Finanzen

Eli Lilly, Novo Nordisk & Co.: Superpillen werden die Wirtschaft verändern - doch wer verdient daran?

Medikamente zur Gewichtsregulierung gelten als einer der größten Wachstumsmärkte der kommenden Jahrzehnte. GLP-1-Präparate könnten ganze Branchen verändern. Doch Patente und neue Konkurrenz entscheiden darüber, wer am Ende wirklich verdient.
25.08.2026 12:15
Lesezeit: 9 min
Eli Lilly, Novo Nordisk & Co.: Superpillen werden die Wirtschaft verändern - doch wer verdient daran?
Im Geschäft mit immer besseren Superpillen steckt enormes Potenzial. (Foto: Steve Buissinne/Pixabay)

Eli Lilly oder Novo Nordisk: Wer gewinnt den Markt der Superpillen?

Große Hoffnungen für die Wirtschaft der Zukunft ruhen nicht nur auf künstlicher Intelligenz, sondern auch auf Fortschritten in der Medizin zur Gewichtsregulierung. Den Aktien der großen Pioniere dieser Medizin erging es in diesem Jahr allerdings nicht immer überzeugend. Investoren fürchten etwa die Patentklippe. Einige sagen jedoch, dieses Geschäft werde am Ende so groß sein, dass darin Platz für alle bleibe.

Viel wurde darüber gesprochen, wie künstliche Intelligenz diese Welt weiter verändern wird. Doch auch die sogenannte Superpille kann die Welt verändern, so das Investment-Portal Investoruklubs.

Was die Superpille leisten soll

Gemeint sind Medikamente, die Gewicht und Appetit regulieren. Sie dürften wirksamer werden und weniger unerwünschte Nebenwirkungen haben. Das würde etwa bedeuten, dass beim Fettabbau weniger Muskelmasse verloren geht und Müdigkeit oder Übelkeit seltener auftreten. Medikamente der GLP-1-Gruppe kontrollieren den Appetit. Gleichzeitig könnten durch die Behandlung von Fettleibigkeit auch Leber-, Herz- und sogar Schlafprobleme angegangen werden. Untersucht wird zudem, wie diese Medizin verschiedene andere Gesundheitsprobleme und Erkrankungen beeinflusst, sogar Krebsrisiken, Entzündungen sowie Probleme mit Drogen- und Alkoholabhängigkeit.

Daraus ergeben sich Schätzungen, dass bis 2050 ein großer Teil der Weltbevölkerung solche Medikamente als „Superpille“ verwenden wird. Jedenfalls wird man auch künftig genau beobachten müssen, wie sich diese Geschichte weiterentwickelt. Das würde bedeuten, dass ein erheblicher Teil der Menschen auf diesem Planeten mit medizinischer Hilfe und im Namen der eigenen Langlebigkeit eine solche Tablette einnimmt oder ein solches Medikament per Injektion nutzt, um die eigenen Triebe und die Funktionsweise des Körpers auf positive Weise auszutricksen. Vielleicht wäre abzustimmen hier das bessere Wort.

Morgan Stanley hob in diesem Jahr seine Prognose für den Absatz von GLP-1-Medikamenten gegen Diabetes und Fettleibigkeit im Jahr 2035 von 150 Milliarden auf 190 Milliarden USD an. In einem Meinungsbeitrag von Barron’s heißt es deshalb, allein das deute auf viele weitere Jahre Wachstum für Eli Lilly, Novo Nordisk und ihre Konkurrenten hin.

Zwei sehr unterschiedliche Aktiengeschichten

Der Aktienkurs des Branchenführers Eli Lilly aus den USA ist in diesem Jahr um 4,3 Prozent gestiegen. Anleger hätten allerdings keinen Grund, sich über einen solchen Anstieg zu beschweren, besonders dann nicht, wenn man den Zeitraum etwas verlängert. In zwölf Monaten sprang die Eli-Lilly-Aktie um 47 Prozent nach oben, in fünf Jahren um 338 Prozent. Schlechter läuft es weiterhin für die Aktie des zweiten Champions der Medizin zur Gewichtsregulierung, Novo Nordisk. Das lässt schnell an einen gefährlichen Präzedenzfall für Käufer der sehr hoch bewerteten Eli-Lilly-Aktien denken.

