Unternehmen

Kahlschlag in Erfurt: Sozialplan besiegelt das Aus für 2.100 Zalando-Beschäftigte

Das bittere Ende für das Erfurter Zalando-Logistikzentrum ist beschlossene Sache: Ein millionenschwerer Sozialplan regelt nun die Abfindungen für die 2.100 Betroffenen, die Ende September ihren Job verlieren. Vorausgegangen war ein monatelanges, zähes Ringen – eine Einigung im Guten gab es bis zuletzt nicht.
10.07.2026 08:40
Lesezeit: 1 min

Gescheiterter Interessenausgleich: Abfindungen als Trostpflaster für das Management-Versagen

Hinter dem jetzt vereinbarten Sozialplan steckt kein partnerschaftlicher Kompromiss, sondern das nackte Scheitern der Verhandlungen. Weil sich Management und Betriebsrat bis aufs Messer blockierten, musste am Ende eine Einigungsstelle den Schließungsbeschluss per Spruch erzwingen. Ein echter Interessenausgleich – der möglicherweise Arbeitsplätze oder Alternativen hätte sichern können – ist krachend gescheitert. Während der Online-Riese den Standort planmäßig im September plattmacht, um seine Profitabilität zu optimieren, stehen über zweitausend Beschäftigte vor den Trümmern ihrer Existenz. Für sie ist der Sozialplan kein Erfolg, sondern lediglich die finanzielle Abwicklung eines rücksichtslosen Sparkurses.

Keine Transfergesellschaft für Zalando-Beschäftigte

Die Finanzierung einer Transfergesellschaft, die Beschäftigten Unterstützung beim Übergang in eine andere Arbeit geben sollte, sei von Zalando verweigert worden. Das Unternehmen sei nicht bereit gewesen, dafür zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen. Der Betriebsrat nannte das Verhalten des Unternehmens "beschämend".

Schließung kostet zweistelligen Millionenbetrag

Trotz Protesten von Betriebsrat, Gewerkschaften, Belegschaft und Kritik unter anderem der Thüringer Landesregierung hielt der Internet-Modehändler stets an seiner im Januar verkündeten Entscheidung fest, den Standort Erfurt aufzugeben.

Die Verhandlungen hatten sich lange hingezogen, das Arbeitsgericht Erfurt wurde eingeschaltet, schließlich nahm eine vom Gericht eingesetzte Einigungsstelle die Arbeit auf.

Der Dax -Konzern Zalando hat Rückstellungen von 80 Millionen Euro für die Schließung des Logistikzentrums in Thüringen gebildet, bestätigte ein Unternehmenssprecher. Das Geld sei für Abfindungen, potenziell aber auch für Mehrkosten beispielsweise durch den Einsatz von Zeitarbeitern gedacht.

Zalando hatte die Standortschließung mit einer Neuausrichtung des konzerneigenen europaweiten Logistiknetzes nach der Übernahme von About You begründet. Ein neuer Logistikstandort entstehe in Gießen.

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