Wirtschaft

Elon Musk vor neuer Vermögensdimension: Wird er mit SpaceX zum ersten Billionär?

Elon Musk steht vor einem möglichen Börsengang von SpaceX, der sein Vermögen auf eine neue Größenordnung heben könnte. Wie gelingt es ihm immer wieder, mit neuen Zukunftsprojekten das Vertrauen der Investoren und die Bewertungen seiner Unternehmen zu steigern?
17.04.2026 07:24
Lesezeit: 6 min

Elon Musk könnte mit SpaceX zum ersten Billionär werden

Der Aufbau einer „Lunarbasis Alpha“ am Südpol des Mondes, Raketen für Flüge zum Mars und zurück, KI-Datenzentren im All und Milliarden humanoider Roboter auf der Erde gehören zu den aktuellen Plänen von Elon Musk. Was nach Science-Fiction klingt, ist Teil jener Zukunftsbilder, mit denen der Unternehmer seit Jahren Investoren anzieht.

Sowohl professionelle als auch private Anleger reagieren auf solche Ankündigungen mit großer Aufmerksamkeit. Musk hat immer wieder bewiesen, dass er selbst skeptische Investoren davon überzeugen kann, dass aus kühnen Ideen eines Tages gewaltige Geschäftsfelder entstehen könnten.

Viele seiner groß angekündigten Projekte wurden in der Vergangenheit allerdings verschoben oder blieben hinter den Erwartungen zurück. An der Faszination des Marktes hat das wenig geändert, denn auf jede Enttäuschung folgte bislang meist schon die nächste, noch größere Vision.

Musks Vermögen erreicht historische Größenordnungen

Unbestritten ist, dass Elon Musk mit großem Abstand zu den reichsten Menschen der Welt zählt. Forbes schätzt sein Vermögen auf rund 799 Milliarden US-Dollar, während Bloomberg den Wert sogar auf fast vier Billionen US-Dollar beziffert.

Diese Schätzungen stützen sich vor allem auf seine Beteiligungen an Tesla, auf mehr als 300 Millionen Tesla-Aktienoptionen und auf seinen Anteil von 44 Prozent an SpaceX. Zu diesem Firmengeflecht gehören auch xAI sowie die Plattform X, die zunehmend in Musks Gesamtstrategie eingebunden werden.

In den kommenden Monaten soll SpaceX an die Börse gehen. Internationalen Wirtschaftsmedien zufolge könnte das Unternehmen dabei mit mehr als zwei Billionen US-Dollar bewertet werden. Ein solcher Schritt würde Musk zum ersten Billionär der Welt machen. Sein Vermögen läge dann bei rund 1.080 Milliarden US-Dollar und damit in einer Größenordnung, die selbst im Kreis der reichsten Tech-Unternehmer bisher ohne Beispiel wäre.

Der Börsengang von SpaceX rückt näher

Bei der geplanten Aktienplatzierung könnten SpaceX-Anteile im Wert von rund 75 Milliarden US-Dollar verkauft werden. Die Nachfrage dürfte außergewöhnlich hoch ausfallen, sowohl bei institutionellen Investoren als auch bei vermögenden Privatanlegern.

Hinzu kommt, dass SpaceX wegen geänderter Regeln rasch in den Nasdaq-100 aufgenommen werden könnte. In diesem Fall müssten auch passive Fonds die Aktie kaufen, was die Nachfrage zusätzlich verstärken würde.

Umso bemerkenswerter ist die Bewertung, weil SpaceX keine öffentlichen Jahresabschlüsse im klassischen Sinn vorlegt. Analysten gehen davon aus, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr rund 20 Milliarden US-Dollar Umsatz und etwa 8,5 Milliarden US-Dollar operativen Gewinn erzielt hat.

Die wichtigsten Einnahmen stammen derzeit aus dem Satelliteninternet Starlink sowie aus Raketenstarts für die US-Armee und die Nasa. Doch für viele Investoren zählt längst nicht mehr nur das bestehende Geschäft, sondern vor allem die Aussicht auf neue Märkte.

Musks neue Erzählung verbindet Raumfahrt und KI

Im Februar dieses Jahres wurde SpaceX mit Musks KI-Unternehmen xAI zusammengeführt, das auch das soziale Netzwerk X betreibt. Aus Sicht von Musk ist dieser Schritt nur folgerichtig, weil er beide Bereiche strategisch enger verzahnen will.

