Wirtschaft

SpaceX-Börsengang könnte die gefährlichste Wette des Jahres werden

SpaceX soll an die Börse, und die Zahlen wirken gigantisch. Doch hinter der möglichen Rekordbewertung stehen Milliardenverluste, enorme Investitionskosten und eine Machtstruktur, die Elon Musk fast unangreifbar macht. Anleger bekommen damit nicht nur Zugang zu einem der innovativsten Unternehmen der Welt, sondern auch zu einem der riskantesten Börsenversprechen.
26.05.2026 08:29
Lesezeit: 4 min
SpaceX-Börsengang könnte die gefährlichste Wette des Jahres werden
SpaceX plant den größten Börsengang der Welt. Doch hinter Musks Vision stehen Milliardenverluste, Machtfragen und große Risiken für Anleger am Weltmarkt. (Foto: dpa/AP | Godofredo A. Vásquez) Foto: Godofredo A. Vásquez

SpaceX-Börsengang wirft mehr Fragen auf als Antworten

Der Prospekt für den größten Börsengang der Welt ist da. Milliardenverluste, das Risiko eines Liquiditätsengpasses und Governance-Probleme gehören zu den Punkten, die sofort ins Auge fallen. Die Fragen sind zahlreich, nachdem der Raumfahrtgigant SpaceX seinen lange erwarteten Prospekt veröffentlicht hat. Das berichten unsere Kollegen von Børsen.

Denn darin steht weder etwas über die Größe des Angebots noch über die vorgeschlagene Bewertung von SpaceX. Dafür fällt ein großer Milliardenverlust auf. Außerdem wird Gründer und Vorstandschef Elon Musk das Unternehmen, das er 2002 gründete, weiter fest im Griff behalten. Was der Prospekt zeigt und worauf Anleger dagegen noch warten müssen, folgt in diesem Überblick.

Extrem hohe Bewertung trifft auf massive Verluste

Obwohl SpaceX die Bewertung des Unternehmens im Zusammenhang mit dem Börsengang nicht offengelegt hat, besteht am Markt breite Einigkeit darüber, dass es der größte Börsengang aller Zeiten werden dürfte. Damit würde er die historisch große Notierung des Ölkonzerns Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 übertreffen, bei der 25,6 Milliarden Dollar eingesammelt wurden.

Unter anderem laut Financial Times wurde genannt, dass SpaceX rund 75 Milliarden Dollar einsammeln soll, bei einer Bewertung von 1.750 Milliarden Dollar. Bloomberg schätzt dagegen, dass sich die Bewertung eher 2.000 Milliarden Dollar nähert. Solche hohen Zahlen können schwer zu erfassen sein. Otto Friedrichsen, stellvertretender Investmentdirektor bei Formuepleje, weist jedoch darauf hin, dass die Bewertung ausdrückt, was das Unternehmen auf längere Sicht wert werden könnte.

Henrik Karlsen, Geschäftsführer und Investmentdirektor des Investmentfonds Horizon 3 mit rund 67 Millionen Euro unter Verwaltung, bezeichnet SpaceX als "vielleicht eines der spannendsten und innovativsten Unternehmen der Welt". Das bedeutet jedoch nicht, dass er zu den ersten gehören wird, die SpaceX ins Portfolio aufnehmen. "Wir sind langfristige Investoren und haben einige Kriterien. Ein Unternehmen muss Geld verdienen, es muss freien Cashflow erzeugen und eine starke finanzielle Bilanz haben. Wenn wir uns also die Kriterien ansehen, denen wir folgen, ist SpaceX keine Aktie, die wir kaufen werden, sobald sie notiert ist", sagt er und fügt hinzu: "Und schon gar nicht zu diesen Bewertungen."

"Es wird über eine Bewertung zwischen 1.500 und 2.000 Milliarden Dollar gesprochen, bei einem Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Das entspricht dem 100-Fachen des Umsatzes. Zugleich verursachen zwei der drei Geschäftsbereiche des Unternehmens hohe Verluste", sagt Henrik Karlsen. Er verweist darauf, dass nur das Satellitengeschäft Starlink profitabel ist.

