Politik

Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Hochrechnungen knapp vor SPD

Erste Hochrechnungen aus Mecklenburg-Vorpommern zeigen deutliche Verschiebungen im Parteiensystem. Während eine Partei ihr Ergebnis mehr als verdoppelt, geraten etablierte Kräfte unter Druck. Noch ist offen, wer am Ende vorne liegt und welche Mehrheiten sich im Schweriner Landtag überhaupt bilden lassen.
20.09.2026 19:16
Lesezeit: 4 min
Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Hochrechnungen knapp vor SPD
Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: Leif-Erik Holm, Ministerpräsidentenkandidat der AfD, und Manuela Schwesig, Spitzenkandidatin der SPD und Ministerpräsidentin. (Bild: dpa) Foto: Marcus Brandt

CDU verliert in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin

Pleite für die CDU bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin: Im Nordosten ist die CDU auf ihr schlechtestes Ergebnis der Nachkriegsgeschichte in einem Land, im Bund und in Europa abgestürzt. In der Hauptstadt wird die Linke deutlich stärkste Kraft vor der CDU, wie aus den Hochrechnungen von ARD und ZDF hervorgeht.

Die Linke könnte mit Spitzenkandidatin Elif Eralp erstmals die Regierende Bürgermeisterin stellen und der CDU den Posten abnehmen. Die Ergebnisse sind eine weitere Bürde für den angeschlagenen Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz.

AfD landet in Mecklenburg-Vorpommern auf Platz eins

In Mecklenburg-Vorpommern landet die AfD laut Hochrechnungen auf Platz eins mit 37,1 bis 37,8 Prozent (2021: 16,7) und ist damit zum dritten Mal nach Thüringen und Sachsen-Anhalt stärkste Kraft in einem Bundesland. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kommt auf 35,6 bis 36,3 Prozent (39,6).

Die Linke fällt auf 6,2 bis 7,4 Prozent (9,9). Die CDU rutscht ab auf 5,1 bis 5,4 Prozent (13,3) und könnte an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Auch die Grünen müssen mit 5,5 Prozent (6,3) um den Einzug ins Parlament bangen, ebenso das BSW mit 4,8 bis 5 Prozent. Die FDP fliegt mit 1 bis 1,1 Prozent (5,8) raus.

Linke wird in Berlin stärkste Kraft

In Berlin sackt die CDU ab auf 20 Prozent (2023: 28,2). Ihr bisheriger Koalitionspartner SPD verliert ebenfalls und landet bei 12 Prozent (18,4) - ihr schlechtestes Ergebnis in dem Stadtstaat seit 1990.

Sehr stark zulegen kann dagegen die Linke und kommt auf 24,8 bis 25,8 Prozent (12,2). Die Grünen sacken leicht ab auf 15 bis 15,4 Prozent (18,4). Die AfD verbessert sich auf 13,8 bis 15,7 Prozent (9,1). Das BSW könnte mit 5 Prozent die Sperrklausel überwinden.

Wahlbeteiligung steigt in beiden Ländern

Die Wahlbeteiligung liegt den Zahlen zufolge in Mecklenburg-Vorpommern bei 75,5 bis 79 Prozent (2021: 70,8), in Berlin bei 72 bis 75 Prozent (2023: 63). Im Nordosten waren etwa 1,3 Millionen Menschen wahlberechtigt, in der Hauptstadt rund 2,5 Millionen.

Spekulation über Zukunft des Kanzlers

Die Bundesregierung aus Union und SPD dürfte angesichts der Zahlen unter Druck bleiben. Das Wahldebakel der CDU in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen, begleitet von einem haushohen AfD-Sieg, hatte Merz zuletzt in die Enge getrieben. Tagelang wurde auch in der Union spekuliert, ob er sich als Kanzler halten kann.

Merz will trotz der schlechten Ergebnisse seiner Partei im Amt bleiben und den eingeschlagenen Reformkurs seiner schwarz-roten Regierung fortsetzen. "Ich möchte unser Land voranbringen", sagte der CDU-Vorsitzende kurz nach 18.00 Uhr in Berlin. "Die Reformen müssen kommen."

Der Koalitionspartner der Union im Bund, die SPD, muss nun in beiden Ländern Verluste einstecken. In Mecklenburg-Vorpommern liegt sie mit Regierungschefin Schwesig trotz Aufholjagd hinter der AfD, in Berlin büßen die Sozialdemokraten stark ein.

