Schwedische Ruhe gegen deutsche Technik: Volvo EX60 im Test
Die Erwartungen an den Volvo EX60 sind enorm hoch. Erstens handelt es sich um den elektrischen Nachfolger des meistverkauften Modells der Marke überhaupt, des XC60. Zweitens basiert er auf der neuesten Elektroauto-Technologie der Marke und zeigt, wozu Volvo heute und in naher Zukunft fähig ist.
Die Konkurrenz ist hart. Die beiden deutschen technischen Wunderwerke BMW iX3 und Mercedes-Benz GLC sind nämlich ebenfalls in diesem Jahr auf den Markt gekommen. Alle drei sprechen nun Kunden in der Klasse mittelgroßer SUV um rund 80.260 Euro an.
Großer Hype, noch größerer Komfort
„Ist das der neue Volvo? Ist er gut? Ich habe meinen bestellt!“ Mehrmals während der Testwoche stieß ich auf solche Kommentare neugieriger Passanten, und ich konnte prompt antworten: „Ja, er ist gut, tatsächlich ist er hervorragend!“ Der Volvo EX60 P10 AWD hat Allradantrieb, 660 Kilometer WLTP-Reichweite und startet in der niedrigsten Ausstattungslinie Plus bei rund 77.570 Euro. Ich teste ein Fahrzeug in der höchsten Ausstattungslinie Ultra. Damit steigt der Preis auf rund 88.270 Euro. Dafür kommen unter anderem aktive Geräuschunterdrückung während der Fahrt und Akustikverglasung hinzu.
Das Ergebnis: Trotz enormer 22-Zoll-Räder, die als Sonderausstattung rund 1.806 Euro kosten, ist es in der Kabine völlig leise, auch bei hoher Geschwindigkeit. Gleichzeitig sorgt das adaptive Fahrwerk für einen Komfort, bei dem selbst die vielen Baustellen und Kanaldeckel Kopenhagens keine störenden Vibrationen durch Sitz und Lenkrad schickten.
Es ist eines der komfortabelsten Autos, die ich in diesem Jahr gefahren bin. Aber es ist nicht weichgespült. Mit 510 PS, einer Beschleunigung von null auf 100 km/h in 4,6 Sekunden und einer Anhängelast von 2.400 Kilogramm steht reichlich Kraft zur Verfügung.
Die Fahrerassistenzsysteme funktionieren gut, brillieren aber nicht ganz im gleichen Maß wie bei den beiden deutschen Konkurrenten.
Die Bedienung der Assistenten im Volvo erfolgt über Tasten am neuen, etwas kleineren Lenkrad. Es liegt angenehm in der Hand, und das Design soll unter anderem mehr Luft vor dem Fahrer schaffen und eine bessere Sicht auf das digitale Instrumentendisplay ermöglichen, das weit vorn unter der Windschutzscheibe platziert ist.
Ob man das Lenkraddesign mag, ist Geschmackssache. Über die Sitze lässt sich dagegen nichts Negatives sagen. Stütze und Komfort sind hervorragend. Im EX60 Ultra gibt es vorn Heiz- und Kühlfunktion, hinten allerdings nur Sitzheizung.
Nordisches Design mit sauberem Finish
Insgesamt ist der Innenraum sehr gut zusammengesetzt, voller weicher Oberflächen und mit einem angenehmen Raumgefühl dank Platzangebot und Glasdach.
Die Software im neuen Touchscreen ist schnell und hat Google Gemini integriert. Damit kann man auf Dänisch mit dem Auto über alles Mögliche sprechen und Funktionen wie die Sitzheizung per Stimme bedienen. Die Navigation läuft über Google Maps. Insgesamt macht das die Bedienung des Autos einfach und übersichtlich.
Auf der Rückbank sitze ich mit meinen 1,95 Metern bequem, sowohl in der Länge als auch in der Höhe. Mit drei Erwachsenen wird es allerdings etwas eng. Der Kofferraum ist mit 634 Litern groß und verfügt über ein Fach unter dem Ladeboden, das sich bequem über zwei „Deckel“ erreichen lässt, statt den gesamten Boden anheben zu müssen. Unter der Fronthaube versteckt sich ein 58-Liter-Fach, in dem das Ladekabel liegen kann.
Volvo EX60: Gute Eigenschaften für lange Strecken
Das Auto wird in Schweden auf der neuesten Elektroplattform der Marke gebaut, SPA3. Sie erlaubt Schnellladen mit bis zu 370 Kilowatt. So kann man in einer zehnminütigen Ladepause mehr als 300 Kilometer Reichweite nachladen. Eine Ladung von zehn auf 80 Prozent des 92-Kilowattstunden-Akkus soll in bis zu 16 Minuten möglich sein. 22-Kilowatt-Heimladen mit Wechselstrom ist serienmäßig, was bei vielen anderen Autos aufpreispflichtig ist.
Misst man die Menge der Serienausstattung am Preis, schlägt Volvo die beiden Fahrzeuge von BMW und Mercedes, auch in der teureren Ultra-Ausstattung. Will man einen BMW iX3 oder Mercedes GLC ähnlich ausstatten, liegen sie schnell über rund 93.640 Euro.
BMW und Mercedes sind beide präziser in ihren Bewegungen und machen am Lenkrad mehr Spaß, besonders der BMW. Doch der Volvo schlägt beide bei Komfort und Geräuschdämmung. Dann kann jeder selbst beurteilen, was wichtiger ist.
Eines ist sicher: Das ist zweifellos Volvos bisher bestes Elektroauto. Es liefert vollständig jene Erfahrung, die man von einem großen, edlen Volvo erwartet. Zugleich ist er bei der Elektroauto-Technik ganz vorn dabei, und gemessen am Preis steht er in seiner Klasse stark da.


