Finanzen

Nvidia-Aktie fällt trotz starker Quartalszahlen – und dreht dann ins Plus: Die Gründe für die Achterbahnfahrt

Nvidia hat die hohen Erwartungen der Wall Street erneut übertroffen. Dennoch geriet die Nvidia-Aktie nachbörslich unter Druck. Steigende Kosten und die Aussicht auf eine niedrigere Bruttomarge überschatteten die starken Ergebnisse des Chipkonzerns.
26.08.2026 23:34
Lesezeit: 3 min
Nvidia-Aktie fällt trotz starker Quartalszahlen – und dreht dann ins Plus: Die Gründe für die Achterbahnfahrt
Nvidia übertrifft die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn, doch die Nvidia-Aktie fällt. (Bild: dpa) Foto: Andrej Sokolow

Nvidia-Aktie fällt, obwohl die Nvidia-Zahlen die Erwartungen übertreffen

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Nvidia einen Umsatz von 96,2 Milliarden US-Dollar. Das waren 18 Prozent mehr als im vorherigen Quartal und 106 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damals hatte der Konzern 46,74 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Eine andere Darstellung der Erlöse bezifferte den Umsatz auf 96 Milliarden US-Dollar.

Die Prognosen von 47 Experten hatten im Durchschnitt bei 92,28 Milliarden US-Dollar gelegen. An anderer Stelle wurde die Markterwartung mit 92,27 Milliarden US-Dollar angegeben. Im ersten Quartal waren es 81,6 Milliarden US-Dollar gewesen. Die Nvidia-Zahlen fielen damit besser aus als erwartet.

Auch beim Ergebnis überzeugte die Nvidia-Bilanz. Der bereinigte Gewinn erreichte 2,22 US-Dollar je Aktie, während 42 Analysten durchschnittlich 2,09 US-Dollar erwartet hatten. Im Vorjahresquartal waren 1,08 US-Dollar verbucht worden, nach 1,89 US-Dollar im Q12. Nach GAAP betrug der verwässerte Gewinn 2,46 US-Dollar je Aktie. Die Rohertragsmarge lag bei 75 Prozent beziehungsweise 75,0 Prozent. Erwartet worden waren 74,9 Prozent, ebenso viel wie im Q1.

Rechenzentren treiben die Nvidia-Quartalszahlen

Das Geschäft mit Rechenzentren erwirtschaftete 89,0 Milliarden US-Dollar und damit 117 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Besonders stark entwickelte sich der Bereich der Hyperscaler: Hier wurden 48,7 Milliarden US-Dollar erreicht, verglichen mit erwarteten 43,5 Milliarden US-Dollar.

Nvidia-Chef Jensen Huang erklärte: "KI hat ihren Wendepunkt erreicht. Sie leistet inzwischen nützliche Arbeit. Ihre Tokens sind produktiv und profitabel. Rechenleistung ist jetzt Umsatz." Im zweiten Quartal gab Nvidia etwa 26,0 Milliarden US-Dollar über Aktienrückkäufe und Bardividenden an die Anteilseigner zurück. Unter der Rückkaufermächtigung verblieben rund 99,0 Milliarden US-Dollar. Die nächste Quartalsdividende von 0,25 US-Dollar je Aktie wird am 1. Oktober 2026 an Aktionäre ausgezahlt, die am 10. September 2026 eingetragen sind.

Ausblick belastet Nvidia-Aktienkurs

Für das dritte Quartal erwartet Nvidia einen Umsatz von 108,0 Milliarden US-Dollar, plus oder minus 2 Prozent. Das entspricht einer Spanne von 105,8 Milliarden US-Dollar bis 110,1 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten mit 105 Milliarden US-Dollar gerechnet. Umsätze mit Rechenzentrum-Rechenleistung aus China sind dabei nicht berücksichtigt.

Die GAAP- und Non-GAAP-Bruttomarge soll auf 74,0 Prozent, plus oder minus 50 Basispunkte, sinken. Die operativen Ausgaben werden auf 9,2 Milliarden beziehungsweise 9,0 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Für das Gesamtjahr 2027 erwartet Nvidia Steuersätze zwischen 16,0 Prozent und 18,0 Prozent.

