Wirtschaft

Teuerung in der Eurozone: Iran-Krieg treibt Inflationsrate auf 3,0 Prozent

Der Ölpreisschub infolge des Iran-Krieges hat die Inflation im Euroraum im April massiv angeheizt. Nach ersten Schätzungen des Statistikamtes Eurostat stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 3,0 Prozent, nachdem die Rate im März noch bei 2,6 Prozent gelegen hatte. Damit entfernt sich die Teuerung weiter vom Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB). Während Volkswirte diese Entwicklung bereits prognostiziert hatten, wächst der Druck auf die Währungshüter angesichts der neuen geopolitischen Lage erheblich.
30.04.2026 14:55
Lesezeit: 1 min

Energiepreise als massiver Teuerungsmotor

Der Hauptgrund für diese Entwicklung liegt in der prekären geopolitischen Lage. Die Energiepreise schossen im April im Jahresvergleich um 10,9 Prozent nach oben. Zum Vergleich: Im März hatte das Plus noch bei 5,1 Prozent gelegen, im Januar waren die Energiepreise sogar noch um 3,1 Prozent gefallen. Im Vergleich zum Vormonat März stiegen die Gesamtkosten für die Verbraucher um 1,0 Prozent an.

Während die Energie die Inflation befeuert, zeigten sich andere Bereiche stabiler:

  • Dienstleistungen: Hier schwächte sich der Preisauftrieb von 3,2 auf 3,0 Prozent ab.
  • Lebens- und Genussmittel: Diese verteuerten sich um 2,5 Prozent.
  • Industriegüter: Hier blieb der Anstieg mit 0,8 Prozent moderat.
  • Kernrate: Die um schwankungsanfällige Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kerninflation sank sogar leicht von 2,3 auf 2,2 Prozent.

Experten warnen vor Stagflation und blicken auf die EZB

„Das Stagflationsgespenst beginnt seinen Spuk“, kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP-Bank, die aktuelle Lage. Er verweist auf die gefährliche Kombination aus schwachem Wirtschaftswachstum und einer Inflationsrate, die bereits wieder in „luftiger Höhe“ angelangt sei.

Diese Gemengelage bringt die Europäische Zentralbank in eine schwierige Position. Die Finanzwelt wartet gespannt auf die Zinsentscheidung am Nachmittag. Auch wenn Ökonomen davon ausgehen, dass die EZB die Zinsen vorerst unverändert lässt, liegt das Hauptaugenmerk auf den Signalen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Sie muss den Spagat schaffen, einerseits Entschlossenheit gegen die Teuerung zu zeigen und andererseits die Konjunkturrisiken durch die hohen Energiepreise nicht zu verschärfen. An den Finanzmärkten wird bereits spekuliert: Bis zum Jahresende werden drei Leitzinserhöhungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte erwartet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autoindustrie Slowakei: Der Autoriese ohne eigene Automarke
26.09.2026

Kein anderes Land produziert gemessen an seiner Einwohnerzahl so viele Autos wie die Slowakei. Volkswagen, Kia, Porsche und Land Rover...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreichs Wirtschaft: Fünf Warnsignale vor der Präsidentenwahl
26.09.2026

Frankreichs Wirtschaft kommt kaum noch vom Fleck, während der Schuldenberg weiter wächst und Anleger höhere Zinsen verlangen....

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis im Aufwärtsmodus: Während KI träumt, verdienen Ölkonzerne Milliarden
26.09.2026

Der Ölpreis steigt rasant und stellt die Weltwirtschaft vor unbequeme Fragen. Teure Energie kann Inflation anheizen, Wachstum bremsen und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmenskultur: Was Firmen von Netflix wirklich lernen können
26.09.2026

Netflix gilt vielen Unternehmen als Vorbild für Freiheit, Verantwortung und weniger Bürokratie. Doch wer erfolgreiche Managementmodelle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota Corolla Cross im Test: Der Hybrid, der an einen Diesel erinnert
26.09.2026

Der Toyota Corolla Cross verbindet Hybridtechnik mit viel Komfort und erstaunlich niedrigem Verbrauch. In der getesteten GR-Sport-Version...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo überrascht mit neuem Chef aus Deutschland: Eine große Chance für Volvo
26.09.2026

Der Verwaltungsrat von Volvo Cars überrascht erneut mit der Wahl eines Vorstandschefs, diesmal aber mit einem unerwartet starken Namen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kampf ums Wasser: Die wasserhungrigen Industrien
26.09.2026

Sechs Zentimeter am Rheinpegel Kaub, Lieferprobleme bei BASF, schwächelnde Wasserkraftwerke: Der Dürresommer 2026 macht endgültig klar,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Irans Feigenblatt sorgt für grüne Zahlen an der Wall Street
25.09.2026

Ein unerwarteter Wendepunkt im Nahen Osten sorgt für Bewegung an den Märkten – erfahren Sie, welche Aktien jetzt besonders profitieren.