausreichende Leistungsreserven zur Verfügung.

Die Beschleunigung auf 100 km/h erfolgt in 5,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 180 km/h begrenzt. Diese Werte ermöglichen eine zügige Fortbewegung sowohl im Stadtverkehr als auch auf der Autobahn. Auch bei höheren Geschwindigkeiten wirkt der Antrieb stabil und souverän. Gleichzeitig bleibt die Auslegung des Fahrzeugs klar auf Komfort und Alltagstauglichkeit fokussiert. Die vorhandene Leistung wird nicht in ein sportliches Gesamtfahrverhalten übersetzt. Damit richtet sich das Modell an eine breite Zielgruppe, die Wert auf Leistung, aber nicht zwingend auf Dynamik legt.

Fahrverhalten mit Fokus auf Komfort

Das Fahrwerk ist weich abgestimmt, wodurch sich das Fahrzeug bei schneller Kurvenfahrt spürbar zur Seite neigt. Diese Abstimmung erhöht den Fahrkomfort im Alltag, geht jedoch zulasten der fahrdynamischen Präzision. Besonders bei zügiger Fahrweise wird dieser Charakter deutlich.

Die Lenkung arbeitet zwar präzise, vermittelt jedoch nur begrenzte Rückmeldung und wirkt insgesamt leichtgängig. Dadurch entsteht kein besonders direktes Fahrgefühl. Für sportlich orientierte Fahrer dürfte dies eine Einschränkung darstellen. Die Bremsanlage zeigt sich stabil und arbeitet auch bei wiederholter Beanspruchung zuverlässig. In diesem Bereich ergeben sich keine Auffälligkeiten. Insgesamt ergibt sich ein Fahrverhalten, das klar auf eine ruhige und gleichmäßige Fahrweise ausgelegt ist.

Reichweite ohne klare Vorteile

Die Batterie mit einer Bruttokapazität von 66 Kilowattstunden ermöglicht laut WLTP eine Reichweite von bis zu 435 Kilometern. Unter realen Bedingungen liegt der Wert jedoch spürbar darunter. Im Alltag sind Reichweiten zwischen 330 und 370 Kilometern realistisch.

Der Verbrauch bewegt sich dabei zwischen 17 und 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Damit positioniert sich das Modell im Mittelfeld seiner Klasse, ohne sich durch besondere Effizienz hervorzuheben. Für längere Strecken sind entsprechend Ladepausen einzuplanen. Beim Schnellladen mit Gleichstrom sind bis zu 150 Kilowatt möglich. Der Ladezustand von 10 auf 80 Prozent wird in etwa 30 Minuten erreicht. Auffällig ist die Ladeleistung von 22 Kilowatt an Wechselstrom, die eine vollständige Aufladung in rund dreieinhalb Stunden ermöglicht.

Ausstattung als entscheidender Faktor

Bereits die Basisausstattung fällt umfangreich aus und deckt zentrale Komfort- und Sicherheitsfunktionen ab. Das Paket More erweitert den Funktionsumfang um zusätzliche Ausstattungsmerkmale, die insbesondere im Alltag relevant sind. Dazu zählt unter anderem ein leistungsstärkerer AC-Lader. Ergänzt wird dies durch eine Wärmepumpe, die bei niedrigen Temperaturen die Effizienz stabilisiert. Auch elektrisch verstellbare Vordersitze mit Memory-Funktion, ein beheizbares Lenkrad und eine 360-Grad-Kamera sind enthalten. Diese Merkmale erhöhen den Nutzwert des Fahrzeugs spürbar.

Hinzu kommen größere 20-Zoll-Felgen, abgedunkelte Heckscheiben und eine verbesserte induktive Ladefunktion. Der Listenpreis steigt damit auf 41.000 Euro. Durch Rabatte und Förderungen reduziert sich der effektive Preis jedoch deutlich und rückt in einen wettbewerbsintensiven Bereich.

Marktchancen im deutschen Umfeld

Der Lynk & Co 02 ordnet sich im Segment der kompakten Elektrofahrzeuge im unteren bis mittleren Preisbereich ein. Die Kombination aus umfangreicher Ausstattung und hoher Motorleistung bildet die zentrale Grundlage seiner Positionierung im Markt. Gleichzeitig zeigen sich in mehreren Bereichen Einschränkungen. Dazu zählen insbesondere ergonomische Schwächen im Innenraum sowie ein Fahrverhalten, das klar auf Komfort ausgelegt ist. Auch bei Reichweite und Effizienz ergeben sich keine klaren Wettbewerbsvorteile. Diese Faktoren relativieren den Gesamteindruck im direkten Vergleich.

Für den deutschen Markt ergibt sich dennoch ein relevantes Angebot, insbesondere im gewerblichen Bereich. Förderungen und steuerliche Vorteile senken die Einstiegskosten deutlich. Vor dem Hintergrund zunehmender Konkurrenz dürfte das Modell vor allem Käufer ansprechen, die Ausstattung höher gewichten als Fahrdynamik und Bedienkomfort.

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