Politik

VW-Aktie: Volkswagen im Abwärtsstrudel – Radikalkurs gegen Milliarden-Verlust

Der Abwärtstrend bei Europas größtem Automobilhersteller setzt sich unvermindert fort: Volkswagen kämpft zum Jahresauftakt 2026 mit massiven Gewinneinbußen von fast 30 Prozent. Die Anleger reagieren besonnen auf die erneuten Hiobsbotschaften: Nach einem schwachen Handelsauftakt drehte die VW-Aktie am Donnerstagnachmittag ins Plus.
30.04.2026 14:15
Lesezeit: 4 min

VW-Aktie: Anleger bleiben ruhig trotz Milliardenminus zum Jahresauftakt

Der Volkswagen-Konzern ist mit einem erneuten Gewinnrückgang ins Jahr 2026 gestartet. In den Monaten Januar bis März ging das Konzernergebnis nach Steuern um 28,4 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro zurück, wie das Unternehmen in Wolfsburg mitteilte. Bereits im Vorjahreszeitraum hatte VW einen herben Rückgang von 41 Prozent verbuchen müssen, was die Schwere der anhaltenden Flaute verdeutlicht.

Auch beim Umsatz musste der Konzern Federn lassen: Dieser schrumpfte um 2,5 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro. Besonders besorgniserregend bleibt die operative Umsatzrendite, die mit 3,3 Prozent weiter unter den Vorjahreswert rutschte. Konzernchef Oliver Blume machte für die schwierige Lage ein Bündel an Faktoren verantwortlich: „Kriege, geopolitische Spannungen, Handelsbarrieren, verschärfte Regulatorik und ein harter Wettbewerb sorgen für Gegenwind.“

Zum Start in den Donnerstagshandel an der Frankfurter Börse sah es zunächst nach weiteren Kursverlusten für die VW-Aktie aus. Doch die Anleger schauten sich die Zahlen ganz genau an - und reagierten besonnen auf den heftigen Gewinneinbruch - auch dank positiver Analystenstimmen: Am Nachmittag dreht der VW-Aktienkurs ins Plus und verbuchte auf XETRA zeitweise Gewinne in Höhe von einem Prozent.

China-Modelle und Rüstung sollen Auslastung verbessern

Um seine Werke in Europa besser auszulasten, zeigte sich Blume offen für die Idee, an den hiesigen Standorten auch Modelle aus China zu bauen. „Wir werden prüfen, ob es in Europa Absatzmöglichkeiten für unsere chinesischen Autos gibt“, sagte Blume. In Betracht kämen die eigenen Modelle, die VW in China speziell für den dortigen Markt entwickelt hat und die dort in diesem Jahr anlaufen. Bisher handle es sich dabei aber nur um mögliche Optionen, konkret geplant oder vereinbart sei bisher nichts. Zunächst gehe es darum, dass die neuen Modelle in China erfolgreich anlaufen.

Chancen sieht Blume auch im Bereich Rüstung - vor allem für das Werk Osnabrück. „Wir führen konstruktive Gespräche mit der Rüstungsindustrie“, sagte Blume. Und die seien bereits „weit fortgeschritten“. Für Osnabrück, wo im kommenden Jahr die Autoproduktion ausläuft, sei das derzeit „der erste Ansatz“. Bis Jahresende rechne er hier mit einer Entscheidung.

Blume schließt Waffenproduktion aus

Zu Berichten über Gespräche mit Rafael aus Israel wollte sich Blume nicht äußern. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Bastian Ernst hatte zuvor berichtet, es gebe Gespräche zwischen Rafael und Volkswagen. Berichten zufolge könnte in Osnabrück künftig Komponenten rund um das Flugabwehr-System „Iron Dome“ entstehen, das Rafael in Israel herstellt.

Die Produktion von Waffen schloss Blume aber aus. „Volkswagen wird am Ende nicht auf Waffen setzen.“ Er denke eher an Fahrzeuge für den militärischen Transport. Sollte das in Osnabrück funktionieren, könnte es später auch eine Option für weitere Standorte werden, etwa für Zwickau. „Entschieden ist nichts“, sagte Blume. „Aber Verteidigung ist interessant, und wir werden dort erste Erfahrungen sammeln.“

Das könnte dann auch helfen, Überkapazitäten bei den Autos abzubauen. Bis 2030 will Blume die Kapazität seiner europäischen Werke um weitere 500.000 Fahrzeuge senken - zusätzlich zum bereits laufenden Kapazitätsabbau um eine Million Fahrzeuge bis 2028.

