Panorama

White House Correspondents Association: Sicherheitslücken bei Trump-Gala sorgen für Kritik

Schüsse bei einer Gala mit Donald Trump erschüttern Washington und werfen drängende Fragen zur Sicherheit auf. Hochrangige Politiker waren anwesend, doch offenbar fehlten entscheidende Schutzmaßnahmen bei der White House Correspondents Association. Wie konnte es zu diesem Vorfall kommen – und wer trägt die Verantwortung?
27.04.2026 16:11
Lesezeit: 3 min

White House Correspondents Association: Debatte um Sicherheitskonzept nach Schüssen in Washington

Der Angriff auf eine Gala mit Präsident Donald Trump und zahlreichen Regierungsvertretern hat eine Diskussion über die Sicherheitsstrategie der Veranstaltung entfacht. Auch der US-Kongress befasst sich inzwischen damit. Unterdessen soll der mutmaßliche Täter heute einem Haftrichter vorgeführt werden. Wie die "Washington Post" unter Berufung auf ungenannte Quellen berichtete, bewertete die Regierung das Event nicht mit der Sicherheitsstufe, die für vergleichbare Treffen hochrangiger Amtsträger üblich ist. Dadurch seien nicht sämtliche verfügbaren Ressourcen eingesetzt worden.

Der einflussreiche republikanische Senator Chuck Grassley setzte eine Anhörung an, um sich vom Secret Service das Sicherheitskonzept erläutern zu lassen. Neben Trump befanden sich bei der Veranstaltung auch Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth sowie zahlreiche weitere Regierungsvertreter im Saal. Auch Mike Johnson, Vorsitzender des Repräsentantenhauses, der in der staatlichen Rangfolge hinter dem Präsidenten und dessen Vize steht, war anwesend.

Trump-Anhängerin Lake: Laxe Sicherheitsmaßnahmen

"Ich kann kaum glauben, wie lax die Sicherheitsvorkehrungen heute Abend beim White House Correspondents' Dinner waren", schrieb MAGA-Aktivistin Kari Lake auf der Plattform X. Es habe "praktisch keine Sicherheit" gegeben, legte sie später nach.

Der Täter, laut Medienberichten ein 31 Jahre alter Mann aus Kalifornien, stürmte beim Gala-Dinner mit der Hauptstadtpresse am Samstagabend (Ortszeit) schwer bewaffnet durch einen Kontrollpunkt des Secret Service, bevor er von Beamten gestoppt wurde. Der Verdächtige selbst soll sich laut Berichten in einem Manifest über die lockeren Standards gewundert haben.

Tatsächlich mussten Gäste erst unmittelbar vor dem Ballsaal, in dem das Dinner stattfand, durch eine Sicherheitsschleuse gehen und nicht bereits beim Betreten des Hilton Hotels. Der geschäftsführende Justizminister Todd Blanche verteidigte das Konzept. Er sagte dem Sender NBC News, die Maßnahmen hätten wie vorgesehen funktioniert. Der Angreifer sei kaum über die Schleuse hinausgekommen.

Mit Blick auf eine Wiederholung des Gala-Abends kündigte der Chef der Bundespolizei, Kash Patel, eine Überarbeitung des Konzepts an. Für die Neuauflage des Dinners zeigte er sich optimistisch, dass die zuständigen Behörden die Sicherheitsmaßnahmen "komplett anders" angehen würden, sagte er im Gespräch mit dem US-Sender Fox News. Dafür stehe er bereits im Austausch mit dem Heimatschutzministerium und dem Secret Service.

Angreifer soll vor einem Bundesrichter erscheinen

Der Angreifer soll heute in der Hauptstadt Washington einem Haftrichter vorgeführt werden. Ihm wird die Verwendung einer Schusswaffe bei einer Gewalttat sowie tätlicher Angriff auf einen Bundesbeamten unter Einsatz einer gefährlichen Waffe vorgeworfen. Weitere Anklagepunkte könnten später folgen.

Manifest soll er mit "Freundlicher Bundes-Attentäter" unterschrieben haben

Unklar bleibt weiterhin das genaue Motiv des Täters. Nach Angaben Trumps hatte der Mann ein Manifest mit antichristlichen Positionen verfasst. "Wenn man sein Manifest liest, merkt man, dass er Christen hasst. Das steht fest, er hasst Christen", sagte Trump dem Sender Fox News. US-Medien zitieren Auszüge aus dem Text des Angreifers mit religiösen Bezügen. Demnach habe der Täter mit Kritik gerechnet, seine Tat sei nicht mit christlichen Lehren vereinbar.

Der amtierende Justizminister erklärte, der Schütze habe vermutlich Regierungsmitglieder ins Visier genommen. Das deckt sich mit Medienberichten über das Manifest des Täters. Demnach schrieb der Angreifer in seinem gut 1.000-Worte langen Dokument: "Regierungsvertreter (mit Ausnahme von Herrn Patel): Sie sind Ziele, priorisiert vom ranghöchsten bis zum rangniedrigsten." Mit "Herrn Patel" ist vermutlich FBI-Direktor Kash Patel gemeint - warum dieser ausdrücklich ausgenommen werde, gehe aus dem Manifest jedoch nicht hervor.

Trump werde im Dokument an keiner Stelle namentlich erwähnt. Laut "New York Times" schrieb der Angreifer, er sei nicht länger bereit zu akzeptieren, dass "ein Verräter" seine Hände mit Verbrechen beschmutze. Mitarbeiter des Secret Service seien "nur dann Ziele, wenn es unbedingt notwendig sei". Gäste und Hotelangestellte seien "überhaupt keine Ziele". Unterzeichnet habe der Täter sein Manifest mit "Freundlicher Bundes-Attentäter".

Die "New York Post" veröffentlichte den Text vollständig. Andere US-Zeitungen zitierten einzelne Passagen.

Politische Gewalt rückt erneut in den Fokus

Der Vorfall im Hilton weckte düstere Erinnerungen an ein blutiges Ereignis vor 45 Jahren. Damals wurde dort ein Attentat auf den damaligen Präsidenten Ronald Reagan verübt, das er schwer verletzt überlebte.

Auch Trump war mehrfach Ziel von Attentatsversuchen. Im Sommer 2024 entging der damalige Präsidentschaftskandidat nur knapp dem Tod, als ein Attentäter bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler im Bundesstaat Pennsylvania auf ihn schoss. Eine Kugel verletzte ihn leicht am Ohr. Ein Besucher starb, zwei wurden verletzt. Der Täter wurde von Sicherheitskräften erschossen.

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