Politik

Krieg gegen Iran: Wie erfolgreich ist Israels Strategie? Und was ist das Ziel?

Der Konflikt zwischen Israel, Iran und der Hisbollah erreicht eine neue Eskalationsstufe. Militärische Erfolge stehen wachsenden Unsicherheiten gegenüber. Während die Führung im Iran unter Druck gerät, bleibt eine zentrale Frage offen: Führt diese Strategie tatsächlich zum gewünschten Ziel?
20.03.2026 16:00
Lesezeit: 4 min
Krieg gegen Iran: Wie erfolgreich ist Israels Strategie? Und was ist das Ziel?
Gezielte Angriffe, politische Spannungen und unklare Perspektiven: Wie effektiv ist Israels Vorgehen gegen Iran? (Foto: ChatGPT)

Israels militärische Strategie gegenüber Iran und Hisbollah

Bei seinen Drohungen gegen die iranische Führung zeigt sich der israelische Verteidigungsminister besonders kämpferisch. Keine hochrangige Person im iranischen Machtgefüge sei noch sicher, erklärte Israel Katz am Mittwoch nach der Tötung des iranischen Geheimdienstchefs Ismail Chatib. Jeder bedeutende Funktionär könne nun "ohne weitere Genehmigung" unmittelbar von der israelischen Armee ausgeschaltet werden.

Welche Strategie verfolgt Israel im Konflikt mit Iran und Hisbollah?

Seit Beginn des Kriegs gegen den Iran am 28. Februar gab es unterschiedliche Angaben Israels und der USA zu den konkreten Kriegszielen sowie zur Dauer der Angriffe. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte zuletzt, Ziel sei es, dem iranischen Atom- und Raketenprogramm, das Israel als existenzielle Bedrohung ansieht, "tödliche Schläge" zuzufügen. Die Angriffe im Iran könnten außerdem Voraussetzungen für einen Sturz der Führung schaffen - dies liege jedoch letztlich am iranischen Volk.

Kritiker werfen Netanjahu vor, er verfolge im Krieg in einem Wahljahr auch eigene Interessen - der Konflikt mit dem Iran sei eine Art Befreiungsschlag für den Premier, gegen den seit sechs Jahren ein Korruptionsverfahren läuft und dessen politisches Vermächtnis vom Versagen während des Hamas-Massakers am 7. Oktober 2023 überschattet wird.

Gezielte Schläge gegen die iranische Führungsspitze

Mit dem Ziel, den iranischen Machtapparat zu schwächen, hat Israel bereits zahlreiche ranghohe Vertreter ins Visier genommen, darunter auch Irans obersten Führer Ali Chamenei. Am Montag wurde zudem der einflussreiche Generalsekretär des Sicherheitsrats, Ali Laridschani, gezielt getötet. Hinzu kommen harte Angriffe gegen die Revolutionsgarden und die Basidsch-Milizen. Beide sind auch für die brutale Niederschlagung der Proteste im Januar verantwortlich.

Mit massiven Angriffen im Libanon will Israel außerdem den wichtigsten Verbündeten des Iran, die Hisbollah-Miliz, deutlich schwächen. Beide Seiten feuern wiederholt Raketen auf israelische Städte und Ortschaften.

Wie stehen die Erfolgsaussichten?

Israel und die USA hätten bislang deutliche operative Erfolge im Krieg erzielt, sagt der angesehene israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz in einem Podcast. Besonders die iranische Rüstungsindustrie sei um Monate, möglicherweise Jahre zurückgeworfen worden. Der Wiederaufbau dürfte erheblich schwieriger sein als nach dem letzten Krieg im Juni 2025.

Auch die Tötung Laridschanis sei zweifellos bedeutend, erklärt der Experte. Dieser sei jedoch kein Ersatz für Chamenei oder gar "stärkster Mann im System" gewesen - wie Israels Armee es dargestellt hatte. Laridschani habe vielmehr als wichtiges Bindeglied zwischen dem politischen und militärischen System fungiert.

Seit Kriegsbeginn und nach der Tötung Chameneis bildeten jedoch die Revolutionsgarden das Zentrum der Macht, so Citrinowicz. Wichtigster Vertreter sei nun der Kommandeur Ahmad Wahidi. Eine entscheidende Rolle spiele auch Ali Abdollahi Aliabadi, Kommandeur des zentralen Hauptquartiers Chatam al-Anbija, das im Kriegsfall die operative Führung der iranischen Streitkräfte koordiniert.

Führen gezielte Tötungen zum Zusammenbruch des Systems?