Zu seinen Plänen gehört unter anderem, Satelliten ins All zu bringen, die als KI-Datenzentren dienen könnten. Die Technik dafür existiert bisher nicht, doch Musk argumentiert bereits mit möglichen Vorteilen, etwa einer effizienteren Nutzung von Solarenergie im Weltraum.

Zudem würde die extreme Kälte des Alls das Kühlproblem moderner Chips auf natürliche Weise entschärfen. Auch wenn diese Idee derzeit weit von einer praktischen Umsetzung entfernt ist, wirkt sie am Markt bereits als Teil einer neuen Wachstumsstory.

Genau darin liegt eine der größten Stärken Musks. Er versteht es, Zukunftserzählungen so zu formulieren, dass sie nicht wie ferne Fantasie, sondern wie die Vorstufe eines künftigen Milliardenmarktes erscheinen.

Selbst problematische Deals lassen sich neu aufladen

Neben seinen technologischen Visionen verfügt Musk über eine weitere Fähigkeit, die ihn für Investoren interessant macht. Er kann Beteiligungen auch dann neu aufwerten, wenn deren operatives Geschäft schwächer läuft als erwartet.

Ein besonders anschauliches Beispiel ist Twitter, das heute unter dem Namen X firmiert. Im April 2022 bot Musk überraschend 44 Milliarden US-Dollar für die Plattform, zog sich zwischenzeitlich zurück und wurde schließlich gerichtlich gezwungen, den Kauf abzuschließen.

Nach der Übernahme entließ er einen großen Teil der Belegschaft und lockerte die Regeln für Inhalte. Das führte zu einem Rückzug vieler Werbekunden, sinkenden Einnahmen und einer deutlich niedrigeren Bewertung des Unternehmens.

Im März 2025 kam dann die strategische Wende, als Musk X mit xAI zusammenführte. X wurde dabei mit 33 Milliarden US-Dollar bewertet, also unterhalb des ursprünglichen Kaufpreises, doch die Investoren erhielten im Gegenzug Anteile an einem schnell wachsenden KI-Unternehmen.

Aus Twitter wurde über xAI wieder ein Wachstumsfall

Mit der Verbindung von X und xAI veränderte sich die Wahrnehmung des Investments grundlegend. Entscheidend war nicht mehr, ob die Plattform selbst wieder so profitabel werden würde wie früher, sondern welchen Anteil sie an einer größeren KI-Story bekam.

Nach der späteren Fusion mit SpaceX wurde xAI bereits mit 250 Milliarden US-Dollar bewertet. Damit wurde aus der vielfach kritisierten Twitter-Übernahme rückblickend doch noch eine Beteiligung mit erheblichem Wertsteigerungspotenzial.

Das zeigt, wie Musk es immer wieder schafft, operative Schwächen durch neue strategische Verknüpfungen zu überlagern. Für Anleger zählt dann weniger das Tagesgeschäft als die Hoffnung auf das nächste große Zukunftsfeld.

Seine Karriere begann lange vor Tesla und SpaceX

Den Grundstein für sein Vermögen legte Musk schon in jungen Jahren. 1995 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Kimball das Unternehmen Zip2, eine Art früher Vorläufer digitaler Kartendienste, das 1999 für 307 Millionen US-Dollar an Compaq verkauft wurde. Aus diesem Geschäft erhielt Musk rund 22 Millionen US-Dollar.

Das Geld investierte er anschließend in X.com, das er als Onlinebank aufbauen wollte und das später mit PayPal fusionierte. Als eBay PayPal im Jahr 2002 übernahm, verdiente Musk nach eigenen Angaben rund 180 Millionen US-Dollar. Anfang 2004 investierte er dann in ein junges Unternehmen namens Tesla, das kurz zuvor von Martin Eberhard und Marc Tarpenning gegründet worden war.

Vier Jahre später waren beide Gründer nicht mehr an der Spitze des Unternehmens, während Musk die entscheidende Rolle übernahm. Mit dem ersten Fahrzeug im Jahr 2010 und vor allem mit dem Model 3 im Jahr 2017 gelang Tesla der Durchbruch im Massenmarkt.

Bei Tesla zeigen sich deutliche Schwächesignale

Im ersten Quartal 2026 produzierte Tesla 408.386 Fahrzeuge und blieb damit unter den Erwartungen. Noch schwächer fielen die Verkaufszahlen aus, denn ausgeliefert wurden nur 358.023 Fahrzeuge. Das entspricht einem Rückgang von 14,4 Prozent. Zugleich baute Tesla rund 50.000 Fahrzeuge mehr, als das Unternehmen tatsächlich verkaufen konnte, was auf eine deutlich schwächere Nachfrage hindeutet.

