Wirtschaft

Lidl vor weiterem Ausbau: Einstieg in den EU-Mobilfunkmarkt geplant

Lidl drängt mit neuen Mobilfunkplänen in einen Markt, der bislang von etablierten Anbietern geprägt ist. Kann die Schwarz Gruppe mit günstigen Tarifen und ihrer großen Kundenbasis den Wettbewerb in Europa spürbar verschärfen?
22.04.2026 07:32
Lesezeit: 4 min
Lidl vor weiterem Ausbau: Einstieg in den EU-Mobilfunkmarkt geplant
Lidl treibt den Einstieg in den Mobilfunk voran und will mit der Schwarz Gruppe den Wettbewerb auf dem europäischen Mobilfunkmarkt verschärfen (Foto: dpa) Foto: Jacek Politowski

Lidl drängt in den europäischen Mobilfunkmarkt

Der Discounter Lidl will sich ein neues Geschäftsfeld erschließen und künftig auch Mobilfunkdienste anbieten. Wie die Financial Times berichtet, plant die zur Schwarz Gruppe gehörende Handelskette, mit günstigen Tarifen in insgesamt 30 Ländern an den Start zu gehen.

Noch in diesem Jahr soll das Angebot in mehreren weiteren Märkten eingeführt werden. Neben Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo entsprechende Dienste bereits verfügbar sind, nennt das Unternehmen auch das Vereinigte Königreich, die USA, Frankreich und Spanien als Zielmärkte. In welcher Reihenfolge der Start erfolgen soll, ließ Lidl offen.

Nach Einschätzung der Financial Times könnte der Konzern mit preisgünstigen Tarifen neuen Druck auf etablierte Telekommunikationsanbieter ausüben. Lidl würde sich damit in eine Reihe von Unternehmen einordnen, die ihr bestehendes Kundengeschäft nutzen, um zusätzliche digitale Dienstleistungen aufzubauen.

Neue Erlöse über digitale Kundenzugänge

Zu diesen neuen Wettbewerbern zählen auch Fintechs wie Revolut, Klarna und N26. Revolut bietet bereits mobile Datentarife in mehr als 100 Ländern an. Dabei handelt es sich allerdings nur um einen Datendienst ohne Telefonnummer, Telefonate oder SMS, der über die App aktiviert wird.

Für solche Anbieter ist der Mobilfunk vor allem deshalb interessant, weil sich damit neue Erlösquellen erschließen lassen. Zugleich kann die Kundenbindung gestärkt werden, wenn weitere Dienste direkt in die eigene App eingebunden werden. Lidl will sein Angebot über Lidl Plus vertreiben. Nach Unternehmensangaben nutzen mehr als 100 Millionen Menschen diese Anwendung.

Julian Beer, Chef von Lidl International, sagte der Financial Times, der Schritt solle Millionen Kunden einen einfachen und bequemen Zugang zu Mobilfunkdiensten ermöglichen. Für den Konzern ist das Angebot damit weit mehr als ein Zusatzprodukt. Es ist Teil eines größeren digitalen Ausbaus rund um die eigene Kundenplattform.

Schwarz Gruppe setzt auf das Modell ohne eigenes Netz

Die Eigentümerin von Lidl, die Schwarz Gruppe, hat dazu eine Vereinbarung mit dem Mobilfunkanbieter 1GLOBAL geschlossen. Diese soll es dem Handelskonzern ermöglichen, als virtueller Mobilfunknetzbetreiber aufzutreten.

Solche Anbieter greifen auf die Netze großer Telekomunternehmen zurück und müssen daher keine eigene Infrastruktur errichten. Genau darin liegt der wirtschaftliche Reiz dieses Modells. Der Markteintritt ist deutlich günstiger und schneller als der Aufbau eines eigenen Mobilfunknetzes.

Kester Mann, Analyst beim britischen Technologieberatungsunternehmen CCS Insight, sagte der Financial Times, dass der Einstieg von Lidl in neue Märkte den Wettbewerbsdruck auf bestehende Betreiber erhöhen werde. Diese sähen sich schon heute nicht nur mit klassischer Telekomkonkurrenz, sondern zunehmend auch mit Anbietern aus dem Finanz- und Plattformgeschäft konfrontiert.

Ein weiterer Baustein der Digitalstrategie

Im Rahmen der Vereinbarung mit 1GLOBAL wird die Schwarz Gruppe 9,9 Prozent der Anteile an dem Unternehmen erwerben. 1GLOBAL verfügt über Telekomlizenzen und Partnerschaften in zwölf Ländern. Der Schritt in den Mobilfunk ist Teil einer umfassenderen Strategie.

