Finanzen

Heidelberger Druck-Aktie: Dividende gestrichen, 300-Millionen-Rüstungsziel

Heidelberger Druckmaschinen streicht die Dividende, verlagert die Produktion nach China und steigt ins Rüstungsgeschäft ein. Der radikale Umbau belastet die Aktie. Kaufen oder verkaufen?
21.06.2026 22:47
Aktualisiert: 21.06.2026 22:47
Lesezeit: 2 min
Heidelberger Druck-Aktie: Dividende gestrichen, 300-Millionen-Rüstungsziel
Heidelberger Druckmaschinen verlagert Fertigung nach China und Nordmazedonien. In Deutschland fallen 450 Stellen weg. (Foto: dpa) Foto: Uwe Anspach

Heidelberger Druck-Aktie: Dividende gestrichen, 300-Millionen-Rüstungsziel

Heidelberger Druckmaschinen baut seine internationale Fertigung im Geschäftsjahr 2026/2027 weiter aus. Der Konzern produziert sein meistverkauftes Modell inzwischen vollständig im chinesischen Qingpu. Außerdem erweitert er die Montage im kostengünstigeren Nordmazedonien. Hohe Kosten, schwächere Bestellungen und eine gesunkene operative Marge treiben den Umbau an. Gleichzeitig sollen am deutschen Stammsitz Wiesloch-Walldorf rund 450 Stellen entfallen. Damit verliert der Standort Arbeitsplätze und weitere industrielle Wertschöpfung.

Heidelberger Druckmaschinen bündelt die CX 104 in China

Heidelberger Druckmaschinen baut radikal um. Der Traditionskonzern streicht die Dividende und verlagert die Produktion. Parallel dazu steigt das Unternehmen in die Rüstungsindustrie ein.

Der Vorstand erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Nettoverlust im zweistelligen Millionenbereich. Die Folge: Aktionäre gehen leer aus. Auf der Hauptversammlung am 23. Juli 2026 steht eine Nullrunde zur Abstimmung.

Produktion wandert ab

Um Kosten zu senken, hat das Management bereits über 550 Aufhebungsverträge geschlossen. Das meistverkaufte Modell Speedmaster CX 104 baut der Konzern künftig komplett im chinesischen Qingpu. Von dort beliefert das Werk Kunden weltweit.

Im laufenden Geschäftsjahr erweitert Heidelberg die Montage im günstigeren Nordmazedonien. Dort entstehen zunächst Weiterverarbeitungssysteme und ausgewählte Baugruppen. Diese Schritte sollen die Herstellungskosten senken und die Profitabilität spürbar steigern.

Einstieg ins Verteidigungsgeschäft

Der erwartete Verlust geht maßgeblich auf den teuren Einstieg in die Rüstungsbranche zurück. Über das Gemeinschaftsunternehmen ONBERG baut der Konzern eine eigene Verteidigungssparte auf. In Brandenburg produziert das Unternehmen bald Drohnenabwehrsysteme mit einem ukrainischen Partner.

Mittelfristig peilt Heidelberger Druckmaschinen hier einen Umsatz von 300 Millionen Euro an. Aktuell liegt der Anteil an den Gesamterlösen noch unter zwei Prozent. Die neue Sparte erfordert zunächst hohe Investitionen.

Aktie unter Druck

An der Börse spiegelt sich der harte Umbau wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 1,52 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 25 Prozent an Wert verloren. Damit notiert der Kurs weit unter dem 52-Wochen-Hoch von 2,54 Euro.

Die nächsten Tage liefern weitere Details. Am morgigen Montag präsentiert der Vorstand die neue Verteidigungsstrategie auf einer Investorenkonferenz. Erste finanzielle Ergebnisse des Umbaus folgen dann mit den Quartalszahlen am 19. August 2026.

Drohnenabwehr eröffnet ein neues Geschäftsfeld

Besondere Erwartungen verbindet Heidelberg mit dem Verteidigungsgeschäft. Gemeinsam mit Ondas Autonomous Systems gründete das Unternehmen die Gesellschaft Onberg. Diese entwickelt und vermarktet autonome Systeme zur Drohnenabwehr. Außerdem soll Brandenburg an der Havel einen Produktions- und Entwicklungsstandort erhalten. Als erste Absatzmärkte gelten Deutschland, die Ukraine und weitere europäische Staaten.

Das neue Geschäft kann langfristig zusätzliche Erlöse schaffen. Kurzfristig ersetzt es jedoch keine größeren Teile des angestammten Maschinenbaus. Deshalb bleiben stabile Bestellungen und geringere Produktionskosten für Heidelberg entscheidend. Die Verlagerungen nach China und Nordmazedonien verbessern zwar die Kostenstruktur. Für die deutschen Werke bedeuten sie jedoch weniger Beschäftigung und sinkende Fertigungstiefe.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Heidelberger Druck-Aktie: Dividende gestrichen, 300-Millionen-Rüstungsziel
21.06.2026

Heidelberger Druckmaschinen streicht die Dividende, verlagert die Produktion nach China und steigt ins Rüstungsgeschäft ein. Der radikale...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie: Nobelpreisträger Krugman kritisiert hohe Bewertung – Musk sei ein „menschliches Ponzi-Schema“
21.06.2026

Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Paul Krugman kritisiert scharf die Bewertung von SpaceX, die nach dem Börsengang...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Goldhandel in Europa: Wie Edelmetallprofis vom Goldboom profitieren
21.06.2026

Der Goldboom hat den europäischen Edelmetallhandel spürbar verändert. Wie stark profitieren spezialisierte Händler von der neuen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Professor: Diese Energieform hat in den USA eine „außergewöhnliche“ Allianz geschaffen
21.06.2026

Während Trump weite Teile der Energiewende in den USA gebremst hat, konnte die Geothermie weiter voranschreiten. Laut einem US-Professor...

DWN
Immobilien
Immobilien Mieterhöhung, Nießbrauch, Grundsteuer: Diese Gerichtsurteile treffen Immobilienbesitzer direkt
21.06.2026

Mieterhöhung, Grundsteuer, Nießbrauch: Hinter diesen Stichworten stecken Urteile, die für Vermieter und Eigentümer über Tausende Euro...

DWN
Politik
Politik Recht auf Homeoffice? Warum Homeoffice kein Allheilmittel ist
21.06.2026

Politik und Experten fordern in Deutschland ein Recht auf Homeoffice, etwa um Beschäftigte wegen der gestiegenen Energiepreise zu...

DWN
Politik
Politik Die Hälfte der Gelder aus Brüssel geht auf dem Weg zum Landwirt verloren
21.06.2026

Der slowenische Agrarunternehmer Aleš Hvalc kritisiert Bürokratie, schwache Genossenschaften und eine Agrarpolitik, bei der zu wenig Geld...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmarktkrise: Warum Deutschland falsch baut
21.06.2026

Eine neue Studie zeigt: In Städten sind Wohnungen knapp, doch gebaut wird oft auf dem Land – und meist zu groß. Wie sich das...