Wirtschaft

Energiewende in China: Peking überholt Europas Tempo bei sauberer Energie

China dreht beim Umbau seines Energiesystems massiv auf. Mit einem radikalen Ausbau von erneuerbaren Energien und Kernkraft setzt Peking neue Maßstäbe. Während Europa noch ringt, könnte China schneller zur dominierenden Energie- und Industrienation werden.
21.04.2026 05:55
Lesezeit: 2 min
Energiewende in China: Peking überholt Europas Tempo bei sauberer Energie
Der chinesische Ausbau von Atomkraft und erneuerbaren Energien erhöht den Druck auf Europa und verändert Märkte. (Foto: dpa | epa Wang) Foto: epa Wang

China treibt Energiewende voran: Ausbau sauberer Energie deutlich beschleunigt

China will die Produktion von Energie aus nichtfossilen Quellen in den kommenden Jahren massiv steigern. Wang Changlin, stellvertretender Vorsitzender der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, erklärte, das Land werde die Versorgung mit sauberer Energie bereits bis zum Jahr 2030 deutlich ausweiten. Anschließend soll sie bis 2035 im Vergleich zum Niveau von 2025 verdoppelt werden. Das berichten unsere Kollegen von Puls Biznesu. Eine zentrale Rolle spielen dabei groß angelegte Infrastrukturinvestitionen. Dazu zählen sowohl umfangreiche Wasserkraftprojekte in Tibet als auch der gezielte Ausbau erneuerbarer Energien in Wüstenregionen. Diese Maßnahmen sollen die Verfügbarkeit sauberer Energie erhöhen und gleichzeitig die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren.

Energiewende in China: Neue Ziele gehen über bisherige Klimapläne hinaus

Die Ankündigungen sind Teil eines umfassenden Zehnjahresplans, der im aktuellen 15. Fünfjahresplan skizziert wurde. Bislang fehlten jedoch konkrete Details zur Umsetzung, insbesondere zur Frage, ob sich die Ziele auf installierte Kapazitäten oder auf die tatsächliche Energieproduktion beziehen. Analysten gehen davon aus, dass die Verdopplung der Nutzung nichtfossiler Energie innerhalb eines Jahrzehnts deutlich ambitionierter ist als frühere Zielsetzungen. Bisher hatte China geplant, den Anteil dieser Energiequellen am Gesamtverbrauch bis 2025 auf 25 Prozent und bis 2035 auf 30 Prozent zu erhöhen. Nach aktuellen Berechnungen könnte das Land bei einem jährlichen Anstieg des Energiebedarfs von etwa 2,5 Prozent bereits im Jahr 2029 einen Anteil von rund 29 Prozent erreichen. Dies deutet darauf hin, dass China seine Energiewende schneller vorantreiben könnte als bislang offiziell kommuniziert.

Energiewende in China: Kernenergie wird zum stabilen Fundament

Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist der Ausbau der Kernenergie. Sie soll eine stabile und emissionsfreie Stromversorgung rund um die Uhr gewährleisten und damit die schwankende Einspeisung aus erneuerbaren Quellen ausgleichen. Für das Jahr 2026 ist die Inbetriebnahme von sieben neuen Kernreaktoren geplant. Derzeit betreibt China 60 kommerzielle Reaktoren, während sich weitere 36 im Bau befinden. Damit verfügt das Land über das weltweit größte Ausbauprogramm im Nuklearbereich. Zusätzlich wurden im laufenden Jahr zwei neue Projekte gestartet. Die Regierung strebt an, die installierte Kernkraftkapazität bis 2030 auf 110 Gigawatt zu erhöhen. Das entspricht einem Zuwachs von 76 Prozent gegenüber dem Stand zum Ende des vergangenen Jahres. Diese Zahlen unterstreichen die strategische Bedeutung der Kernenergie als verlässlicher Pfeiler der chinesischen Energiewende.

Im europäischen Kontext, insbesondere für Deutschland, lässt sich aus den aktuellen Entwicklungen vor allem ein struktureller Wettbewerbsaspekt ableiten. Während China seine Energieinfrastruktur massiv ausbaut und auf Versorgungssicherheit sowie Kostenstabilität setzt, steht die deutsche Energiewende weiterhin vor Herausforderungen bei Netzausbau, Speicherkapazitäten und industrieller Wettbewerbsfähigkeit.

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