Rund um die 14.000 Filialen von Lidl und Kaufland baut die Schwarz Gruppe seit Jahren ein breiteres digitales Ökosystem auf. Mit der Sparte Schwarz Digits ist der Konzern bereits in den Bereichen Cloud und Cybersicherheit aktiv und investiert zudem in KI-Start-ups.

Der Mobilfunk fügt sich damit in ein Modell ein, bei dem Reichweite, Kundenzugang und digitale Infrastruktur stärker wirtschaftlich genutzt werden sollen. Aus dem klassischen Handelsunternehmen wird auf diese Weise zunehmend ein Anbieter, der mehrere Dienstleistungen über eine gemeinsame Plattform bündelt.

Litauen bleibt vorerst ohne konkreten Starttermin

Wann das Angebot in Litauen eingeführt wird, ist bislang unklar. Lina Skersytė, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit von Lidl Lietuva, erklärte, dass die Treue-App Lidl Plus derzeit in 30 Lidl-Ländern genutzt werde, darunter auch in Litauen.

Sie sagte, man hoffe, dass sich der neue Dienst Lidl Connect, der gemeinsam mit 1GLOBAL entwickelt werde, in Zukunft ebenfalls auf alle Lidl-Märkte ausweiten lasse. Derzeit bietet Lidl Telekomdienste in Deutschland, der Schweiz und Österreich an, dort bislang jedoch nur als Vertriebspartner.

Künftig soll dieses Modell durch ein eigenes Angebot als virtueller Mobilfunknetzbetreiber ersetzt werden. Nach Angaben von Skersytė eröffnet das sowohl für bestehende als auch für neue Lidl-Partner zusätzliche Wachstumschancen.

Harter Wettbewerb auf dem litauischen Markt

Paulius Černiauskas, Marketingdirektor des Digitaldienstleisters Bitė Lietuva, sagte gegenüber VŽ, dass der Wettbewerb auf dem litauischen Mobilfunkmarkt besonders intensiv sei. Die Dienste seien dort nicht nur qualitativ hochwertig, sondern im europäischen Vergleich auch sehr günstig.

Gemessen am Preis pro Megabyte gehört Litauen zu den günstigsten Mobilfunkmärkten Europas. Gerade deshalb wäre der Eintritt eines neuen Anbieters nach seiner Einschätzung mit hohen Kosten verbunden. Wer vollwertige Telekomdienste anbieten wolle, brauche zudem einen lokalen Partner mit Lizenzen und bereits getätigten milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur.

Černiauskas betonte zugleich, dass Bitė den Wettbewerb begrüße und vom eigenen Wertangebot überzeugt sei. Auch Asta Buitkutė, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit von Tele2, erklärte, dass dieses Geschäftsmodell international keineswegs neu sei.

Frühere Handelsmodelle liefern einen Hinweis

Buitkutė erinnerte daran, dass es in Litauen bereits vor rund zwei Jahrzehnten Versuche von Handelsketten gegeben habe, in das Telekomgeschäft einzusteigen. Wettbewerb sei grundsätzlich positiv, sagte sie, und Tele2 sehe keinen Anlass, solche Entwicklungen mit Sorge zu betrachten.

Im Geschäft der virtuellen Mobilfunkanbieter war in Litauen bereits Maxima aktiv. Wie VŽ damals berichtete, nutzten die Kunden von TeleMaxima das Netz von Bitė. Im Jahr 2014 erklärte Dmitrijus Jurgelevičius, damals Einkaufsdirektor für Non-Food und Dienstleistungen bei Maxima LT, das Unternehmen wolle sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren, also auf den Handel.

Gerade dieser Rückblick zeigt, wie stark sich die strategische Sicht im Einzelhandel verändert hat. Was früher eher als Nebengeschäft galt, wird heute von großen Handelsgruppen zunehmend als sinnvoller Bestandteil eines breiteren digitalen Angebots verstanden.

Deutschlands Telekommunikationsmarkt gerät unter Druck

Für Deutschland ist diese Entwicklung besonders relevant, weil Lidl hier auf einen großen Kundenstamm und eine hohe Markenpräsenz zurückgreifen kann. Wenn ein Konzern mit dieser Reichweite den Mobilfunk enger mit seinem Handelsgeschäft verknüpft, dürfte das auch den Wettbewerbsdruck auf dem deutschen Mobilfunkmarkt erhöhen.

Für etablierte Anbieter ist das ein weiteres Signal, dass neue Konkurrenz längst nicht mehr nur aus der eigenen Branche kommt. Gerade in Deutschland zeigt der Vorstoß der Schwarz Gruppe, wie eng Handel, digitale Kundenplattformen und Telekommunikation künftig miteinander verbunden sein könnten.

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