Wirtschaft

Verkaufsverbot in Deutschland: Universal Robots bremst chinesische Konkurrenz aus

Der Druck auf Europas Robotik-Industrie wächst, während chinesische Anbieter mit aggressiver Expansion auf den deutschen Markt drängen. Wie stark gerät Universal Robots dadurch unter Zugzwang und was bedeutet das für Deutschland als Technologiestandort?
23.04.2026 06:03
Lesezeit: 3 min
Verkaufsverbot in Deutschland: Universal Robots bremst chinesische Konkurrenz aus
Das Verkaufsverbot gegen Elite Robots in Deutschland stärkt die Position von Universal Robots im Robotiksektor und verschärft den Wettbewerb mit der chinesischen Konkurrenz (Foto: iStock.com, Golffywatt) Foto: Golffywatt

Chinesischer Robotik-Konkurrent in Deutschland gestoppt

Universal Robots hat in einem Rechtsstreit um die Verletzung von Urheberrechten an seiner Software einen wichtigen Erfolg erzielt. Das chinesische Unternehmen Elite Robots darf seine Roboter in Deutschland damit vorerst nicht mehr verkaufen.

Ein Gericht in Hamburg hat Elite Robots den Vertrieb von Robotern in Deutschland untersagt. In dem Verfahren geht es um Rechte an einem Roboterarm des auf Fünen gegründeten Unternehmens Universal Robots.

Wie Universal Robots gegenüber Børsen mitteilte, folgt die Entscheidung auf eine Klage gegen den schnell wachsenden chinesischen Hersteller. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, den in Dänemark entwickelten Roboterarm sowie die dahinterstehende Software kopiert zu haben.

„Wenn der chinesische Konkurrent eine Million Entscheidungen getroffen hat, dann sind 990.000 davon identisch mit unseren“, sagte Entwicklungschef David Brandt bei einem Besuch im Entwicklungskeller unter der Konzernzentrale in Odense zu Børsen.

Analyse eines Konkurrenzprodukts

Dort haben Ingenieure von Universal Robots einen Roboterarm von Elite Robots gekauft und untersucht. Nach Darstellung des Unternehmens sollte so nachvollzogen werden, in welchem Umfang technische und softwareseitige Übereinstimmungen bestehen.

„Wir sind nicht gegen Wettbewerb. Wir sind dagegen, dass jemand unsere Technologie stiehlt und sich dadurch einen unrechtmäßigen Wettbewerbsvorteil verschafft, weil die Entwicklungskosten nicht selbst getragen werden müssen“, sagte Brandt.

Das gerichtliche Verbot bedeutet, dass die deutsche Tochtergesellschaft von Elite Robots die umstrittene Software mit sofortiger Wirkung in Deutschland weder vermarkten noch verkaufen darf. Davon betroffen sind damit auch jene Roboter, in denen diese Software eingesetzt wird.

Zugleich wurde das Unternehmen verpflichtet, Angaben über das Ausmaß der Verkäufe zu machen. Dazu gehört auch die Offenlegung, welche Kunden die Produkte bereits erhalten haben.

Vorläufige Entscheidung mit Signalwirkung

Elite Robots wollte die konkreten Vorwürfe im vergangenen Monat nicht kommentieren. Das Unternehmen teilte Børsen mit, man bedauere, sich derzeit wegen fehlender Unterlagen nicht weiter äußern zu können.

Angestoßen wurde das Verfahren vom börsennotierten US-Konzern Teradyne, dem die dänischen Robotik-Unternehmen Universal Robots und Mobile Industrial Robots gehören. Die Entscheidung ist zwar noch vorläufig, wird in der Robotersparte des Konzerns aber als wichtiges Signal gewertet.

„Wir sind mit dieser Entscheidung selbstverständlich zufrieden. Wir sind überzeugt, dass wir unbestreitbare Beweise für die Verletzung unserer Urheberrechte haben. Auch wenn dies noch nicht die endgültige Entscheidung ist, ist es ein klarer Hinweis darauf, dass wir einen starken Fall haben“, erklärte Konzernchef Jean-Pierre Hathout.