SpaceX besteht aus drei Geschäftsbereichen. Starlink bietet satellitengestütztes Internet an. Space startet Raketen. Im Bereich AI sind Aktivitäten rund um X AI und das Sprachmodell Grok angesiedelt. Das Raketengeschäft, das Henrik Karlsen sowohl spannend als auch beeindruckend findet, verlor im vergangenen Jahr 657 Millionen Dollar bei einem Umsatz von vier Milliarden Dollar. Das KI-Geschäft erzielte rund drei Milliarden Dollar Umsatz, verlor jedoch rund 858 Millionen Euro. "Das KI-Geschäft steht unter den Konkurrenten nicht als klarer Sieger da, sondern belastet den Betrieb mit einem Verlust, der doppelt so hoch ist wie der Umsatz", sagt Henrik Karlsen.

Musks Macht wird für Anleger zum Governance-Risiko

SpaceX will eine duale Aktienstruktur mit A- und B-Aktien nutzen. Die B-Aktien, die Elon Musk und andere Mitglieder der Führungsebene besitzen, gewähren zehn Stimmen. Die A-Aktien gewähren eine Stimme. Laut mehreren Quellen, darunter dem Wall Street Journal, wird Elon Musk mit dem Börsengang 85 Prozent der Stimmrechte kontrollieren.

Hinzu kommt eine besondere Reihe von Rechten, die den B-Aktionären vorbehalten ist. Unter anderem haben sie das Recht, 51 Prozent des Verwaltungsrats des Unternehmens zu wählen. Außerdem verfügen sie über besondere Vetorechte bei Abstimmungen über "bestimmte kritische Entscheidungen", etwa die Entfernung Elon Musks aus seiner Rolle als Vorstandschef oder als Verwaltungsratsvorsitzender.

Beim Thema Governance ist SpaceX aus Sicht von Otto Friedrichsen damit weit davon entfernt, zu bestehen. "Selbst wenn man alle anderen Aktionäre zusammenbringt, hat Elon Musk das letzte Wort. Das ist ganz klar ein Governance-Risiko, das auch für jene Investoren im Mittelpunkt stehen wird, die sich am Börsengang beteiligen", sagt er. Er verweist darauf, dass dies vermutlich auch eine Reihe dänischer institutioneller Investoren von einem Investment ausschließen wird, da das Unternehmen Governance-Anforderungen nicht erfüllt.

Henrik Karlsen sieht bei Elon Musk als Eigentümer jedoch sowohl Vorteile als auch Nachteile. "Es ist immer gut, einen Gründer oder Vorstandschef zu haben, der selbst im Feuer steht. Aber mit ganzen 85 Prozent wird es bedeuten, dass andere Aktionäre faktisch keinen Einfluss auf das Unternehmen bekommen. In solchen Fällen würde man normalerweise weniger für das Unternehmen bezahlen. In diesem Fall zahlt man aber das 100-Fache des Umsatzes. Der Abschlag ist also nicht besonders sichtbar", sagt er.

Fragt man Lars Skovgaard Andersen, Investmentstratege bei Danske Bank, müsste auch dies Anlass für eine niedrigere Bewertung geben. Ihm zufolge ist Musks uneingeschränkte Kontrolle über das Unternehmen das absolut größte Risiko. "Das macht die Investition enorm anfällig dafür, ob Musk gerade in einer guten oder schlechten Phase ist", sagt er.

Während SpaceX Schwierigkeiten hat, Geld zu verdienen, gibt das Unternehmen zugleich viel davon aus. Es kostet extrem viel, die Infrastruktur für Raketenstarts, Satelliteninternet und KI aufzubauen. 2025 lagen die Kapitalinvestitionen bei 20,7 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2026 stiegen sie auf 10,1 Milliarden Dollar. Auch im Prospekt wird der hohe Investitionsbedarf als Risiko genannt. "Wenn wir nicht in der Lage sind, ausreichenden Cashflow aus dem operativen Geschäft zu erwirtschaften oder zusätzliche Finanzierungen zu akzeptablen Bedingungen zu erhalten, könnte dies erhebliche negative Folgen für unser Geschäft, unsere finanzielle Lage, unsere Betriebsergebnisse und unsere Zukunftsaussichten haben", heißt es dort.