Kann Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern weiterregieren?

In Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD zwar vorn, hat aber keine echte Machtoption. Die im Landtag vertretenen Parteien hatten eine Koalition mit der AfD vor der Wahl ausgeschlossen. Dennoch sagte AfD-Bundeschef Tino Chrupalla, seine Partei habe klar den Regierungsauftrag. Zudem forderte er Kanzler Merz zum Rücktritt auf.

Ministerpräsidentin Schwesig will nach eigenen Worten weiterregieren. "Wir haben von Anfang an daran geglaubt, dass es möglich ist, der in Ostdeutschland und in ganz Deutschland sehr erstarkten AfD etwas entgegenzusetzen", sagte die SPD-Spitzenkandidatin.

Mehrheitsverhältnisse bleiben unklar

Ob die bisherige Regierungskoalition aus SPD und Linke unter Schwesig weiter eine Mehrheit hat, ist aber noch unklar. Wenn die Grünen im Landtag bleiben, wäre ein rot-rot-grünes Dreierbündnis eine Alternative. Sollten die Grünen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, könnte eine rot-rote Minderheitsregierung auf Stimmen aus der CDU angewiesen sein - wenn die Partei ins Parlament einzieht.

Eine Hürde ist, dass die CDU Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit mit der Linken wie mit der AfD per Bundesparteitagsbeschluss abgelehnt hat. Sowohl in Sachsen als auch in Thüringen nimmt die CDU dennoch für Mehrheiten im Landtag punktuell die Hilfe der Linken in Anspruch.

Wahlkampf vom Duell zwischen AfD und SPD geprägt

Der Wahlkampf war durch die hohen Umfragewerte für die AfD geprägt vom Duell zwischen der Rechtsaußenpartei und der SPD. Die AfD warb selbstbewusst für ihren Kandidaten Leif-Erik Holm als nächsten Ministerpräsidenten. Die SPD setzte ganz auf Regierungschefin Schwesig - nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt verstärkt als "Die Frau gegen Blau".

So oder so neuer Bürgermeister oder Bürgermeisterin in Berlin

In Berlin dürfte keine Zweier-Koalition auf eine Mehrheit kommen, auch nicht das regierende Bündnis aus CDU und SPD. Als wahrscheinliche Option gilt nun eine Dreier-Koalition aus Linken, Grünen und SPD. Die AfD bleibt, anders als in Sachsen-Anhalt, bei der Regierungsbildung außen vor, weil die übrigen Parteien eine Zusammenarbeit mit der Rechtsaußen-Partei ablehnen.

Wenn die Linke mit ihrer Spitzenfrau Eralp am Ende vorn bleibt, könnte die Hauptstadt erstmals seit der Wiedervereinigung sozialistisch regiert werden - so wie auch Paris und New York. Die 45-jährige Eralp stand bis zum Wahlkampf als Vize-Fraktionschefin eher in der zweiten Reihe.

Die zweifache Mutter warb damit, "Miet-Abzocke" zu stoppen und Berlin "wieder bezahlbar" zu machen. Die Juristin muss sich aber auch mit Vorwürfen auseinandersetzen, dass es in ihrer Partei inzwischen viele offen antisemitische Palästina-Aktivisten gibt.

Auf der Wahlparty der Linken sagte Eralp nach Veröffentlichung der ersten Zahlen: "In unserer Stadt hat die Liebe und die Gerechtigkeit über den Hass gewonnen, und dieses Signal geht raus in die Welt."

CDU und SPD wechselten ihre Spitzenkandidaten

Die CDU hatte im Juli Amtsinhaber Kai Wegner (CDU) als Spitzenkandidaten aus dem Rennen genommen, weil dieser beim großen Stromausfall Anfang des Jahres falsche Angaben über sein Krisenmanagement gemacht hatte. Kurzfristig übernahm Finanzsenator Stefan Evers (46).

Die SPD hatte ihre frühere Regierungschefin Franziska Giffey ins Abseits gestellt und war mit dem zunächst wenig bekannten Steffen Krach ins Rennen gegangen. Er sieht sich aber nun mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover konfrontiert, die seine frühere Tätigkeit als Regionspräsident in Hannover betreffen.

Es geht um den Anfangsverdacht der Vorteilsannahme, Krach weist alle Vorwürfe zurück.

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