USA und China drücken auf Verkaufszahlen

Der VW-Konzern leidet unter schwachen Verkaufszahlen vor allem in China und den USA. Weltweit drückte das die Zahl der Auslieferungen im Konzern in den Monaten Januar bis März auf nur noch 2,05 Millionen Fahrzeuge aller Konzernmarken, 4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Vor allem in China und Nordamerika gingen die Auslieferungen zurück. Zuwächse in Europa konnten das nicht ausgleichen.

Die Sparbemühungen des Konzerns zeigten aber Wirkung, hieß es. „Unsere Kostenarbeit trägt Früchte“, sagte Blume. „Das finanzielle Ergebnis zeigt gleichzeitig: Um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und nachhaltig zu stärken, müssen wir unser Geschäftsmodell konsequent weiterentwickeln.“

Denn, so sagte Finanzvorstand Arno Antlitz: Seit dem Start der Sparprogramme 2024 habe sich die Welt verändert. „Zölle sind hinzugekommen, der Wettbewerb in China verschärft sich weiter und chinesische Anbieter exportieren zunehmend Wettbewerbsdruck nach Europa.“ Allein die US-Zölle „belasten uns mit rund 4 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich“, so Antlitz. In diesem Umfeld reichten die bisher geplanten Kostensenkungen nicht aus.

VW stellt Geschäftsmodell auf den Prüfstand

Der Konzern hat bereits Anfang der Woche angekündigt, seine Sparbemühungen zu verstärken. Am Dienstag hatte der Vorstand das eigene Management informiert: Im derzeitigen Umfeld reichten die bislang geplanten Kostensenkungen nicht aus, hieß es. Der Konzern müsse sein Geschäftsmodell grundlegend verändern. Dem Umfeld will VW mit seiner neuen Strategie 2030 begegnen und sich neu aufstellen.

Unter anderem soll die Zahl der Modelle und Modellvarianten deutlich abnehmen, kündigte Blume an. Bisher seien es konzernweit rund 150. Diese Zahl solle im zweistelligen Prozentbereich sinken - also um mindestens 10 Prozent, so Blume.

„Die Volkswagen Group hat eine starke Substanz“, wurde Blume zitiert. „Allerdings verdienen wir heute nicht genügend Geld mit unseren Fahrzeugen, um unsere Zukunft nachhaltig zu finanzieren.“ Am Montag hatte der Aufsichtsrat über einen Bericht des Vorstands zum Sanierungsprogramm und zum Stand der Sparbemühungen beraten.

Porsche und Traton belasten

Belastet wurde das Konzernergebnis auch durch die schwachen Zahlen, die Porsche vorgelegt hat. Von Januar bis März ging dort der Gewinn nach Steuern um fast ein Viertel zurück. Auch die Lkw-Tochter Traton mit den Marken MAN und Scania hatte wegen hoher Sondereffekte bereits einen Gewinneinbruch gemeldet. Unter dem Strich sackte der auf die Aktionäre entfallende Nettogewinn dort um über die Hälfte ab.

Hinzu kamen Belastungen aus den USA: Die dortigen Zölle kosteten den Konzern im ersten Quartal 600 Millionen Euro. Weitere 500 Millionen Euro fallen für die Einstellung der E-Auto-Produktion in den USA an. VW hatte im April im Werk Chattanooga die Produktion des E-Autos ID.4 gestoppt und will dort nun wieder mehr Verbrenner bauen.

Im vergangenen Jahr war der Gewinn des VW-Konzerns um knapp die Hälfte eingebrochen. Im Vergleich zum Vorjahr sank das Konzernergebnis nach Steuern 2025 um rund 44 Prozent. Auch Umsatz und Absatz gingen zurück. Für 2026 strebt der Konzern wieder mehr Profitabilität an - bei bis zu drei Prozent mehr Umsatz.

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