Technologie

Rekordabsatz bei Wärmepumpen: Fast jede zweite neue Heizung läuft elektrisch

Der Markt für neue Heizgeräte erholt sich schneller als erwartet: Im ersten Quartal 2026 stieg der Gesamtabsatz um 16 Prozent. Wärmepumpen legten um 34 Prozent zu und kommen inzwischen auf einen Marktanteil von knapp 49 Prozent.
24.05.2026 11:00
Lesezeit: 3 min

Heizungsindustrie findet zurück auf Wachstumskurs

Nach zwei schwachen Jahren erholt sich der deutsche Heizungsmarkt. Im ersten Quartal 2026 wurden laut dem Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) insgesamt 171.500 Wärmeerzeuger abgesetzt. Das entspricht einem Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Den stärksten Schub verzeichneten dabei Wärmepumpen: Mit einem Zuwachs von 34 Prozent und 83.500 abgesetzten Geräten stellen sie inzwischen fast die Hälfte aller neu installierten Heizungen in Deutschland.

Für die Branche ist das eine deutliche Trendwende. Das Jahr 2024 gilt in der Heizungsindustrie als Krisenjahr: Hohe Lagerbestände im Handel hatten den Absatz bei den Herstellern weit unter die tatsächliche Endkundennachfrage gedrückt, obwohl in den Jahren 2022 und 2023 erhebliche Investitionen in neue Fertigungskapazitäten geflossen waren. Nun scheint der Markt diese Delle überwunden zu haben.

Stabile Förderung als Wachstumsmotor

Als zentralen Treiber des Wärmepumpen-Wachstums nennt der BDH die stabilen Förderbedingungen. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) hatte sich nach den politischen Turbulenzen um das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und der laufenden Debatte um dessen Ablösung gefestigt. Das gab Installateuren und Haushalten, die eine alte Heizung ersetzen wollten, erstmals seit Jahren wieder Planungssicherheit.

Wie groß die Nachfrage nach geförderter Heizungsmodernisierung derzeit ist, zeigen die jüngsten Zahlen der KfW: Im gleitenden 3-Monatsdurchschnitt registrierte die Förderbank zwischen Januar und März 2026 rund 81.000 Zusagen für Projekte mit mindestens einer Wärmepumpe.

Von Oktober bis Dezember 2025 waren es sogar bis zu 93.000 Zusagen. Da zwischen Förderzusage und tatsächlicher Installation erfahrungsgemäß rund sechs Monate liegen, dürfte die Nachfrage im Laufe des Jahres weiter auf die Absatzzahlen durchschlagen.

Fast neun von zehn Neugeräten sind Wärmepumpen

Besonders aufschlussreich ist die Verteilung des Marktzuwachses. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wurden 24.500 Geräte mehr verkauft. Davon entfallen 21.500 Stück auf Heizungs-Wärmepumpen, das entspricht 87,8 Prozent.

Die übrigen Technologien zusammengenommen, wie etwa Gas- und Ölheizungen sowie Pellet- und Biomasseheizungen, machen weniger als ein Achtel des Zuwachses aus.

In der Betrachtung der letzten vier Quartale ergibt sich ein kumulierter Marktanteil von Wärmepumpen von 49,2 Prozent, bei insgesamt 320.500 abgesetzten Geräten. Das bedeutet: In Deutschland wird inzwischen fast jede zweite neue Heizung als Wärmepumpe installiert.

Kehrtwende nach dem Krisenjahr 2024

In den Jahren 2022 und 2023 boomte der Wärmepumpenabsatz, angetrieben durch die Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und staatliche Förderprogramme. Die Hersteller reagierten mit massiven Kapazitätserweiterungen.

2024 folgte schließlich der Einbruch: Der Handel hatte sich zu stark bevorratet, die Lager waren voll. Die Bestellungen bei den Herstellern brachen ein, obwohl die Endkundennachfrage weiterhin vorhanden war. Verschärft wurde der Einbruch durch politische Unsicherheiten rund um die Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes.

Erst 2025 leerten sich die Lager. Die politischen Debatten um das Heizungsgesetz beruhigten sich erst mit der Einigung der Koalition im Februar 2026 auf Eckpunkte für dessen Ablösung durch ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz. Der BDH wertet die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 daher als Zeichen dafür, dass der Markt sich nicht nur erholt hat, sondern auf einem strukturell neuen Niveau laufe.

GEG-Verschiebung: Branche fordert Planungssicherheit

Flankiert werden die Absatzzahlen von der Debatte um die erneute Verschiebung der Frist für die Umsetzung der sogenannten 65-Prozent-Erneuerbare-Energien-Regelung (65-%-EE-Regelung) in größeren Kommunen durch die Bundesregierung.

Der BDH begrüßte die Entscheidung grundsätzlich, mahnte aber gleichzeitig, die Branche brauche endlich verlässliche Rahmenbedingungen statt weiterer Übergangsregelungen. „Die Bundesregierung darf nicht länger mit Notlösungen arbeiten. Jetzt, wo es eine Einigung zum Mieterschutz gibt, muss ein konsistenter und verlässlicher Ordnungsrahmen vorgelegt werden", erklärte BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt Ende April in einer Mitteilung seines Verbands.

Der BDH betonte zudem, der ständige Aufschub von Regelungen schaffe für Hersteller, Installateure und Verbraucher Unsicherheit und bremse Investitionen, die für das Erreichen der Klimaziele im Gebäudebereich notwendig wären.

Wärmewende im Gebäudesektor: Noch ein weiter Weg

Trotz der positiven Quartalszahlen bleibt der Weg zur vollständigen Dekarbonisierung des deutschen Gebäudebestands lang. Deutschland hat rund 21 Millionen Wohngebäude, der überwiegende Teil davon wird noch mit fossilen Energieträgern beheizt, laut BDEW waren es 2024 rund 73 Prozent aller Wohnungen mit Gas oder Öl.

An diesem Bild dürfte sich bis heute kaum etwas geändert haben: Der Bestand an fossilen Heizungen ging zuletzt nur um 0,7 Prozent pro Jahr zurück. Selbst bei einem dauerhaft hohen Wärmepumpenabsatz würde die vollständige Umstellung Jahrzehnte dauern.

Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 zeigen jedoch, dass die Heizungswende technologisch und marktseitig wieder an Fahrt aufnimmt. Ob dieser Schwung anhält, wird davon abhängen, ob die laufenden Förderprogramme verlässlich bleiben und ob genug qualifizierte Fachkräfte für die Installation zur Verfügung stehen – beides gilt als Engpassfaktor.

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Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
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