Der Fall kommt zu einem Zeitpunkt, an dem europäische Roboterhersteller sowohl in China als auch international unter wachsenden Druck durch chinesische Anbieter geraten. Der Wettbewerb verschärft sich damit nicht nur technologisch, sondern auch strategisch.

Chinas Aufstieg setzt Europa unter Druck

Nach Angaben des Branchenverbands IFR entfielen im vergangenen Jahr 54 Prozent aller weltweit neu installierten Industrieroboter auf China. In Europa ging die Zahl dagegen zurück.

Diese Entwicklung zeigt sich auch bei der Roboterdichte. China kommt inzwischen auf 470 Roboter je 10.000 Beschäftigte in der Industrie und liegt damit vor klassischen Industrieländern wie Deutschland und Japan.

Zum Vergleich lag die gesamte Roboterdichte Europas im Jahr 2023 bei 219. Für europäische Hersteller ist das mehr als eine Statistik, denn es verweist auf eine strukturelle Verschiebung im globalen Robotikmarkt.

Jean-Pierre Hathout sieht die Klage deshalb als notwendige Gegenreaktion auf eine Entwicklung, die Europas technologische Position schwächen könnte. Bereits im Februar warnte er im Gespräch mit Børsen davor, dass chinesische Hersteller mit niedrigen Preisen in den Markt drängen und dabei nicht auf Profitabilität achten.

Konflikt um Marktanteile und Industriestrategie

„Was wir derzeit sehen, ist, dass sie alles daransetzen, in Europa Fuß zu fassen und ihre Produkte in den Markt zu drücken. Sie akzeptieren, kein Geld zu verdienen, nur um ihren Marktanteil zu erhöhen“, sagte Hathout.

Auch die EU-Kommission erkennt inzwischen eine systemische Konkurrenz zu China. Auf einer Konferenz im Februar sprach die geschäftsführende Vizepräsidentin Henna Virkkunen von einem Wettbewerb auf Systemebene, in dem Rivalen durch koordinierte Industriestrategien mit bislang beispielloser Geschwindigkeit skalieren könnten.

Für die Kommission ist die entstandene Lücke deshalb auch eine Frage technologischer Souveränität. Beim möglichen Preisdumping verweist Brüssel jedoch darauf, dass die Industrie selbst aktiv werden müsse.

Wenn sich die europäische Industrie durch unfaire Handelspraktiken geschädigt sehe, könne sie Beschwerde einlegen, erklärte die Kommission gegenüber Børsen. Damit bleibt der politische Handlungsdruck bestehen, ohne dass die EU den Unternehmen die juristische Auseinandersetzung abnimmt.

Juristische Ausweitung auf Europa denkbar

Teradyne Robotics macht zugleich deutlich, dass der Konflikt mit dem Hamburger Verbot nicht beendet sein muss. Das Unternehmen arbeitet daran, die Maßnahme auf weitere europäische Märkte auszuweiten. Darüber hinaus zieht der Konzern rechtliche Schritte gegen Distributoren und Händler in Europa in Betracht, falls diese die Produkte weiterhin anbieten. Der Fall könnte damit über Deutschland hinaus zu einem Präzedenzfall werden.

Parallel dazu hat die Unternehmensgruppe mehrere Sicherheitsbehörden über mögliche Sicherheitsprobleme bei Robotern von Elite Robots informiert. Auch dieser Aspekt dürfte die Diskussion zusätzlich verschärfen.

Für Deutschland ist der Fall von besonderer Bedeutung, weil die heimische Industrie wie kaum eine andere in Europa auf Automatisierung, Maschinenbau und geschützte Spitzentechnologie angewiesen ist. Wenn sich der Wettbewerbsdruck aus China weiter erhöht und juristische Konflikte um Software, Patente und Industriestrategien zunehmen, betrifft das nicht nur einzelne Hersteller, sondern den gesamten deutschen Industriestandort.

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