Der Kurs von Novo Nordisk ist in diesem Jahr um fünf Prozent gesunken, obwohl das Unternehmen seit April um 30 Prozent wertvoller geworden ist. Über zwölf Monate betrachtet trat die Novo-Nordisk-Aktie fast auf der Stelle. Dabei muss festgehalten werden, dass die Novo-Aktie seit ihrem Rekord im Jahr 2024 um 70 Prozent eingebrochen ist. Die Medizin zur Gewichtsregulierung des wichtigsten Konkurrenten Eli Lilly schnitt in klinischen Tests besser ab. Sie gilt als wirksamer oder in anderer Weise für Verbraucher bequemer. Eli Lilly gelang es als Branchenführer zudem, seinen Marktanteil aggressiver auszubauen.

Die Bewertung der beiden GLP-1-Spitzenunternehmen unterscheidet sich deutlich. Die Eli-Lilly-Aktie wird laut Daten von [Finance.yahoo.com] mit fast dem 41-Fachen des Gewinns der vergangenen zwölf Monate und dem 34-Fachen des erwarteten Gewinns der kommenden zwölf Monate gehandelt.

Bei Novo Nordisk liegen diese Multiplikatoren bei 11,2 beziehungsweise knapp 14.

Am Ende kann jeder solche Pillen herstellen

Erkennbar ist, dass Investoren in diesem Jahr darüber nachdenken, wie der Auftritt billigerer generischer Medikamente zur Gewichtsregulierung Eli Lilly und auch Novo beeinflussen wird. Im Frühjahr dieses Jahres lief in Indien ein Patent für Gewichtsmedikamente aus. Entsprechend brachten indische Generikahersteller auf dem Heimatmarkt nahezu sofort 26 Marken von GLP-1-Medikamenten heraus.

Generika können als Kopien patentierter Arzneimittel betrachtet werden. Die Substanz, die die Wirksamkeit eines Arzneimittels beziehungsweise seine therapeutische Wirkung sicherstellt, heißt Wirkstoff. Generische oder patentfreie Arzneimittel enthalten denselben Wirkstoff in derselben Konzentration wie das Originalpräparat. Anders gesagt: Generika sind ebenso wirksam und sicher, ihr Aussehen und ihre Verpackung können jedoch unterschiedlich sein, erklärte etwa die lettische Arzneimittelbehörde.

Es gibt Schätzungen, dass die Verbreitung von Generika die Fähigkeit beider Unternehmen beeinträchtigen wird, die Preise ihrer Produkte zu diktieren. Deshalb überlegen Investoren und Analysten, wie sich das auf dieses Geschäft auswirken wird und wie angemessen die Unternehmen derzeit bewertet sind.

Investitionen in Pharmaunternehmen sind nicht immer eine klare Sache. Teilweise liegt das an den sogenannten Patentklippen. Läuft der rechtliche Schutz eines Medikaments aus, können andere Unternehmen billigere Kopien dieses Arzneimittels verkaufen. Das kann die Einnahmen und Gewinne des Originalunternehmens beeinflussen.

Barron’s hat untersucht, dass bei Lilly die wichtigsten und ertragreichsten Patente in den USA im Jahr 2036 auslaufen. Bei Novo Nordisk soll das bereits 2031 der Fall sein. Darauf hingewiesen wird, dass beide Unternehmen über zahlreiche Patente für konkrete Arzneiformeln und Injektorkonstruktionen verfügen, die auch nach 2040 wirken werden.

Dennoch gibt es unbestreitbar gewisse Sorgen, dass billigere Generikavarianten so viel günstiger sein könnten, dass sie moderneren und wirksameren, teilweise ähnlichen Medikamenten Marktanteile abnehmen. Damit kann die aktuelle Stärke solcher Unternehmen, falls sie auf der Abhängigkeit von einigen entscheidenden Produkten zur Gewichtsregulierung beruht, auch zu einer Schwäche werden.

Platz dürfte für alle bleiben

Aktionäre solcher Unternehmen müssen deshalb aber vielleicht nicht gleich in Depression verfallen.

Eli Lilly ist ein schnell wachsendes Unternehmen. Das Finanznachrichtenportal Barron’s verweist auf Schätzungen, nach denen der Gewinn des Unternehmens in diesem Jahr um 36 Prozent auf 31 Milliarden US-Dollar steigen soll. Tatsächlich wächst Eli Lilly weiterhin mit einer Geschwindigkeit, die man sonst eher einem sehr heißen und aktuellen Technologieunternehmen zuschreiben würde.