Damit entfernt sich Tesla ein Stück weit von seinem früheren Modell, bei dem die Produktion enger an bestehende Bestellungen gekoppelt war. Die Zahlen zeigen, dass das Wachstum des Unternehmens nicht mehr so stabil wirkt wie in den Jahren zuvor.

Tesla verliert seit Längerem Anteile am globalen Markt für Elektroautos. Nach dem Höchststand von 1,8 Millionen verkauften Fahrzeugen im Jahr 2023 ging der Absatz zurück, während die Konkurrenz weiter aufholt.

BYD wächst schneller, die Bewertung bleibt trotzdem extrem

Besonders stark wächst der chinesische Hersteller BYD, der in diesem Jahr voraussichtlich rund 2,4 Millionen Elektrofahrzeuge verkaufen wird. Damit zieht ein Wettbewerber an Tesla vorbei, dessen operative Entwicklung inzwischen robuster wirkt.

Trotzdem ist Tesla an der Börse noch immer etwa zehnmal so viel wert wie BYD. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt sogar über der Bewertung der neun größten Autobauer zusammen. Mit der Ertragskraft klassischer Hersteller ist das kaum zu erklären. Toyota verdient pro Fahrzeug 28 Prozent mehr als Tesla und erzielt insgesamt einen mehr als viermal so hohen Gewinn.

Noch deutlicher zeigt sich die Schere beim Blick auf die Bewertungskennzahlen. Während traditionelle Hersteller mit dem Acht- bis Zwölffachen ihres Gewinns bewertet werden und BYD auf das 24-Fache kommt, liegt Tesla bei einem Faktor von 418.

Die Wette auf Tesla ist vor allem eine Wette auf Musk

Warum Investoren trotzdem bereit sind, diese Bewertung zu zahlen, hat im Kern eine einfache Antwort. Sie setzen nicht in erster Linie auf das heutige Autogeschäft, sondern auf Elon Musk und seine Fähigkeit, neue Märkte zu erschließen.

Selbstfahrende Fahrzeuge haben sich bislang nicht im großen Stil durchgesetzt, und der Wettbewerb im Elektroautomarkt nimmt weiter zu. Dennoch hoffen Anleger darauf, dass Tesla künftig weit mehr sein wird als ein Autobauer.

Analysten gehen davon aus, dass der Gewinn des Unternehmens von 3,9 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr in fünf Jahren auf 28 Milliarden US-Dollar steigen könnte. Für das Jahr 2033 werden sogar 78 Milliarden US-Dollar erwartet. Sollten diese Prognosen eintreffen, wäre die heutige Bewertung im Rückblick nicht mehr überzogen. Genau diese Hoffnung trägt einen großen Teil der Markterwartung.

Optimus ist die größte Zukunftswette

Ein wesentlicher Teil des Tesla-Werts beruht inzwischen auf einem Produkt, das noch gar nicht am Markt ist. Gemeint ist der humanoide Roboter Optimus, dem Musk eine zentrale Rolle für die künftige Entwicklung des Unternehmens zuschreibt.

Nach seinen Worten könnten Roboter eines Tages rund 80 Prozent des Unternehmenswerts ausmachen. Das zeigt, wie stark sich die Börsenstory von Tesla inzwischen vom klassischen Autogeschäft wegbewegt hat. Ursprünglich sollten in diesem Jahr bis zu 100.000 Roboter gebaut werden. Dieses Ziel wird jedoch klar verfehlt, und mit einem Verkaufsstart wird nun erst für 2027 oder 2028 gerechnet.

Technologieerwartungen erhöhen auch in Deutschland den Druck

Der Fall Elon Musk zeigt, wie stark die Kapitalmärkte inzwischen auf Zukunftserzählungen reagieren. Für Investoren zählt oft weniger, was ein Unternehmen heute verdient, als die Frage, welche Marktstellung es in zehn Jahren erreichen könnte.

Gerade für Deutschland ist das von Bedeutung, weil sich daran der wachsende Druck auf Industrie, Kapitalmarkt und Innovationspolitik ablesen lässt. Wer im internationalen Wettbewerb bestehen will, muss technologische Fantasie mit belastbaren Geschäftsmodellen verbinden und darf sich nicht allein von großen Versprechen treiben lassen.

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