Heidelberger Druck-Aktie: Dividende gestrichen, 300-Millionen-Rüstungsziel
Heidelberger Druckmaschinen baut seine internationale Fertigung im Geschäftsjahr 2026/2027 weiter aus. Der Konzern produziert sein meistverkauftes Modell inzwischen vollständig im chinesischen Qingpu. Außerdem erweitert er die Montage im kostengünstigeren Nordmazedonien. Hohe Kosten, schwächere Bestellungen und eine gesunkene operative Marge treiben den Umbau an. Gleichzeitig sollen am deutschen Stammsitz Wiesloch-Walldorf rund 450 Stellen entfallen. Damit verliert der Standort Arbeitsplätze und weitere industrielle Wertschöpfung.
Heidelberger Druckmaschinen bündelt die CX 104 in China
Heidelberger Druckmaschinen baut radikal um. Der Traditionskonzern streicht die Dividende und verlagert die Produktion. Parallel dazu steigt das Unternehmen in die Rüstungsindustrie ein.
Der Vorstand erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Nettoverlust im zweistelligen Millionenbereich. Die Folge: Aktionäre gehen leer aus. Auf der Hauptversammlung am 23. Juli 2026 steht eine Nullrunde zur Abstimmung.
Produktion wandert ab
Um Kosten zu senken, hat das Management bereits über 550 Aufhebungsverträge geschlossen. Das meistverkaufte Modell Speedmaster CX 104 baut der Konzern künftig komplett im chinesischen Qingpu. Von dort beliefert das Werk Kunden weltweit.
Im laufenden Geschäftsjahr erweitert Heidelberg die Montage im günstigeren Nordmazedonien. Dort entstehen zunächst Weiterverarbeitungssysteme und ausgewählte Baugruppen. Diese Schritte sollen die Herstellungskosten senken und die Profitabilität spürbar steigern.
Einstieg ins Verteidigungsgeschäft
Der erwartete Verlust geht maßgeblich auf den teuren Einstieg in die Rüstungsbranche zurück. Über das Gemeinschaftsunternehmen ONBERG baut der Konzern eine eigene Verteidigungssparte auf. In Brandenburg produziert das Unternehmen bald Drohnenabwehrsysteme mit einem ukrainischen Partner.
Mittelfristig peilt Heidelberger Druckmaschinen hier einen Umsatz von 300 Millionen Euro an. Aktuell liegt der Anteil an den Gesamterlösen noch unter zwei Prozent. Die neue Sparte erfordert zunächst hohe Investitionen.
Aktie unter Druck
An der Börse spiegelt sich der harte Umbau wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 1,52 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 25 Prozent an Wert verloren. Damit notiert der Kurs weit unter dem 52-Wochen-Hoch von 2,54 Euro.
Die nächsten Tage liefern weitere Details. Am morgigen Montag präsentiert der Vorstand die neue Verteidigungsstrategie auf einer Investorenkonferenz. Erste finanzielle Ergebnisse des Umbaus folgen dann mit den Quartalszahlen am 19. August 2026.
Drohnenabwehr eröffnet ein neues Geschäftsfeld
Besondere Erwartungen verbindet Heidelberg mit dem Verteidigungsgeschäft. Gemeinsam mit Ondas Autonomous Systems gründete das Unternehmen die Gesellschaft Onberg. Diese entwickelt und vermarktet autonome Systeme zur Drohnenabwehr. Außerdem soll Brandenburg an der Havel einen Produktions- und Entwicklungsstandort erhalten. Als erste Absatzmärkte gelten Deutschland, die Ukraine und weitere europäische Staaten.
Das neue Geschäft kann langfristig zusätzliche Erlöse schaffen. Kurzfristig ersetzt es jedoch keine größeren Teile des angestammten Maschinenbaus. Deshalb bleiben stabile Bestellungen und geringere Produktionskosten für Heidelberg entscheidend. Die Verlagerungen nach China und Nordmazedonien verbessern zwar die Kostenstruktur. Für die deutschen Werke bedeuten sie jedoch weniger Beschäftigung und sinkende Fertigungstiefe.