Im nachbörslichen US-Handel geriet der Nvidia-Aktienkurs in den ersten Minuten unter Druck und verlor nachbörslich zeitweise 1,19 Prozent auf 207,16 US-Dollar. Schon vor Veröffentlichung hatte der Optionsmarkt eine Bewegung von rund ± 5 Prozent eingepreist. Der Nasdaq-Wert hatte den regulären Handel zuvor mit einem Minus von 1,6 Prozent beendet.

Etwa eine Stunde nach Handelsschluss an der Wall Street drehte der Aktienkurs von Nvidia dann aber ins Plus. Zuletzt stieg er um zweieinhalb Prozent auf 214,85 Dollar. Damit würden die Papiere im Hauptgeschäft auf den Erholungspfad zurückfinden. Mitte Mai war der Kurs auf ein Rekordhoch über 236 Dollar geklettert. Anschließend machten Anleger im gesamtem KI-Sektor erst einmal Kasse, nicht wenige der Werte hatten zuvor binnen Monaten um ein Vielfaches zugelegt.

Nvidia-Aktie kurzzeitig unter Druck: Anleger blicken auf Kosten und Margen

Damit zeigt die Reaktion der Nvidia-Aktie, wie hoch die Erwartungen inzwischen liegen. Obwohl die Nvidia-Aktie bei Umsatz und Gewinn überzeugte, rückten Kosten und Margen in den Vordergrund. "Was hier wirklich entscheidend sein wird, ist der Ausblick", sagte Stephanie Niven, Portfoliomanagerin bei Ninety One.

Vor den Ergebnissen hatte der Dow Jones Industrial 0,21 Prozent auf 53.463,88 Punkte verloren. Der S&P 500 sank um 0,02 Prozent auf 7.675,70 Zähler, während der Nasdaq 100 um 0,05 Prozent auf 29.224,52 Punkte stieg. Der PCE-Preisindex verharrte im Juli bei 3,7 Prozent; erwartet waren 3,6 Prozent. Der Nasdaq-Wert bleibt damit ein Barometer des KI-Booms. Für den Nvidia-Aktienkurs dürfte entscheidend sein, ob das Wachstum die steigenden Ausgaben ausgleicht. Die Nvidia-Aktie steht trotz der überzeugenden Nvidia-Zahlen und der starken Nvidia-Bilanz weiter unter hohem Erwartungsdruck. Anleger dürften daher genau verfolgen, ob die Nvidia-Aktie ihre Margen stabilisieren kann.

Nvidia-Aktie aktuell: Chipgigant muss die hohen Erwartungen weiter erfüllen

Nvidia hat die hohen Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen und zugleich einen überraschend starken Ausblick vorgelegt. Dennoch zeigt das Minus der Nvidia-Aktie, dass gute Zahlen allein dem Markt inzwischen nicht mehr genügen. Nachbörslich rutschte das Papier des Nasdaq-Wertes an der Technologiebörse aber nur kurzzeitig ins Minus.

Nvidia ist mit seinen Produkten für Rechenzentren der zentrale Motor des KI-Booms. Das zuvor vor allem in der Gamer-Szene für seine Grafikkarten bekannte Unternehmen stellt mit seinen Chips und Chipsystemen die Schlüsseltechnologien zum Training großer KI-Sprachmodelle sowie zu deren Betrieb her. Anleger, die Ende 2019 1.000 Euro in Nvidia-Aktien investierten, haben heute fast 36.000 Euro. Der Börsenwert des Unternehmens liegt mittlerweile – per Schlusskurs vom Mittwoch – bei 5,07 Billionen Dollar, was es zum wertvollsten der Welt macht.

Anleger richten ihren Blick verstärkt auf die steigenden operativen Ausgaben und die erwartete Abschwächung der Bruttomarge. Der Konzern profitiert weiterhin kräftig vom weltweiten Ausbau der KI-Infrastruktur, besonders im Geschäft mit Rechenzentren und Hyperscalern. Entscheidend wird nun sein, ob Nvidia sein rasantes Wachstum aufrechterhalten und gleichzeitig die Kosten kontrollieren kann. Die kommenden Quartale dürften zeigen, ob der KI-Boom die ausgesprochen hohen Erwartungen der Börse weiterhin erfüllen kann.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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