Die Tötung Laridschanis habe zwar das Bedrohungsgefühl innerhalb der Führung verstärkt und erschwere die Entscheidungsprozesse. "Die Iraner haben aber immer wieder bewiesen, dass sie sich auch von der Tötung zentraler Führungspersonen erholen können", sagt Citrinowicz. "Die Tötungen sind bedeutsam, aber sie allein werden nicht zum Sturz des Systems führen."

Ähnlich beurteilt es der französische Politikwissenschaftler Sébastien Boussois. Er vergleicht den iranischen Machtapparat mit einer Hydra: Wird ein Kopf abgeschlagen, wachsen mehrere neue nach. Das System ist bewusst so organisiert, dass sein Fortbestand nicht von einer einzelnen Person abhängt.

Der israelische Experte Raz Zimmt ist ebenfalls der Ansicht, dass gezielte Tötungen allein vermutlich nicht für einen Machtwechsel ausreichen. "Eine anhaltende Politik der gezielten Ausschaltung führender Persönlichkeiten innerhalb der politischen und Sicherheitselite könnte die Spaltungen in der Führung Irans vertiefen und dadurch die Chancen erhöhen, ihre Grundlagen zu destabilisieren", schreibt er jedoch in der Zeitung "Jediot Achronot".

Auch der iranische Historiker Arash Azizi schreibt auf der Plattform X, sollten die USA und Israel "20 oder 30 mehr Laridschanis töten", sei ein möglicher Kollaps des Systems zumindest vorstellbar.

Ist mit neuen Protesten im Iran zu rechnen?

Zu der Hoffnung, dass die Schwächung des iranischen Machtapparats die Bevölkerung dazu bewegen könnte, erneut auf die Straße zu gehen, sagt Citrinowicz: "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering." Netanjahus Aufrufe zum Aufstand wurden von vielen Iranerinnen und Iranern als zynisch empfunden. Denn der iranische Sicherheitsapparat hat bereits angekündigt, mit voller Härte gegen neue Proteste vorzugehen. Es besteht daher die Gefahr, dass Demonstranten erneut brutal niedergeschlagen werden.

Droht eine noch radikalere Führung nach dem Krieg?

Der Iran-Experte Citrinowicz warnt, dass der Krieg nicht nur sein Ziel verfehlen, sondern auch zu einer weiteren Radikalisierung der iranischen Führung führen könnte. Laridschani sei moderater gewesen als etwa Wahidi. Seine Tötung könnte die stärkere Fraktion im Iran festigen.

Auch Experte Azizi hält selbst bei einem Machtwechsel eine Nachfolge aus dem bestehenden System für wahrscheinlich. Diese könnte einen neuen autoritären Staat führen, aber möglicherweise auch eine Form der Zusammenarbeit mit Israel und den USA entwickeln.

Citrinowicz geht hingegen davon aus, dass das iranische System geschwächt, aber zugleich radikaler aus dem Krieg hervorgehen und Israel "in Zukunft noch mehr Probleme bereiten" könnte als zuvor. Dazu gehöre auch die Möglichkeit einer atomaren Aufrüstung.

"Wenn wir in ein oder zwei Jahren zurückblicken auf den Krieg, kann es gut sein, dass wir sagen, dass er nicht erfolgreich war, weil er den Iran zwar beschädigt, in der Atom-Frage aber über den Rubikon gedrängt hat", warnt der Experte.

Israel müsse daher sorgfältig abwägen, ob es weiterhin den Sturz der Führung anstreben oder angesichts "schrumpfender Erfolge" gemeinsam mit den USA den optimalen Zeitpunkt für einen Ausstieg aus dem Krieg suchen sollte. Die Vereinbarung eines Waffenstillstands dürfte jedoch aufgrund des tiefen gegenseitigen Misstrauens äußerst schwierig bleiben.

Unsichere Perspektiven trotz militärischer Erfolge

Israels militärische Strategie gegenüber Iran und der Hisbollah zeigt kurzfristige Erfolge, insbesondere durch gezielte Angriffe auf zentrale Akteure und militärische Strukturen. Dennoch bleiben erhebliche Zweifel an der langfristigen Wirksamkeit. Experten betonen, dass der iranische Machtapparat widerstandsfähig ist und selbst nach schweren Verlusten stabil bleiben könnte. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass der Konflikt eine weitere Radikalisierung der Führung in Teheran begünstigt und neue Spannungen erzeugt. Auch ein möglicher Ausbau des Atomprogramms könnte die Lage verschärfen. Insgesamt bleibt offen, ob Israels Vorgehen tatsächlich zu mehr Sicherheit führt oder langfristig neue Risiken schafft.

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