Panorama

Mariä Himmelfahrt: Riesige Marienstatue wird in Polen eingeweiht

In einem Dorf in Polen wird am 15. August eine gigantische Marienfigur eingeweiht. Gestiftet hat sie einer der reichsten Männer des Landes. Ist das nun Kitsch, Kunst oder Religion?
15.08.2026 07:47
Lesezeit: 3 min
Mariä Himmelfahrt: Riesige Marienstatue wird in Polen eingeweiht
Eine riesige Marienstatue ist im Dorf Konotopie in Polen errichtet worden. Das 55 Meter hohe Bauwerk soll am 15. August von einem Bischof eingeweiht werden. (Foto: dpa) Foto: Doris Heimann

Riesige Marienstatue in Polen soll Pilger anziehen

Das Dorf Konotopie in Polen ist so klein, dass seine Straßen nicht einmal Namen haben. Ein Nest mit 120 Einwohnern, drei Stunden westlich von Warschau. Doch was hier in den Himmel ragt, ist gigantisch: Eine riesige Marienfigur erhebt sich zwischen Weizen- und Gerstenfeldern.

Das neue Bauwerk hat eine Gesamthöhe von mehr als 55 Metern. Die Statue selbst ist 40,6 Meter hoch. Ihr Sockel in Form einer Krone misst 15 Meter Höhe. Zum Vergleich: Die berühmte Christus-Statue von Rio de Janeiro bringt es mitsamt Sockel auf 38 Meter.

Als "größte Marienstatue Europas" feiert die polnische Presse den skurrilen Sakralbau von Konotopie. Größer geht es noch auf den Philippinen: Die Marienstatue von Montemaria ist 96 Meter hoch und gilt als größte Darstellung der Gottesmutter weltweit.

Einweihung an Mariä Himmelfahrt geplant

Am 15. August, dem katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt, soll die Figur mit dem Namen "Pomnik Matki Boskiej" (Denkmal der Muttergottes) mit einem Festgottesdienst eingeweiht werden. Tausende Gläubige werden erwartet.

Hinter dem Bauzaun in Konotopie sind die Arbeiter noch mit den letzten Vorbereitungen vor der Einweihung beschäftigt. Unweit der XXL-Maria steht ein kleines Gehöft mit Ziehbrunnen. Wäsche flattert im Wind, eine Bandsäge kreischt. "Das ist hübsch! Wir sind Katholiken, und für uns ist das eine Attraktion", sagt der junge Vater Michal (30), der mit seiner Frau Patrycja und Sohn Antoni auf dem Hof lebt.

Anders sieht das Rentner Janusz Kozlowski. Er ist mit seinem E-Bike auf dem Feldweg unterwegs. "Es gefällt mir zwar, aber ich hätte mit dem Geld was anderes gemacht. Kranke Kinder behandeln zum Beispiel", sagt der 71-Jährige.

Stifter ist einer der reichsten Männer Polens

Konotopie verdankt sein Marien-Monument einem privaten Stifter. Der Unternehmer Roman Karkosik ist einer der reichsten Männer in Polen. Der 75-Jährige hat es in der Autozuliefererbranche zu einem Vermögen gebracht und zählt zu den bekanntesten polnischen Börseninvestoren.

Der öffentlichkeitsscheue Karkosik und seine Frau Grazyna residieren in einem Schloss aus dem 18. Jahrhundert in Kikol, zwei Kilometer von Konotopie entfernt. Ein schweres Eisentor gibt den Blick frei auf einen Park mit Springbrunnen und ein schön restauriertes herrschaftliches Gebäude mit weißen Säulen. Wenn Karkosik aus seinem Schloss blickt, kann er seine Maria auf dem nächsten Hügel gut erkennen.

Der Multimillionär verriet der Financial Times lediglich, er habe die Statue "aus Dankbarkeit gegenüber Maria" errichten lassen. In Konotopie und Kikol sagen die Dorfbewohner, es sei dabei wohl um seine Gesundheit gegangen. Auch über die Baukosten schweigt sich Karkosik aus. Das polnische Fachportal Architektura Murator schätzt sie auf umgerechnet 23 Millionen Euro.

"Größer als der Christus von Swiebodzin"

Der von Karkosik beauftragte Bildhauer Adam Jakub Matejkowski erzählte der polnischen Ausgabe des Magazins Forbes, der Stifter habe einen besonderen Wunsch gehabt. "Er wollte, dass die Marienstatue größer wird als die Christus-Figur in Swiebodzin."

Der Ort Swiebodzin unweit der Grenze zu Deutschland steht für das bisherige polnische Nonplusultra der christlichen Statuen. Die riesige Jesusfigur dort ist von der Bahnlinie Berlin-Warschau aus gut zu sehen. Die 2010 enthüllte Statue lehnt sich an das berühmte Vorbild von Rio an. Die Figur misst mit Krone 36 Meter. Finanziert wurde das Projekt seinerzeit aus Spendengeldern.

Kirchenexperte: Statue wird ein "Must see" für konservative Pilger

Polen ist ein zutiefst katholisch geprägtes Land. Doch was sagt diese religiöse Gigantomanie aus über die Befindlichkeit der polnischen Seele?" Es gibt in Polen eine gewisse Strömung zur Errichtung großer Sakralbauten. Aber ich wäre vorsichtig damit, Schlüsse auf die polnische Religiosität zu ziehen", sagt der Publizist und Kirchenexperte Marcin Kedzierski. Vielmehr handele es sich in erster Linie um den Geschmack einzelner Menschen. "Die Motivation ist nicht viel anders als die der Bischöfe, die im Mittelalter hohe Kirchenbauten wie den Kölner Dom oder das Ulmer Münster errichten ließen."

Für Kedzierski teilen sich die Katholiken in Polen in drei Gruppen. Die Älteren ab 60 Jahren seien sehr konservativ. Katholiken in der Mitte des Lebens hätten eher liberale Ansichten. Unter den ganz jungen Polen dagegen seien immer weniger, die sich als gläubig bezeichnen. Aber diejenigen, die es tun, hätten so konservative Ansichten wie ihre Großeltern. "Gerade der älteren Generation und den ganz Jungen wird die Marienstatue gefallen", glaubt der Experte.

Dorfbürgermeister Mieczyslaw Grebicki ist stolz auf das Monument. "Für unser Dorf ist das eine große Ehre", sagt er. Bereits jetzt würden viele Touristen in den kleinen Ort kommen. Denn die Statue ist gut sichtbar von der Fernstraße, die von Warschau nach Bydgoszcz führt. Der Bürgermeister rechnet in Zukunft mit großem Interesse der Gläubigen. Kirchenexperte Kedzierski sieht das auch so: "Die Marienstatue von Konotopie wird bald ein "Must see" auf der Liste der Pilgerfahrten in Polen."

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