"Als Investor besteht die Bull-Case darin, dass Starlink weiterhin Geld verdient und künftig noch mehr verdienen wird. Zugleich müsste dies irgendwann auch auf die anderen Investitionen abstrahlen. Das Risiko liegt natürlich darin, dass dies nicht eintritt", erklärt Lars Skovgaard Andersen.

Darüber hinaus geht aus dem Prospekt hervor, dass es sich sowohl bei KI als auch in der Raumfahrt um neue und unerprobte Technologien handelt. Das erhöht das Risiko von Fehlern, Verzögerungen und Unfällen. In diesem Zusammenhang weist Lars Skovgaard Andersen darauf hin, dass es auch relevant sein wird, den Start der Falcon-9-Raketen des Unternehmens am Mittwoch zu beobachten.

Für Deutschland hätte ein SpaceX-Börsengang vor allem Bedeutung für Anleger, institutionelle Investoren und Unternehmen mit Interesse an Raumfahrt, Satelliteninternet, KI-Infrastruktur und Verteidigungstechnologie. Eine Bewertung von bis zu 2.000 Milliarden Dollar wäre für deutsche Kapitalmärkte ein Signal, wie stark Zukunftstechnologien inzwischen über Erwartungen, Marktmacht und Gründerkontrolle bepreist werden. Fazit: Der SpaceX-Börsengang könnte ein historisches Markt-Ereignis werden, doch der Prospekt zeigt erhebliche Risiken, die Anleger nicht übersehen sollten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Neue "Eisseidenstraße" nach Europa: Warum Reedereien Chinas Abkürzung meiden
13.08.2026

China eröffnet eine regelmäßige Arktisroute, die Transporte zwischen Asien und Europa erheblich beschleunigen könnte. Doch europäische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Cernavoda: Rumänien schaltet AKW wegen Wassermangel ab
13.08.2026

Die Donau führt so wenig Wasser, dass Rumänien sein wichtigstes Atomkraftwerk komplett abschalten muss. Eine spektakuläre Rettungsaktion...

DWN
Politik
Politik KI-Steuer, steuerfreie Einkommen, Grundeinkommen? Zeit für einen Systemwechsel
13.08.2026

Wenn Erwerbsarbeit nicht mehr die Existenz sichert: Künstliche Intelligenz frisst Arbeitsplätze, Inflation und Steuern fressen Löhne,...

DWN
Technologie
Technologie KI: Beim Geld hört das Vertrauen auf
13.08.2026

KI-Agenten dürfen künftig vieles erledigen – nur beim eigenen Geld ziehen viele Menschen eine klare Grenze. Während das Vertrauen ins...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Befristungen treffen Berufseinsteiger besonders hart
13.08.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt wird bei Jobs auf Zeit zwar insgesamt stabiler. Doch ausgerechnet junge Menschen starten besonders häufig mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Bafög: Kabinett bringt Erhöhung auf den Weg
13.08.2026

Bafög-Empfänger bekommen mehr Geld. Die Erhöhung kommt in mehreren Schritten. Der erste davon soll zum Sommersemester 2027 umgesetzt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Smart City Index 2026 entlarvt den großen Technik-Irrtum
13.08.2026

Sensoren, Apps und digitale Plattformen gelten als Schlüssel für die Stadt der Zukunft. Doch der Smart City Index 2026 zeigt, dass...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Chipaktien treiben Nasdaq nach oben, da Inflationsbericht Sorgen vor Fed-Zinserhöhung dämpft
12.08.2026

Spannung an den US-Märkten: Warum die jüngsten Wirtschaftsdaten Anleger aufatmen lassen und welche Sektoren jetzt besonders profitieren.