Halberstädter Würstchen sind Geschichte: Unternehmen beendet den Betrieb
Nach mehreren Jahren im Überlebenskampf steht das Aus für die Halberstädter Konserven GmbH fest. Der Geschäftsbetrieb wird eingestellt. Für die Beschäftigten bedeutet das den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Offen ist zudem, wie es mit der bekannten Marke "Halberstädter Würstchen" weitergeht.
Halberstädter Würstchen: Betrieb schließt, Zukunft der Marke offen
Bei der Halberstädter Konserven GmbH gehen endgültig die Lichter aus. Der traditionsreiche Hersteller aus Sachsen-Anhalt stellt den Betrieb ein. Für das insolvente Unternehmen habe sich kein neuer Interessent gefunden sagte die Insolvenzverwalterin Medienberichten zufolge der Magdeburger "Volksstimme". Alle Mitarbeiter hätten ihre Kündigung bekommen. Deren genaue Zahl ist derzeit offenbar unklar, wie der MDR berichtet.
Zu Beginn der jüngsten Insolvenz Anfang Juni seien es noch gut 150 gewesen. Von denen hätten seitdem aber bereits einige neue Anstellungen gefunden. Der Betriebsrat habe sich bereits vor einigen Wochen aufgelöst, berichtet der Sender weiter. Unklar sei noch die Zukunft der traditionsreichen Marke "Halberstädter". Die Rechte lägen bei der Eigentümerfamilie des Unternehmens.
Sanierung endgültig gescheitert
Die Unternehmensgruppe rund um die Halberstädter Würstchen ist von gestiegenen Energie-, Fleisch- und Personalkosten getroffen. Die Produktionsgesellschaft bei Halberstädter war in einem umkämpften und auch rückläufigen Markt in Schieflage geraten.
Das Unternehmen hat eine mehr als 140 Jahre lange Tradition. Zu DDR-Zeiten befand sich das Unternehmen in Volkseigentum, 1992 wurde es von der Unternehmerfamilie Nitsch übernommen. Die Produktpalette reicht von Fleisch- und Wurstkonserven über frische Produkte bis zu Suppen und Fertiggerichten. Das Unternehmen war nach eigenen Angaben 1883 gegründet worden. Ab 1896 gab es dann die Würstchen in der Konserve.
Tauchen Sie tiefer in die Historie der berühmten Wurst ein:
- 25. November 1883 - Gründung der Halberstädter Würstchenfabrik
In einer Junggesellenküche mit selbstgemauerter Räucheranlage wurden am 25. November 1883 die ersten der berühmten Halberstädter Würstchen produziert. Friedrich Heine gründete so die später größte Fleischwarenfabrik Europas. Zehn Jahre nach Gründung der Würstchenfabrik beschäftigte Friedrich Heine fünf Mitarbeiter. Mehr als 1.000 Paar Würstchen wurden pro Tag verkauft, was einem Umsatz von 300 Mark entsprach. Um jedoch mehr produzieren zu können, war es unerlässlich, die Würstchen haltbar zu machen. Von 1894 an versuchte Friedrich Heine, die Würstchen zu konservieren, jedoch vorerst ohne Erfolg. Ein Großauftrag veranlasste Heine, die Konservierungsversuche wieder aufzunehmen.
- 1896 - Erste Bestellung über 40.000 Paar Würstchen
Im Juni 1896 sollte das Kyffhäuserdenkmal eingeweiht werden. Kaiser Wilhelm II, Könige, Fürsten und viele tausend Zuschauer wurden erwartet. Bei der Halberstädter Würstchenfabrik wurden 40.000 Paar Würstchen bestellt. Nach unzähligen Versuchen gelang die Konservierung. Ob die Würstchen wirklich haltbar waren, sollte sich jedoch erst später herausstellen. Am Tag der Kyffhäusereinweihung hielten 18 Verkäufer 30.000 Paar konservierte und 10.000 Paar frisch geräucherte Würstchen bereit. Doch nur wenige waren verkauft, als ein Unwetter hereinbrach, das die Versammelten in alle Richtungen auseinander laufen ließ. Heine meinte, der Verlust würde ihn seine Existenz kosten. Was er jedoch kaum zu hoffen wagte: Die Würstchen waren haltbar. Zur Kochkunstausstellung in Wiesbaden vom 15. Juli bis 1. September 1896 präsentierte das kleine Unternehmen aus Halberstadt als Weltneuheit Würstchen in Dosen. Ständig wachsender Absatz veranlasste Friedrich Heine über größere Produktionsräume nachzudenken.
- November 1913 - Die Größte und modernste Fleischverarbeitungsfabrik Europas
Im November 1913 nahm in Halberstadt die damals größte und modernste Fleischverarbeitungsfabrik Europas die Produktion auf, die denkmalgeschützte Fabrik wo auch heute noch die Halberstädter Würstchen produziert werden.
- 1948 - Das Unternehmen wurde Volkseigentum
Das Unternehmen ging 1948 in Volkseigentum über und firmierte bis zum Mauerfall unter VEB Halberstädter Fleischwaren.
- 1992 - Übernahme 1992 durch die Unternehmer-Familie Nitsch
Mit der Übernahme 1992 durch die Unternehmer-Familie Nitsch wurde die lange Tradition der Marke Halberstädter fortgeführt und nach modernen Anforderungen weiterentwickelt. Heute reicht die Halberstädter Produktpalette von Fleisch- und Wurstkonserven über ein reichhaltiges Angebot an frischen Produkten für das SB-Regal und die Frische-Theke bis hin zu Suppen und Convenience, alle von ausgezeichneter Qualität. Im Osten Deutschlands festigt das Unternehmen seit der Wende im Segment „konservierte Würstchen im Naturdarm/Saitling“ seine Marktführerschaft. Bundesweit wird eine flächendeckende Distribution angestrebt. Der Bekanntheitsgrad der Marke Halberstädter erreicht in den neuen Bundesländern mehr als 80 Prozent, in den alten Bundesländern steigert er sich kontinuierlich aufgrund umfangreicher Marketing- und PR-Aktivitäten. Seit 1913 werden die Produkte von der DLG regelmäßig mit Gold prämiert. Im Jahr 2013 feierte Halberstädter 130 Jahre Firmenjubiläum. Bis heute zählte das Unternehmen zu den größten in der Region.
