Wirtschaft

Deutschland verliert Investoren – EY schlägt Alarm

Der Standort Deutschland verliert weiter an Zugkraft: Immer weniger ausländische Unternehmen investieren hierzulande, während andere Länder vorbeiziehen. Die Wirtschaftsprüfer der Firma Ernst & Young sprechen von einem "Alarmsignal" – und sieht Bürokratie, hohe Kosten und fehlende Reformen als zentrale Bremsen.
21.05.2026 08:54
Aktualisiert: 21.05.2026 08:54
Lesezeit: 2 min

EY: Erneut weniger ausländische Investitionen in Deutschland

Laut einer Auswertung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young haben ausländische Unternehmen erneut weniger Investitionsprojekte in Deutschland angekündigt. EY wertet dies als "Alarmsignal für den Standort". Deutschland werde zunehmend abgehängt.

Ausländische Unternehmen haben im vergangenen Jahr erneut weniger Investitionsprojekte in Deutschland angekündigt. Das geht aus einer Auswertung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Demnach sank die Zahl 2025 im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf 548 Projekte. Damit verzeichnet Deutschland den achten Rückgang in Folge und zugleich den niedrigsten Stand seit 2009. "Das ist ein Alarmsignal für den Standort Deutschland", sagte laut Mitteilung der Deutschland-Chef von EY, Henrik Ahlers.

EY erhebt die Zahlen seit 2006

Nach eigenen Angaben erhebt EY die Daten seit 2006. Erfasst würden Investitionsprojekte, "die zur Schaffung neuer Standorte und neuer Arbeitsplätze führen", teilte die Gesellschaft mit. Angaben zum Investitionsvolumen machte EY nicht.

Die Zahlen für Deutschland basieren einem Sprecher zufolge unter anderem auf Daten von Germany Trade & Invest sowie auf eigenen Recherchen. Für andere Länder stützt sich EY ebenfalls auf eigene Recherchen sowie auf Daten nationaler Wirtschaftsförderungen und Behörden.

Kaum echte und wirksame Reformen

Die Bundesrepublik werde zunehmend abgehängt, während sich andere europäische Standorte deutlich dynamischer entwickelten, sagte Ahlers. "In Deutschland wird seit Jahren über notwendige Reformen geredet – echte und wirksame Reformschritte gab es allerdings kaum." Andere europäische Länder hätten in dieser Zeit ihre Hausaufgaben gemacht und etwa die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung vorangetrieben sowie ihre Steuersysteme vereinfacht und attraktiver gestaltet.

"In Deutschland bremsen die hohe Steuerbelastung, hohe Arbeitskosten, die teure Energie und gleichzeitig eine lähmende Bürokratie das Investitionsgeschehen", sagte Ahlers. Die "Reformunfähigkeit Deutschlands" habe sich inzwischen weltweit herumgesprochen. "Vom Image als starker Qualitätsstandort und ökonomischer Fels in der Brandung ist leider nicht viel übriggeblieben." Nun müsse dringend gegengesteuert werden.

Deutschland hinter Frankreich und Großbritannien

Europaweit wurden laut EY im vergangenen Jahr 5.026 Neuansiedlungs- und Erweiterungsprojekte ausländischer Investoren angekündigt – sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Dazu zählen etwa Investitionsankündigungen aus den USA oder China, aber auch Projekte deutscher Unternehmen im Ausland, etwa in Frankreich.

Mit 852 Projekten lag Frankreich wie bereits in den Vorjahren auf Platz eins, gefolgt von Großbritannien mit 730 Projekten. Beide Länder verzeichneten prozentual allerdings noch stärkere Rückgänge als Deutschland auf Rang drei.

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