Ein Teil der Experten schätzt zudem, dass Generika zumindest Eli Lilly nicht allzu stark aus der Bahn werfen werden. Die Marktkapitalisierung von Eli Lilly liegt derzeit bei glatten eine Billion US-Dollar. Einzelne mutige Prognosen gehen davon aus, dass daraus schon in fünf Jahren zwei Billionen US-Dollar werden könnten. Die Schweizer Bank UBS sagt etwa, sowohl Eli Lilly als auch Novo Nordisk hätten enorme Investitionen in die Produktion solcher Medikamente getätigt, die für andere schwer zu wiederholen seien. UBS zufolge wird das weltweite Ökosystem für Generika bis 2030 nur 25 bis 30 Prozent der GLP-1-Nachfrage decken können.

Viele Nutzer solcher Medikamente könnten außerdem bereit sein, für neuere und wirksamere Versionen mehr zu zahlen. In diesem Zusammenhang wird besonders Eli Lillys nächste experimentelle Version eines Medikaments zur Gewichtsregulierung hervorgehoben, Retatrutide, die in den USA im nächsten Jahr zugelassen werden könnte. Eli Lilly erforscht außerdem teilweise verwandte Produkte, die unerwünschte Effekte verringern könnten, etwa Fettabbau ohne gleichzeitigen Verlust von Muskelmasse. Pharmaanalysten urteilen, dass solche neuen Medikamente 2028 oder 2029 auf den Markt kommen könnten.

Welche Aktie ist die bessere Wahl?

Vielleicht sollte man auch Novo Nordisk, das relativ günstiger erscheint, nicht abschreiben. Bei essbaren Tabletten zur Gewichtsregulierung soll Novos Medikament Wegovy sogar einen leichten Vorteil bei der Wirksamkeit des Gewichtsverlusts haben, wenn man es mit Eli Lillys vergleichbarem Angebot Foundayo vergleicht. Das geht aus verfügbaren Informationen klinischer Tests hervor.

Allerdings berichtet Barron’s, dass Eli Lillys Produkt deutlich flexibler sei. Es lasse sich leichter lagern und zu jeder Tageszeit ohne besondere zusätzliche Anforderungen einnehmen. Bei Novos Tablette seien die richtige kühle Lagerung und die genaue Befolgung der Einnahmeanleitung wichtiger.

„Aktieninvestoren, die auf die Marktführer im GLP-1-Markt blicken, stehen vor einer schwierigen Wahl. Der Kurs der Lilly-Aktie hat sich in fünf Jahren nahezu verfünffacht. Die Novo-Aktie blieb im selben Zeitraum deutlich hinter dem S&P 500 zurück, ihr Wert liegt ungefähr dort, wo er am Anfang stand. Die Wall Street bevorzugt klar Lilly. Dort dürfte sich der Gewinn je Aktie in fünf Jahren verdoppeln, verglichen mit einem entsprechenden Gesamtwachstum von 29 Prozent bei Novo in diesem Zeitraum. Novo bietet allerdings eine höhere Dividendenrendite“, schreibt Barron’s.

Hervorgehoben wird außerdem, dass Eli Lilly am Ende größere Möglichkeiten haben könnte, Übernahmen umzusetzen und Forschung zu finanzieren, um das eigene Geschäft dennoch stärker zu diversifizieren.

Profitiert am Ende die ganze Wirtschaft?

Wie auch immer: Dies ist ein Faktor, der tatsächlich der gesamten Wirtschaft zugutekommen könnte.

„Langfristig, wenn GLP-1 zu einer breiteren Verbesserung der Stoffwechselgesundheit beiträgt, werden etwaige Rückgänge beim Absatz ungesunder Lebensmittel oder bei bariatrischen und kardiologischen Eingriffen durch wirtschaftliche Gewinne an anderer Stelle überschattet. Wenn Menschen gesünder sind, können sie produktiver sein, und es wird auch weniger vorzeitige Todesfälle geben“, sagt Lars Hartenstein vom McKinsey Health Institute.

Nach seinen Berechnungen könnte eine bessere Gesundheit auf breiter Ebene die Weltwirtschaft bis 2050 um mehr als fünf Billionen US-Dollar pro Jahr vergrößern, also um rund drei Prozent.

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Jānis Šķupelis

Jānis Šķupelis schreibt für Investoru Klubs, das lettische Investmentmedium und Schwesterunternehmen der Deutschen Wirtschafts Nachrichten im Bonnier-Konzern. Seine Beiträge beschäftigen sich vor allem mit Aktienmärkten, Rohstoffen, Zentralbanken, Anlegerpsychologie und langfristigen Investmenttrends.
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