Finanzen

Fed-Zinsentscheid: Warsh ignoriert Trump - US-Notenbank lässt Leitzins unverändert

Zum vierten Mal im laufenden Jahr bleibt der US-Leitzins unverändert. Das dürfte vor allem US-Präsident Trump ärgern, der mit dem Einzug seines Kandidaten Kevin Warsh auf etwas anderes gehofft hatte.
17.06.2026 20:33
Aktualisiert: 17.06.2026 20:33
Lesezeit: 2 min
Fed-Zinsentscheid: Warsh ignoriert Trump - US-Notenbank lässt Leitzins unverändert
Kevin Warsh war 2006 der jüngste Mensch aller Zeiten, der Mitglied des Zinsausschusses der US-Notenbank wurde. 20 Jahre später ist er zum Chef der Notenbank aufgestiegen. (Foto: dpa) Foto: Manuel Balce Ceneta

Fed-Zinsentscheid: Warsh ignoriert Trump - US-Notenbank lässt Leitzins unverändert

Wegen der Energiekrise und Inflationssorgen infolge des Iran-Kriegs rührt die US-Notenbank Federal Reserve ein weiteres Mal den Leitzins nicht an. Der Zentralbankrat stimmte geschlossen für eine erneute Zinspause. Damit bleibt die Spanne zum vierten Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Nicht einmal der neue Fed-Chef Kevin Warsh wollte in seiner ersten Sitzung die von US-Präsident Donald Trump geforderten Zinssenkungen durchsetzen.

2025 hatte die Fed aus Sorge um den Arbeitsmarkt den Leitzins dreimal um jeweils einen Schritt (25 Basispunkte) gesenkt. Bei den bisherigen drei Sitzungen im laufenden Jahr legte sie dann Pausen ein. Angesichts der unsicheren Weltlage bei zugleich erhöhter Inflation rücken Zinssenkungen in weite Ferne – stattdessen scheint eine straffere Geldpolitik im Jahresverlauf wahrscheinlicher, um die Inflation in den Griff zu bekommen.

Energiekrise und starker Arbeitsmarkt

Grund dafür sind die Folgen des Iran-Kriegs und die Blockaden in der Straße von Hormus, durch die das weltweite Energieangebot deutlich eingeschränkt wurde. Entsprechend müssen Firmen derzeit viel mehr Geld für Öl, Gas und Dünger ausgeben. Das belegen auch die Mai-Zahlen in der größten Volkswirtschaft: Für Energie musste 23,5 Prozent mehr gezahlt werden als vor einem Jahr. Besonders stark war der Anstieg der Benzinpreise. Der Kraftstoff hat sich etwa 40 Prozent verteuert.

Zudem war die Zahl der Beschäftigten in den USA im Mai überraschend um 172.000 gestiegen – fast doppelt so stark wie von Experten erwartet. Das lässt Zinssenkungen in weite Ferne rücken und stattdessen, wenn auch unwahrscheinlich, Zinserhöhungen wieder ein Thema werden.

Jerome Powell war turnusgemäß im Mai als Chef ausgeschieden und als Mitglied in den Vorstand gewechselt. Er versperrt Trump damit die Möglichkeit, einen weiteren Kandidaten im Fed-Führungsgremium zu platzieren. Powell dürfte es Warsh zudem schwieriger machen, Zinssenkungen durchzubringen.

Dieser saß einst schon im Fed-Vorstand. Warsh gilt eigentlich als «Inflation Hawk» und tendiert eher zu einer restriktiveren Geldpolitik, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Der 56-Jährige soll sich allerdings laut US-Medien offen für niedrigere Leitzinsen gezeigt haben – zur Freude Trumps.

Angst vor politischer Einflussnahme

Die Fed soll unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheiden und damit einen Kompromiss zwischen Inflation und Vollbeschäftigung finden. Das Problem: Lockert die Fed das Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen – das will sie vermeiden. Zuletzt lag die Inflation in den USA bei 4,2 Prozent und damit weit über dem von der Fed angestrebten Ziel von zwei Prozent.

Ökonomen fürchten, dass Trump über Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt eine lockerere Geldpolitik forcieren könnte. Die eigentlich objektiven Zinsentscheidungen könnten damit politisch verfälscht werden. Trump dürfte genauestens darauf achten, wie sich sein Kandidat positioniert.

Auch die Europäische Zentralbank hatte jüngst ihre Zinsen wegen Inflationssorgen erstmals seit 2023 angehoben. Sie hob den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent an, um sich so gegen den Inflationsschub mit dem Iran-Krieg zu stemmen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SpaceX fällt zum ersten Mal seit dem Börsengang, während die CME Group ihren CEO verliert
17.06.2026

Ein turbulenter Handelstag an der Wall Street bringt unerwartete Wendungen für Anleger.

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Aktie vorm Dauerabsturz? Autokonzern existenzgefährdet - VW-Bosse schlagen Alarm
17.06.2026

Hiobsbotschaft vor der Hauptversammlung: Bei Volkswagen bewertet das Top-Management die Lage des Autokonzerns als schlecht – und zwar...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Welche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft am meisten wert ist
17.06.2026

Die teuersten Teams bei der Fußball-WM 2026 kommen überwiegend aus Europa. Doch die Marktwerte zeigen vor allem eines: Geld erhöht die...

DWN
Finanzen
Finanzen Fed-Zinsentscheid: Warsh ignoriert Trump - US-Notenbank lässt Leitzins unverändert
17.06.2026

Zum vierten Mal im laufenden Jahr bleibt der US-Leitzins unverändert. Das dürfte vor allem US-Präsident Trump ärgern, der mit dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Baumarktkette Hellweg meldet Insolvenz an: 2900 Mitarbeiter betroffen
17.06.2026

Hellweg meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an: Alle Filialen und der Online-Shop des Dortmunder Unternehmens bleiben vorerst geöffnet....

DWN
Politik
Politik „Jagd auf Migranten“: ZDF streicht falsche Musk-Anmoderation aus Mediathek
17.06.2026

Das ZDF wirft Elon Musk vor, die Ausschreitungen in Belfast befeuert zu haben. Dieser wehrt sich daraufhin juristisch. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Fed-Zinsentscheid könnte dramatischen Wandel auslösen: Stehen wir an der Schwelle zu einer neuen Ära?
17.06.2026

Mit Kevin Warsh steht ein neuer Chef an der Spitze der US-Notenbank, der mit jahrzehntealten Traditionen brechen könnte. Seine Pläne für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Drohnenmarkt Polen führt, doch die eigene Industrie wächst erst
17.06.2026

Polen ist der größte Drohnenexporteur Europas. In diesem Jahr könnte der Export von Drohnen aus Polen die Marke von einer Milliarde Euro...